Dermatologie » Tumoren und Präkanzerosen » Nicht-melanotischer Hautkrebs

»

Rehabilitation nach Hautkrebs: Es besteht Handlungsbedarf!

Arzt im weißen Kittel mit Stethoskop, wird von einem Reporter interviewt

Quelle: © razihusin - stock.adobe.com

Rehabilitation nach Hautkrebs: Es besteht Handlungsbedarf!

Fachartikel

Dermatologie

Nicht-melanotischer Hautkrebs

mgo medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: DermaForum

Die Relevanz von dermato-onkologischen Reha-Maßnahmen, egal ob ambulant oder stationär, wird in der Nachsorge bei Hautkrebs oft unterschätzt.

Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen werden zu wenige Rehabilitationsbehandlungen beantragt, obwohl es in der aktuellen S3-Leitlinie Malignes Melanom eine entsprechende Empfehlung gibt.

Rechtlich sind im Hinblick auf arbeitsbedingten Hautkrebs in sog. Outdoor-Berufen Plattenepithelkarzinome und deren Frühformen (aktinische Keratosen) als Berufskrankheit anerkennungsfähig. Dies war ein Schwerpunktthema des diesjährigen Deutschen Hautkrebskongresses (ADO 2025, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie) in Essen. Hier wurde unter anderem ein in Kürze startendes Pilotprojekt zur integrierten Versorgung bei arbeitsbedingtem Hautkrebs vorgestellt; dieses Pilotprojekt stellt eine Kooperation des iDerm an der Universität Osnabrück und der Fachklinik Münster-Hornheide dar.

Prof. Dr. Christoph Skudlik
©privat
Prof. Dr. Christoph Skudlik
©privat

Prof. Dr. Christoph Skudlik, Universität Osnabrück und BG Klinikum Hamburg, erläutert im Experten-Interview den Stellenwert der Reha-Behandlungen.

Woran liegt es, dass bei Hautkrebserkrankungen weniger Reha-Maßnahmen beantragt werden als bei anderen Erkrankungen?

Prof. Dr. Skudlik:  „Die Zuweisung in das Pilotprojekt erfolgt ausschließlich über die gesetzliche Unfallversicherung. Deswegen ist es erforderlich, dass Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine berufliche Hautkrebserkrankung der zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse gemeldet werden. Die Stärke des Pilotprojektes ist die Interdisziplinarität, also die Einbindung verschiedenster Fachdisziplinen. Selbstverständlich wird das Ganze wissenschaftlich evaluiert und wir gehen davon aus, dass nicht nur Menschen mit arbeitsbedingtem Hautkrebs von einer derartigen Maßnahme profitieren können, sondern dass die Maßnahme auch als Modell für die Versorgung anderer Krebserkrankungen dienen kann.“

Wie konkret findet das interprofessionelle Kooperationsmodell bei diesem Pilotprojekt statt?

Prof. Dr. Skudlik: „Wir setzen bei der dermato-onkologischen Rehabilitation auf viele interdisziplinäre Maßnahmen. Eine davon ist beispielsweise die intensive psychoonkologische Betreuung. Die Patienten und Patientinnen werden hier bei der Krankheitsverarbeitung, der Bewältigung von Ängsten und der Verbesserung der Lebensqualität unterstützt.“

Gibt es auch körperliche Interventionen?

Prof. Dr. Skudlik: „Auf jeden Fall, beispielsweise im Bereich der Physio- oder Bewegungstherapie. Wir bieten Maßnahmen zur Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Behandlung narbenbedingter Bewegungseinschränkungen und Linderung von körperlichen Defiziten, beispielsweise durch Operationen verursacht, an.“

Berücksichtigen Sie auch die Behandlung von Folgeschäden?

