Dermatologie » Allergologie » Immuntherapie

»

Forschung: β-Glucane vielversprechende Adjuvanzien für die Allergiebehandlung

Forscher arbeiten an einer klinischen Studie

Forschung: β-Glucane vielversprechende Adjuvanzien für die Allergiebehandlung

News

Dermatologie

Allergologie

Immuntherapie

mgo medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Ein Forschungsteam des Paul-Ehrlich-Instituts hat in einer aktuellen Studie die immunmodulierenden Eigenschaften von β-Glucanen untersucht. Dabei handelt es sich um natürliche Zuckerverbindungen aus Bakterien, Pilzen und Getreide. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass β-Glucane das Immunsystem gezielt beeinflussen und entzündungsfördernde Reaktionen modulieren können. Besonders vielversprechend ist ihr Potenzial, allergische Reaktionen zu unterdrücken und neue Ansätze zur Behandlung von Allergien zu bieten. Die wissenschaftliche Publikation ist im International Journal of Molecular Sciences erschienen.

β-Glucane sind natürliche Zuckerverbindungen aus Bakterien, Pilzen und Getreide. Sie wirken auf spezielle Rezeptoren im Immunsystem und können dadurch unterschiedliche Reaktionen auslösen. So fördern sie unter anderem die Aktivität von Immunzellen, die für die Bekämpfung von Krankheitserregern verantwortlich sind und können Entzündungsprozesse modulieren. Besonders vielversprechend ist ihr Potenzial als Adjuvans. Adjuvanzien sind Hilfsstoffe, die beispielsweise in Impfstoffen eingesetzt werden, um die Immunantwort zu verstärken und so den Impfschutz zu verstärken.

Adjuvanzien in der Allergologie

Adjuvanzien finden auch Einsatz bei Therapieallergenen, mit deren Hilfe das Immunsystem auf eine Weise beeinflusst (moduliert) wird, die zu einer Verminderung der allergischen Reaktionen und zu einer Gewöhnung an das Allergen beiträgt.

In der allergenspezifischen Immuntherapie werden Adjuvanzien erforscht, um konkret allergenspezifische (sogenannte Th2-) Immunreaktionen zu modulieren und die Toleranz (Verträglichkeit) gegenüber bestimmten Allergenen wiederherzustellen.

Eine Forschungsgruppe unter Leitung von PD Dr. Stefan Schülke, Leitung des Fachgebiets Forschung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts, testete in einer Studie sechs verschiedene β-Glucane, darunter Zymosan und seine Varianten, sowie andere bekannte β-1,3-Glucane auf ihren Einfluss auf das Immunsystem. Dabei stellte die Gruppe fest, dass diese Substanzen unterschiedliche Immunzellen aktivieren und die Freisetzung bestimmter entzündungsfördernder Stoffe auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Besonders Zymosan und β-1,3-Glucan konnten in den Experimenten die Produktion von Entzündungsmarkern verringern und zeigten eine vielversprechende Fähigkeit, allergiebedingte Immunantworten zu unterdrücken.

Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend und könnten dazu beitragen, neue therapeutische Ansätze für die Behandlung von Allergien zu entwickeln. So könnten β-Glucane künftig eine wichtige Rolle dabei spielen, allergische Reaktionen zu verhindern und die Immunantwort gezielt zu steuern.

Einige Ergebnisse im Detail

In der Studie wurden sowohl immunologische (Rezeptoraktivierung, Zytokinfreisetzung, T-Zell-Modulation) als auch metabolische Parameter (Stoffwechselzustand) in dendritischen Zellen – bestimmten Immunzellen – abgeleitet aus dem Knochenmark von Mäusen analysiert. Es zeigte sich, dass alle getesteten β-Glucane den C-Typ-Lektinrezeptor (CLR) Dectin-1a aktivierten, während der Toll-ähnliche Rezeptor (TLR)2 besonders stark durch Zymosan angesprochen wurde. Zudem führten die β-Glucane unterschiedlich stark zur Zytokinfreisetzung und zur Aktivierung des Zellstoffwechsels in den dendritischen Zellen.

Eine detailliertere Untersuchung der β-Glucane Zymosan, β-1,3-Glucan und β-1,3/1,6-Glucan zeigte, dass diese β-Glucane die Aktivierung der dendritischen Zellen verstärkten und wichtige Oberflächenmarker CD40, CD80, CD86 und MHCII in unterschiedlichem Maße hochregulierten. Eine weitere Erkenntnis: Die durch β-Glucane induzierte Zytokinfreisetzung hing teilweise von der Aktivierung des intrazellulären Adaptermoleküls Syk durch Dectin-1 ab.

In Co-Kulturen von dendritischen Zellen mit T-Zellen von Mäusen, die eine Sensibilisierung gegen das Birkenallergen Bet v 1 aufwiesen, unterdrückten vier der getesteten β-Glucane die allergeninduzierte IL-5-Freisetzung. Jedoch reduzierten nur Zymosan und β-1,3-Glucan signifikant die Freisetzung von Interferon-Gamma (IFNγ). Dies deutet darauf hin, dass die getesteten β-Glucane einen unterschiedlichen Einfluss auf die Fähigkeit von dendritischen Zellen haben, T-Zellen auf Allergene auszurichten.

Quelle: Pressemitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts

Publikation: Rainer H, Goretzki A, Lin YJ et al. Characterization of the Immune-Modulating Properties of Different β-Glucans on Myeloid Dendritic Cells. Int J Mol Sci. 2024; 25: 9914.

Bilderquelle: © StockPhotoPro – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aerzteteam verfolgt eine Online Fortbildung an mehreren Monitoren als Web Tipp fuer Kurzentschlossene

Web-Tipp für Kurzentschlossene

Kongressberichte

Am 20. Juni 2026 beleuchtet ein digitales Symposium via Livestream neue Therapieansätze moderner Hauterkrankungen. Das wissenschaftliche Programm für Fachpersonal umfasst Vorträge zu Haarausfall, Vitiligo, Anaphylaxie und Acne tarda

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Digitale Dermatologie

Beitrag lesen
Person mit ausgepraegter Roete und Entzuendung im Gesicht als Beispiel dafuer, wo medizinische Notwendigkeit auf aesthetische Praezision trifft

Wo medizinische Notwendigkeit auf ästhetische Präzision trifft

Fachartikel

Wo endet eine klassische Heilbehandlung und wo beginnt ästhetische Optimierung? In der täglichen Praxis können diese Grenzen durchlässig scheinen, da innovative Verfahren wie das „Layering“ oder segmentale Peelings sowohl pathologische Hautveränderungen therapieren als auch das Hautbild nachhaltig verjüngen können. Wir fragen nach, wie sich medizinische Expertise und ästhetischer Anspruch synergetisch verbinden lassen.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen
Kind mit Sonne aus Sonnencreme auf der Schulter als Symbol fuer natuerlich entspannt durch den Sommer

Pharmameldung: Natürlich entspannt durch den Sommer

Pharmaservice

Diese Pflegeprodukte setzen auf rein natürliche Inhaltsstoffe und medizinische Expertise, um akute Hautreizungen zu lindern. Die Rezepturen basieren auf wirkstoffreichen Ölen und pflanzlichen Komponenten wie Aloe Vera, die zur Regeneration nach UV-bedingten Entzündungen oder Insektenstichen beitragen können.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen