Die DERM-Vorträge unter dem Programmpunkt „Haarsprechstunde “ liefern ein besonders praxisnahes Update zur Haardiagnostik: von Exosomen über Alopezien bis Nahrungsergänzung.

„Haarsprechstunden“ im Rahmen der DERM Frankenthal
Freitag, 13.03.2026, sowie Sonntag, 25.03.2026 (Uhrzeiten, Referenten und Programm siehe unten)
Fortschritt passiert leise. Wer genauer hinschaut, erkennt neue Perspektiven
In der Haarmedizin hat sich in den letzten Jahren mehr verändert, als im Praxisalltag oft wahrgenommen wird. Wer bereit ist, den eigenen Blick zu schärfen, entdeckt neue Zusammenhänge, präzisere Diagnostik und erweiterte therapeutische Perspektiven.
Die Haarmedizin entwickelt sich dynamisch und wir alle stehen mitten in diesem Wandel. Diagnostik wird präziser, Therapien werden zielgerichteter, und die Forschung liefert Antworten in beeindruckender Geschwindigkeit. Es ist eine hochdynamische, spannende Zeit: für Betroffene, für behandelnde Ärztinnen und Ärzte und für die gesamte Dermato-Trichologie. Und doch zeigt sich im klinischen Alltag immer wieder ein bemerkenswerter Kontrast. Viele von uns erinnern sich an Lehrinhalte, in denen Haarausfallerkrankungen als therapeutisch begrenzt, prognostisch unklar oder primär symptomatisch behandelt dargestellt wurden. Vernarbende Alopezien galten als schwer steuerbar, systemische Therapien als wenig überzeugend, und die diagnostischen Möglichkeiten erschienen begrenzt. Dieses Wissen war zu seiner Zeit korrekt. Heute erklärt es die Realität jedoch nur noch unvollständig.
Ein überraschender Befund: Das Fach hat sich leise, aber grundlegend verändert
Was viele Kolleg:innen überrascht: Die Haarmedizin hat sich nicht schrittweise, sondern strukturell weiterentwickelt. Neue immunologische Erkenntnisse haben unser Verständnis zahlreicher Erkrankungen verändert. Diagnostische Verfahren wurden standardisiert und verfeinert. Therapeutische Konzepte haben sich von rein symptomorientierten Ansätzen hin zu krankheitsmodifizierenden Strategien verschoben. Erkrankungen wie die Alopecia areata werden heute als immunvermittelte Systemerkrankungen verstanden, mit klar belegter Krankheitslast und erheblichen Auswirkungen auf Lebensqualität, psychische Gesundheit und soziale Teilhabe. Global-epidemiologische Analysen zeigen eine deutliche Zunahme der Krankheitslast. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach spezialisierter trichologischer Versorgung in Praxis und Klinik kontinuierlich gestiegen. Viele Kolleg:innen stellen erst im Rückblick fest: Zwischen dem, was wir gelernt haben, und dem, was heute möglich ist, liegt eine Wissenslücke – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil sich das Fach schneller entwickelt hat, als es in der Breite sichtbar war.
Diagnostik: Warum „genau hinschauen“ heute mehr bedeutet
Ein zentraler Wendepunkt liegt in der Diagnostik. Die Trichoskopie hat sich von einer optionalen Zusatzmethode zu einem Schlüsselwerkzeug entwickelt. Sie ermöglicht eine sichere Differenzierung zwischen nicht-vernarbenden und vernarbenden Alopezien, eine Einschätzung entzündlicher Aktivität und ein strukturiertes Verlaufsmonitoring. Gerade bei prognostisch zeitkritischen Erkrankungen entscheidet diagnostische Präzision heute über den langfristigen Erhalt von Haarfollikeln. Ergänzt wird dies durch strukturierte Anamnese, gezielte Labordiagnostik, differenzierte Indikationsstellung zur Biopsie und zunehmend digitale Auswertungsmethoden. Die Konsequenz ist klar: Moderne Haarmedizin ist kein „Bauchgefühl-Fach“ mehr, sondern ein Bereich, in dem Systematik, Erfahrung und aktuelles Wissen zusammenkommen.
Therapie: Mehr Möglichkeiten bedeuten mehr Verantwortung
Auch therapeutisch hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Zielgerichtete Therapien, insbesondere im Bereich immunvermittelter Alopezien, haben das Behandlungsspektrum erweitert. Individualisierte Konzepte bei der androgenetischen Alopezie, strukturierte Triggeranalyse beim telogenen Effluvium und frühzeitige entzündungshemmende Strategien bei vernarbenden Alopezien haben den klinischen Alltag verändert. Diese Entwicklungen bringen neue Chancen, aber auch neue Verantwortung. Indikationsstellung, Aufklärung, Monitoring und realistische Zieldefinition sind heute zentrale Bestandteile der Versorgung. Haarmedizin verlangt damit nicht weniger, sondern mehr fachärztliche Expertise als früher.
Die Perspektive der Patient:innen: ein zusätzlicher Weckruf
Parallel dazu ist die Perspektive der Patient:innen deutlicher geworden. Haarausfall wird von Betroffenen nicht als kosmetisches Detail erlebt, sondern als Eingriff in Identität, Selbstbild und soziale Sicherheit. Studien zeigen konsistent hohe psychosoziale Belastungen, unabhängig vom objektiven Ausmaß des Haarverlustes. Viele Patient:innen sind gut informiert, suchen gezielt nach spezialisierter Versorgung und stoßen gleichzeitig auf widersprüchliche Aussagen. Wo strukturierte medizinische Angebote fehlen, entsteht Raum für unregulierte, nicht evidenzbasierte Versprechen. Gerade hier wird deutlich, wie wichtig sichtbare, qualitätsgesicherte dermatologische Kompetenz ist nicht nur medizinisch, sondern auch kommunikativ.
Eine persönliche Erkenntnis – und eine Einladung
Mit zunehmender Auseinandersetzung wird vielen Dermatolog:innen bewusst, dass ihr trichologisches Wissen zwar solide ist, die aktuellen Entwicklungen jedoch nicht vollständig widerspiegelt. Diese Erkenntnis ist kein Makel. Sie ist Ausdruck eines Fachgebiets, das sich schneller entwickelt hat als viele andere. Genau hier setzt strukturierte Fort- und Weiterbildung an: nicht als Korrektiv, sondern als Einladung, ein hochrelevantes Feld neu zu entdecken.
Das DDA-Zertifikat Trichologie: Struktur statt Zufall
Vor diesem Hintergrund wurde das Zertifikat Trichologie (DDA) entwickelt. Es bietet erstmals einen curricularen, praxisorientierten Rahmen, der das gesamte Spektrum der modernen Haarmedizin abbildet: von strukturierter Diagnostik über Trichoskopie, Psychodermatologie und evidenzbasierte Therapiekonzepte bis hin zu Fallbesprechungen aus Praxis und Klinik. Das Ziel ist nicht Spezialisierung um jeden Preis, sondern Sicherheit im Alltag, Klarheit in der Diagnostik und Souveränität in der Beratung. Aufbauend darauf werden vertiefende Module angeboten, die aktuelle Forschung, neue Therapien und interaktive Lernformate integrieren. Ab 2026 werden diese Inhalte durch neue Fort- und Weiterbildungsformate ergänzt – darunter das DDA-Zertifikat Trichologie sowie der erste deutschsprachige Trichoskopie-Kurs im Rahmen der FOBI.
Fazit: Ein Zug, der sich lohnt
Die Haarmedizin ist heute eines der dynamischsten Felder der Dermatologie. Wer sich darauf einlässt, entdeckt nicht nur neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, sondern gewinnt ein vertieftes Verständnis für Erkrankungen, die Patient:innen stark bewegen. Es wäre schade, diesen Zug vorbeifahren zu lassen, nicht aus Pflicht, sondern aus Neugier. Denn selten war ein dermatologisches Teilgebiet gleichzeitig so wissenschaftlich spannend, so klinisch relevant und so nah an den Lebensrealitäten unserer Patient:innen. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich wieder oder neu mit Haarerkrankungen zu beschäftigen.
Blick nach vorn: Was kommt als Nächstes in der Haarmedizin?
Der Blick nach vorn lohnt sich: Die Haarmedizin befindet sich in einer Phase bemerkenswerter Dynamik, und die kommenden Jahre versprechen weitere relevante Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Viele Entwicklungen zeichnen sich bereits ab. Offen bleibt vor allem die Frage: Was wird als Nächstes klinische Realität? Welche Entwicklung erwarten Sie zuerst?
- Ein neues zugelassenes Medikament zur Behandlung der androgenetischen Alopezie (z. B. erstmals ein innovativer Wirkmechanismus jenseits klassischer Androgenmodulation)
- Ein weiterer oral verfügbarer JAK-Inhibitor mit Zulassung zur Behandlung der Alopecia areata (nach den bereits etablierten Substanzen)
- Die erste zugelassene JAK-Inhibitor-Therapie für Kinder unter 12 Jahren mit Alopecia areata (ein besonders relevanter Schritt im pädiatrischen Bereich)
- Die erste offiziell zugelassene medikamentöse Therapie für vernarbende Alopezien wie Lichen planopilaris oder Frontal fibrosing alopecia (FFA)
Einordnung: Viele dieser Entwicklungen werden zunächst Zulassungen durch die U.S. Food and Drug Administration betreffen. Für die Versorgung in Europa sind jedoch Entscheidungen der European Medicines Agency (EMA) maßgeblich. Europäische Bewertungen erfolgen häufig zeitversetzt und mit eigenen Studienschwerpunkten und Indikationsdefinitionen. Unabhängig vom genauen Zeitpunkt ist klar: Die therapeutische Landschaft der Haarmedizin wird sich weiter differenzieren – mit direkten Auswirkungen auf Diagnostik, Beratung und langfristige Versorgung.
TIPP: “Haarsprechstunde” auf der DERM Frankenthal
Freitag, 13. März, Tagungsraum 1:
• 12.00 Uhr: Renaissance der Haarsprechstunde – Das neue Zertifikat der DDA, Dr. Eren
• 12.20 Uhr: Exosomen in der Trichologie – Neue Perspektiven zur Regeneration und Stimulation des Haarwachstums, Dr. Dauer
• 13.00 Uhr: Die erfolgreiche Haarsprechstunde – Wie steigere ich den wirtschaftlichen Ertrag meiner Praxis?, Dr. Schaart
Sonntag, 15. März 2026, Tagungsraum 1:
• 11.40 Uhr: Neue Möglichkeiten zur Behandlung von Haarausfall und erste Ergebnisse mit den Exosomen, Dr. Weidmann & Dr. Dauer
• 12.20 Uhr: Die Wissenschaft der Haarsträhnen – Die Geheimnisse der Haargesundheit entschlüsseln, Dr. Beyer
• 12.40 Uhr: Strukturierte Diagnostik bei Alopezien: Trichoskopie als erstes Entscheidungstool, Dr. Eren
• 13.00 Uhr: Haarwuchsmittel, Nahrungsergänzung und Haartransplantation – Was können wir empfehlen?, Dr. Finner
DERM-Programm: https://www.kongress-derm.de/programm/tagung-derm
Korrespondenzadressen

Quelle: privat
E-Mail: info@haardiagnose-dr-beyer.de
Website: https://haardiagnose-dr-beyer.de/uber-dr-beyer/

Quelle: privat
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