Prof. Dr. Skudlik:  „Ja, wir gehen auch auf körperliche und psychische Folgen der Erkrankung ein, wobei Fatigue ein ganz wichtiges Thema ist. Funktionseinschränkungen oder Entstellungen aufgrund der arbeitsbedingten Hautkrebserkrankung werden soweit möglich korrigiert; wo dies nicht möglich ist, können hieraus für die Betroffenen Entschädigungszahlungen durch die BG resultieren.“

Was ist mit der Wiedereingliederung beruflich und sozial? Welchen Stellenwert hat das beim Pilotprojekt?

Prof. Dr. Skudlik: „Patienten mit arbeitsbedingtem Hautkrebs sind häufig bereits berentet, aber durchaus auch noch sehr aktiv und möchten am Leben teilnehmen. Bei Betroffenen, die noch beruflich tätig sind, besteht darüber hinaus eine besondere Motivation, die berufliche Existenz zu sichern. Wir bieten deshalb nicht nur eine sozialmedizinische Beratung und die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in den Beruf an, unser Ziel ist es auch, die Betroffenen und, wo erforderlich, deren Angehörige auch in Sachen Prävention zu schulen.“

Wie sieht die Präventionsschulung aus?

Prof. Dr. Skudlik: „Die Patientinnen und Patienten erhalten im Rahmen der Reha-Schulungen durch besonders qualifizierte Gesundheitspädagogen und Gesundheitspädagoginnen, beispielsweise UV-Schutzempfehlungen, die direkt auf ihren privaten und Arbeitsalltag und die berufsbedingte Exposition abzielen. Sie lernen, ihr individuelles UV-Schutzverhalten zu verbessern, um Rezidive und einem Fortschreiten vorzubeugen. Das bezieht sich beispielsweise auf das Vermeiden von Sonnenstrahlen in der Mittagszeit, auf UV-schützende Kleidung und auch auf adäquaten Sonnenschutz in Beruf und Freizeit.“

Sehr geehrter Prof. Dr. Skudlik, herzlichen Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Elke Engels

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Person untersucht die Kopfhaut einer anderen Person mit einer Lupe als Symbol fuer diagnostische Abklaerung bei Haarwuchsstoerungen

Wenn Kinderhaare nicht wachsen wollen

Fachartikel

Haare, die kaum wachsen und sich schmerzlos lösen – hinter diesem Bild steckt nicht immer Alopecia areata oder Trichotillomanie. Das Loose-Anagen-Hair-Syndrom (LAHS) betrifft bis zu 10 % der Kinder in Haarsprechstunden und bleibt oft lange unerkannt. Wie die Diagnose gelingt und was Eltern wissen müssen, zeigt dieser praxisnahe Beitrag.

Dermatologie

Haarerkrankungen

Alopecia areata, Weitere Haarerkrankungen

Beitrag lesen
Medizinische Illustration mit entzündlichen Knoten und Laesionen in der Achselhoehle als typisches Bild der Hidradenitis suppurativa

HS: Positive Langzeitdaten, hohe Ansprechraten

Pharmaservice

Neue Langzeitdaten der AAD 2026 belegen: Povorcitinib, ein oraler JAK1-Inhibitor, zeigt bei moderater bis schwerer Hidradenitis Suppurativa beeindruckende Ansprechraten – bis zu 71,4 % erreichten HiSCR50, 29 % sogar vollständige Symptomfreiheit. Als erste orale Therapieoption in dieser Indikation werden Zulassungsanträge bereits bei FDA und EMA geprüft.

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Hidradenitis suppurativa

Beitrag lesen
Laechelnde Person mit gepflegtem Bart vor farbigem Hintergrund als Symbolbild fuer Themen rund um Bartwuchs

Förderung des Bartwuchses bei trans Männern

News

Bartwuchs spielt für viele trans Männer eine zentrale Rolle im Transitionsprozess – doch die Testosterontherapie allein reicht oft nicht aus. Eine randomisierte Doppelblindstudie zeigt: Topisches 3% Minoxidil verbessert Bartdichte und Lebensqualität signifikant. Ein vielversprechender Therapieansatz für eine bislang wenig beachtete Versorgungslücke.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen