DKG-Chef Dr. Gerald Gaß sieht 2026 als „Schicksalsjahr für die Krankenhäuser“. Unter dem Titel „Blick ins Jahr 2026 zwischen Spardiktat und Klinikreform“ hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf das Reformjahr 2026 eingestimmt.
Für niedergelassene Dermatologen wären das gleich zwei bittere Pillen: Verlagerung der Fachmedizin ans Krankenhaus und ein Versorgungs-Budget für alles in einer Region.
Das steckt dahinter

„Wir erwarten von der Gesundheitspolitik finanzielle Stabilität, konsequenten Bürokratieabbau, verlässliche Rahmenbedingungen und mutige Reformentscheidungen – im Interesse der Patientinnen und Patienten und einer sicheren Versorgung in Deutschland“, fordert der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Dr. Gerald Gaß. Seine Stellvertreterin Prof. Henriette Neumeyer sagte: „Wir wissen, dass Veränderungen notwendig sind, und wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Die Kliniken seien bereit, Versorgungsstrukturen neu zu ordnen und in den kommenden zehn Jahren auf mehrere Hundert Standorte zu verzichten bzw. diese in sektorübergreifende Versorgungszentren (SÜV) umzuwandeln. Die Reform könne jedoch nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.
Unter dem Stichwort „Redundanz“ proklamierte Prof. Neumeyer die „weitestgehende Konzentration der fachärztlichen Versorgung an den Krankenhäusern – verbunden mit einem starken Primärversorgungs-Zentrum“. Nach der Rasenmäher-Methode möchte die DKG ein Gesamt-Budget für eine Region und über alle Sektoren-Grenzen hinweg einrichten.
Der Grund der Radikalität liegt auf der Hand: Vielen Krankenhäusern fehlt es an der notwendigen finanziellen Liquidität für Betriebsausgaben und Investitionen. Dem Rechnungszuschlag von etwa vier Milliarden Euro steht 2026 ein Sparpaket von 1,8 Milliarden Euro gegenüber. „2026 fehlt uns der Inflationsausgleich“, unterstrich Dr. Gaß. Die Roland Berger-Krankenhausstudie 2025 hat drei von vier Krankenhäusern rote Zahlen bescheinigt. Von 2023 bis 2025 mussten 90 Krankenhausstandorte ein Insolvenzverfahren eröffnen, von dem rund 39.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind. Natürlich liegen 102,21 Mrd. Euro Krankenhauskosten der DKG schwer im Magen, zumal der ambulante Sektor nur auf 58,73 Mrd. Euro kommt. Prozentual sank der Anteil der Krankenhäuser allerdings 2025 von 35,6% auf 32,7%.
SÜV-Zentren auf dem Land
Sektorübergreifende Versorgungszentren kann sich die DKG z.B. auf dem Land gut vorstellen. Zudem sollen DRG-Kurzlieger-Fälle einen Gegenpol zu den Hybrid-DRG-Leistungen bilden, die sich ambulante Fachärzte in aller Regel besser vorstellen können als teure Krankenhäuser. Die Patientinnen und Patienten sollen auch in der krankenhausbezogenen Versorgung stärker zur Kasse gebeten werden. Der DKG-Vorstandsvorsitzende forderte eine Erhöhung des Krankenhaustagegeldes auf 20 Euro pro Tag sowie 20 Euro und mehr als Eintrittsgebühr für den direkten, nicht gesteuerten Zugang zu Integrierten Notfallzentren.
„2026 muss ein Jahr der Entscheidungen werden. Die Bundesregierung darf die Zeit nicht weiter verstreichen lassen. Wir brauchen jetzt tiefgreifende Reformen im Gesundheitswesen, klare Prioritäten und den politischen Mut, unbequeme, aber notwendige Maßnahmen umzusetzen“, erklärte Dr. Gaß. Die finanzielle Lage des Gesundheitswesens spitzt sich weiter zu. Bereits ab 2027 erwartet das Bundesministerium für Gesundheit ein Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe. „Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist bereits heute dramatisch. Immer mehr Kliniken geraten in existenzielle Schwierigkeiten, Insolvenzen nehmen zu“, warnte Dr. Gaß. Ohne Kurskorrektur werde sich diese Entwicklung weiter beschleunigen, eine Pleitewelle drohe auf dem Rücken der Patienten.
Franz-Günter Runkel



