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In Augenheilkunde wie Dermatologie: Mikrobiom im Fokus

Eine Frau hält eine Lupe, die Fokus und Analyse symbolisiert.

In Augenheilkunde wie Dermatologie: Mikrobiom im Fokus

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mgo medizin Redaktion

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Beeinflusst das Mikrobiom, das aus dermatologischer Sicht immer wichtiger wird, auch die Gesundheit der Augen? Und warum ist das Thema sowohl für die Ophthalmologie als auch für die Dermatologie spannend?

Mehrere Vorträge auf der DERM Alpin beschäftigen sich dieses Jahr mit der Augengesundheit und möglichen Bezügen zur Dermatologie. Vor diesem Hintergrund stellen wir ein Thema in den Fokus, das nur auf den ersten Blick rein ophthalmologisch scheint.

In der Dermatologie bereits ein Thema

Ein Zusammenhang zwischen dem Darm-Mikrobiom und chronisch-entzündlichen Prozessen ist der Dermatologie bereits ein Thema – beispielsweise bei Erkrankungen wie der Psoriasis oder der atopischen Dermatitis. Hier spielt die sogenannte Darm-Haut-Achse eine wichtige Rolle in der Pathogenese und Forschung.

Ein im Folgenden beleuchteter Beitrag im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. in Berlin beschäftigte sich mit den systemischen Auswirkungen einer Dysbiose für die Augengesundheit. Dies könnte die Wichtigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes in der Facharztdiagnostik unterstreichen und das Thema Mikrobiom facharztübergreifend noch spannender machen.

Mit Milliarden Einzelorganismen und bis zu zwei Kilogramm Gesamtmasse ist die Mikroben-Gemeinschaft im menschlichen Darm ein ernstzunehmender Faktor für die Gesundheit. Von Adipositas bis zur Alzheimer-Demenz werden viele Erkrankungen mit einer Störung des mikrobiellen Gleichgewichts in Verbindung gebracht. Aktuelle Studien deuten nun darauf hin, dass der Einfluss des Mikrobioms auch bis ins Auge reichen könnte. Die Frage, ob und wie die Darmflora die Entstehung und den Verlauf der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) beeinflusst, war Thema auf der Hybrid-Pressekonferenz anlässlich des Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG) in Berlin im September.

Altersabhängige Makuladegeneration

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist mit rund sieben Millionen Betroffenen in Deutschland eine regelrechte Volkskrankheit. „Schätzungen zufolge betrifft die Netzhauterkrankung rund jeden 4. Menschen über 65 Jahre in Deutschland“, so Privatdozentin Dr. Dr. med. Petra Larsen, tätig an der Universitäts-Augenklinik Bonn und Referentin auf der Pressekonferenz. Im Verlauf der chronisch fortschreitenden Erkrankung büßt der Bereich des schärfsten Sehens (Makula) im Zentrum der Netzhaut mehr und mehr an Funktion ein. „In den Industrieländern ist die AMD die häufigste Ursache für Erblindung“, betonte DOG-Expertin Larsen die Bedeutung der Erkrankung.

Darmflora kann Entzündungen fördern

Trotz intensiver Forschung sind die genauen Mechanismen der AMD-Entstehung noch nicht vollständig geklärt. Als gesichert gelten neben dem Alter als wichtigstem Risikofaktor die familiäre Veranlagung und das Rauchen. Als weitere bedeutsame Einflussfaktoren haben sich chronische Entzündungen und fehlgeleitete Immunprozesse herausgestellt.

„Solche Ungleichgewichte und Fehlregulationen in der Immunabwehr werden auch im Zusammenhang mit Störungen des Darmmikrobioms beobachtet“, erläuterte Larsen.

Darm-Substanzen können zur Netzhaut vordringen

Eine Dysbiose – eine ungünstige Verschiebung der Mikrobiom-Zusammensetzung – kann durch ungesunde Ernährung, chronischen Stress, Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme entstehen. Die Dysbiose selbst kann weitreichende Folgen haben: Sie kann die Darmwand durchlässiger machen, sodass bakterielle Bestandteile, Stoffwechselprodukte und entzündungsfördernde Stoffe in den Blutkreislauf gelangen.

„Experimentelle Studien deuten darauf hin, dass diese Substanzen auch in das eigentlich immunologisch geschützte Gewebe der Netzhaut gelangen können“, berichtete die Augenärztin. Die Vermutung liegt daher nahe, dass sie an degenerativen Prozessen in der Netzhaut beteiligt sein könnten. „Weitere Hinweise auf eine Verbindung von Darmflora und AMD stammen aus Studien, die Unterschiede in der Zusammensetzung des Mikrobioms bei Probanden mit und ohne AMD nachweisen konnten“, fügte die Expertin hinzu.

Neue Therapieansätze?

Viele dieser Studien seien durch kleine Teilnehmerzahlen limitiert. Größere Studien mit längeren Beobachtungszeiträumen seien notwendig, um die gesammelten Hinweise strenger zu prüfen. „Sollten sich die Zusammenhänge jedoch bestätigen, könnten bestimmte Marker-Substanzen im Blut – wie beispielsweise Bakterienbestandteile – künftig auch diagnostisch bedeutsam für frühe AMD-Stadien werden“, führte Larsen aus.

„Im Idealfall könnten sich sogar therapeutisch-präventive Ansatzpunkte ergeben, die an der Zusammensetzung des Mikrobioms angreifen.“ Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ernährungsinterventionen, probiotische Nahrungsergänzungsmittel oder ähnliche Maßnahmen die Darmflora gezielt modulieren und damit womöglich auch die AMD positiv beeinflussen könnten.

Redaktion (sma)

Quelle: „Beeinflusst das Mikrobiom auch die Augen? – Forschung findet Hinweise auf eine Darm-Netzhaut-Achse“, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, September 2025, Stuttgart.

Bildquelle: © pathdoc – Adobe Stock

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