Eine aktuelle Studie zeigt: 63 % der Erwerbstätigen in Deutschland haben bereits Sexismus im Arbeitsumfeld erlebt. Das Gesundheitswesen ist gleich mehrfach tangiert – von den Defiziten, aber auch von den Potenzialen, die hier brachliegen.
Eine repräsentative Studie der EAF Berlin und des Bundesfamilienministeriums zeigt: 63 % der Erwerbstätigen in Deutschland haben bereits Sexismus am Arbeitsplatz erlebt. Besonders betroffen sind Frauen (70 %) und genderqueere Personen (81 %), wobei die Übergriffe zu 82 % von Männern ausgehen. Die Folgen sind weitreichend: Betroffene leiden unter emotionalen (41 %), psychischen (31 %) oder körperlichen Belastungen (24 %). Zudem berichten 18 % von negativen Karrierefolgen und 13 % von finanziellen Nachteilen. Trotz dieser Belastungen werden formelle Beschwerdewege kaum genutzt: Nur 2 % wenden sich an interne Stellen wie den Betriebsrat.
Gemeinsam statt Framing
Die Studie ordnet Sexismus als strukturelles Problem ein, das tief in gesellschaftlichen Hierarchien verwurzelt ist. Ziel der Analyse ist keine Stigmatisierung, sondern die Gewinnung von Männern als Verbündete, um gemeinsam eine Kultur der psychologischen Sicherheit zu schaffen. Dabei profitieren gerade im Gesundheitswesen alle Beteiligten von einer modernen Zusammenarbeit, die auf Fairness statt auf veralteten Rollenbildern basiert.
Im medizinischen Sektor kann sich die Problematik durch spezifische Hierarchien und Strukturen verstärken:
- Interpersonelle Dynamiken: Ärztinnen sind überproportional oft betroffen; 89 % der Übergriffe durch Führungskräfte gehen von Männern aus.
- Belastung durch Dritte: Sexismus erfolgt hier nicht nur intern, sondern auch durch Patienten oder Angehörige.
- Patientensicherheit: Psychische Belastungen können die Konzentrationsfähigkeit und somit die Versorgungsqualität gefährden.
- Karrierehindernisse: Die „Leaky Pipeline“ in der Medizin – männlich dominierte Spitzenpositionen trotz vieler Studentinnen – wird durch Sexismus bedingte Karrierebrüche befeuert.
Prävention als Wettbewerbsvorteil
Angesichts des Fachkräftemangels ist die Bekämpfung von Sexismus ein strategischer Faktor für Kliniken und Praxen. Eine proaktive Anti-Sexismus-Strategie dient direkt der Mitarbeiterbindung, da 18 % der Betroffenen an Kündigung oder Arbeitsplatzwechsel denken.
Einrichtungen, die auf Sensibilisierung, klare Leitlinien und transparente Beschwerdestrukturen setzen, fördern eine moderne Führungskultur, die insbesondere für die Generationen der Gen Z und Millennials ein zentrales Kriterium bei der Arbeitgeberwahl darstellt. Gleichzeitig minimiert die Reduzierung gesundheitlicher Folgen krankheitsbedingte Fehlzeiten und sichert so die wirtschaftliche Stabilität des Betriebs.
Nicht zu vergessen: Die gezielte Einbeziehung von Männern als „Verbündete“ in Führungspositionen bricht alte Hierarchiemuster auf. Dies fördert eine moderne Führungskultur, die für die nächste Generation von Ärztinnen und Ärzten (Gen Z und Millennials) ein zentrales Entscheidungskriterium bei der Arbeitgeberwahl darstellt.
Mehr zur Studie: Sexismus am Arbeitsplatz
(sma)
Quelle: Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF Berlin). (2026, 4. Mai). Studie zeigt Ausmaß und Folgen von Sexismus am Arbeitsplatz [Kompaktinfo].



