Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) schlägt Alarm. In mehreren Regionen Ostdeutschlands sowie in ländlichen Regionen Westdeutschlands bedrohen zum Teil dramatisch niedrige Versorgungsgrade die dermatologische Versorgung. Der Berufsverband und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) suchten im Rahmen der „Dermatologie ‒ kompakt und praxisnah“ 2026 in Leipzig nach Lösungen.
Aus Sicht des Berufsverbands handelt es sich nicht nur um ein regionales Randphänomen, sondern um ein „strukturelles Problem mit bundesweiter gesundheitspolitischer Relevanz“. Diese Entwicklung trifft auf eine steigende Krankheitslast bei Hautkrebs sowie bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen und erhöht das Risiko verspäteter Diagnosen und Therapieeinleitungen. Aktuelle Daten der ärztlichen Bedarfsplanung zeigen allerdings, dass ostdeutsche Flächenländer überdurchschnittlich häufig von sehr niedrigen dermatologischen Versorgungsgraden betroffen sind.
Versorgungsgrad teils nur noch bei 15%
Teils kritische Werte bilanziert der BVDD in ländlich geprägten Regionen aller neuen Bundesländer. „So weisen beispielsweise von den 25 für die dermatologische Bedarfsplanung relevanten Kreisregionen in Sachsen 19 einen Rückgang des prozentualen Versorgungsgrades im Verlauf der vergangenen zehn Jahre auf. Als Extrembeispiel erreicht die Kreisregion Löbau-Zittau in Sachsen aktuell einen dermatologischen Versorgungsgrad von nur noch 15 %, im Jahr 2016 lag er bei 122 %. In der Kreisregion Annaberg in Sachsen liegt der dermatologische Versorgungsgrad aktuell bei 60 % (2016: 161 %), in Bautzen bei 78 % (2016: 142 %)“, nennt der Berufsverband Zahlen. „Die Daten zeigen, dass Teile Ostdeutschlands in der ambulanten Dermatologie an eine strukturelle Unterversorgung heranreichen. Wenn Planungsbereiche Versorgungsgrade im unteren zweistelligen Bereich aufweisen, ist das nicht nur ein statistischer Befund – es bedeutet für Patientinnen und Patienten weite Wege, lange Wartezeiten, verzögerte Diagnostik und vermeidbare Krankheitsprogression“, konstatiert BVDD-Präsident Dr. Ralph von Kiedrowski. Der zunehmende Mangel an niedergelassenen Dermatologinnen und Dermatologen falle laut von Kiedrowski in eine Phase steigender dermatologischer Behandlungsbedarfe. Nach Daten des Instituts für Krebsepidemiologie der Universität Lübeck werden allein beim nicht-melanozytären (hellen) Hautkrebs für das Jahr 2025 rund 320.000 Neuerkrankungenin Deutschland geschätzt. Hinzu kommen chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Psoriasis oder atopische Dermatitis, deren leitliniengerechte Versorgung eine kontinuierliche fachärztliche Betreuung erfordert.
Ernste Nachwuchssorgen auch im Westen
Auch in ländlichen Gebieten Westdeutschlands finden niedergelassene Dermatologinnen und Dermatologen keine Nachfolgerinnen und Nachfolger mehr. So weisen Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) beispielsweise für Niedersachsen zurzeit 16, für Bayern zwölf und für Rheinland-Pfalz zehn freie dermatologische Möglichkeiten zur Niederlassung aus. „Wir sehen die Ursachen der Unterversorgung in einer Kombination aus altersbedingten Praxisabgaben, fehlender Attraktivität der Niederlassung und strukturellen Standortnachteilen ländlicher Regionen. Viele dermatologische Praxen in Ost-, aber auch in Westdeutschland stehen in den kommenden Jahren vor einer ungeklärten Nachfolge, während gleichzeitig junge Fachärztinnen und Fachärzte bevorzugt urbane Zentren mit besserer Infrastruktur und flexibleren Arbeitsmodellen wählen“, erläutert der BVDD-Präsident.
BVDD wirbt um den Nachwuchs
Zur Nachwuchsförderung hat der BVDD bereits vor 15 Jahren die Arbeitsgemeinschaft „Junge Dermatologen“ (JuDerm) gegründet – leider bislang ohne ausreichenden Erfolg. Dem zunehmenden Mangel an Medizinischen Fachangestellten (MFA) in den dermatologischen Praxen begegnet der BVDD seit Kurzem mit dem von der Bundesärztekammer zertifizierten Angebot einer Spezialisierungsqualifikation zur „Dermatologischen Fachassistenz“ (DFA). Ziel dieser Fortbildung sei es, Personal für die dermatologischen Praxen zu qualifizieren. Die Personaldecke wird in vielen Bereichen gefährlich dünn.
Franz-Günter Runkel



