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Einheitliche Standards für Forschung zum Handekzem

Nahaufnahme einer Hand mit roten Hautirritationen, die auf Ekzeme oder Neurodermitis hinweisen.

Einheitliche Standards für Forschung zum Handekzem

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mgo medizin Redaktion

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In dem internationalen Forschungsnetzwerk HECOS wurden gemeinsam mit dem Team um Versorgungsforscher Prof. Dr. Dr. Christian Apfelbacher, Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erstmals international gültige Kriterien für Interventionsstudien zu Therapien des Handekzems festgelegt. Dafür entwickelten die Forschenden ein sogenanntes Core Outcome Set (COS), eine Zusammenstellung relevanter Ergebnisparameter zu einem Krankheitsbild, um Studien besser vergleichbar zu machen. Die Ergebnisse der durchgeführten Delphi-Konsensstudie wurden in dem Fachjournal Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology veröffentlicht und legen den Grundstein für eine standardisierte Bewertung von wissenschaftlichen Studien zum Handekzem weltweit.

Das Handekzem ist eine weit verbreitete und komplexe entzündliche Hauterkrankung, die jährlich etwa 9 % der Bevölkerung betrifft. Je nach Schweregrad können die klinischen Zeichen wie Risse oder Bläschen von erheblichem Juckreiz oder Schmerzen begleitet sein. Bei chronischem Verlauf schränkt das Handekzem unter anderem die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen ein.

Um die Wirksamkeit vorhandener Therapiestrategien zu beurteilen und zu verbessern, ist die Vergleichbarkeit von Studien entscheidend. „Viele Studien zum Handekzem lassen sich trotz ähnlicher Fragestellung nicht vergleichen, da verschiedene Forschungsgruppen unterschiedliche Ergebnisparameter festlegen. Das ist besonders problematisch, da es die Zusammenfassung von Wissen über dieses Krankheitsbild erheblich erschwert“, erklärt Prof. Apfelbacher.

Die Entwicklung eines Core Outcome Set für Therapien des Handekzems im Rahmen der HECOS-Initiative sei laut Apfelbacher deshalb ein bedeutender Schritt für die Forschung und für die Praxis, um einheitliche Ergebnisparameter für klinische Studien und Beobachtungsstudien zu Interventionen zu etablieren. „Es ermöglicht, die Forschung zum Handekzem zu harmonisieren und zu verbessern und trägt dazu bei, die Entwicklung effektiver Therapien zu beschleunigen“, betont Prof. Apfelbacher.

Nach umfassender Literaturrecherche und einem mehrstufigen qualitativen Befragungsverfahren nach der Delphi-Methode hat die Forschungsinitiative vier Bereiche als wesentliche für Studien zum Handekzem konsentiert: Zeichen und Symptome des Handekzems, Krankheitskontrolle im Zeitverlauf und Handekzem-bezogene Lebensqualität. Außerdem wurden diese Kernbereiche durch bis zu fünf konkrete Ergebnisparameter genauer bestimmt. Insgesamt beteiligten sich mehr als 200 Personen aus 28 Ländern an dem Konsensverfahren. „Anfangs kamen zahlreiche Ergebnisparameter in Betracht, um den Erfolg einer Behandlung zu beurteilen. Nach intensivem Austausch hat sich eine breite Mehrheit der Beteiligten auf 15 entscheidende Parameter aus den Bereichen Zeichen, Symptome, Kontrolle im Zeitverlauf und Lebensqualität geeinigt“, sagt Studienautorin und HECOS-Koordinatorin Henriette Rönsch vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.

Prof. Apfelbacher sagt: „Diese identifizierten Core Outcomes werden dazu beitragen, die Vergleichbarkeit von Studien zu erleichtern und die Qualität der Ergebnisse zu erhöhen. Sie ermöglichen es zudem, dass Untersuchungsergebnisse in Meta-Analysen einfließen können, um aus neuen Erkenntnissen schnellstmöglich Nutzen zu ziehen.“

Die weitere Arbeit von HECOS wird sich nun darauf konzentrieren, für das Core Outcome Set die optimalen Messinstrumente zur Bewertung von Symptomen und Lebensqualität in einem weiteren Konsensverfahren zu ermitteln. Gleichzeitig soll ein intensiver Austausch mit Studieneinrichtungen, Arzneimittelbehörden, Herstellern und anderen Interessensgruppen erfolgen. Dies dient der Akzeptanz und langfristigen Implementierung des COS und damit der Verbesserung der Forschung auf dem Gebiet des Handekzems.

Quelle: Pressemitteilung der Otto von Guericke Universität Magdeburg

Originalpublikation: Rönsch H, Drewitz KP, Atwater AR et al. Consensus on core domains for hand eczema trials: Signs, symptoms, control and quality of life. J Eur Acad Dermatol Venereol 2025

Bilderquelle: © NATALYA – stock.adobe.com

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