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Cochrane 2026: Ernährungsinterventionen bei älteren Menschen im Krankenhaus

Cochrane 2026: Ernährungsinterventionen bei älteren Menschen im Krankenhaus

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Diabetes in der Geriatrie

mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Ein aktueller Cochrane Review zeigt: Spezielle Trinknahrung senkt bei älteren, mangelernährten Krankenhauspatientinnen und -patienten möglicherweise das Sterberisiko und schwere Komplikationen. Für andere Ernährungsinterventionen fehlt bislang eine belastbare Evidenz.

Menschen mit Diabetes gehören im Krankenhaus zu den vulnerabelsten Patientengruppen – und sie sind überdurchschnittlich häufig von Mangelernährung betroffen. Schlechtere Wundheilung, erhöhte Infektanfälligkeit, verzögerte Rekonvaleszenz: die klinischen Konsequenzen eines unzureichenden Ernährungsstatus sind bekannt. Dennoch ist die systematische Ernährungsdiagnostik und -therapie im stationären Alltag vielerorts noch keine Routineleistung.

Ein neuer Cochrane Review – eine Netzwerk-Metaanalyse mit Individualdaten aus 21 Studien – liefert jetzt eine aktualisierte Evidenzgrundlage dafür, welche oralen Ernährungsinterventionen bei älteren, mangelernährten Menschen im Krankenhaus am ehesten wirken.

Studiendesign: 21 Studien, mehr als 3.300 Betroffene

Die Cochrane-Autorinnen und -Autoren um PD Dr. Eva Kiesswetter (Universitätsklinikum Freiburg) haben Daten von insgesamt 3.309 älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten (mittleres Alter: 75–85 Jahre) ausgewertet. Eingeschlossen wurden Personen mit akuten Erkrankungen wie Hüftfrakturen oder internistischen Erkrankungen, die entweder mangelernährt waren oder als gefährdet galten. Nicht untersucht wurden Personen mit Krebs oder Schlaganfall sowie dialysepflichtige und intensivpflichtige Patientinnen und Patienten.

Verglichen wurden folgende orale Ernährungsinterventionen mit der Standardversorgung – stets über den Mund, also ohne Magensonde oder Infusion:

  • Spezielle Trinknahrung / medizinische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke
  • Eiweißreiche Zusatzprodukte oder angereicherte Speisen
  • Kalorienreiche Ergänzungsprodukte
  • Individuelle Unterstützung bei den Mahlzeiten (durch geschultes Personal)
  • Individuelle Ernährungstherapie mit mehreren Bausteinen (z. B. durch Diätassistenz)

Kernergebnis: Trinknahrung möglicherweise wirksam – Evidenz bleibt gering

Das wichtigste Ergebnis: Spezielle Trinknahrung senkt im Vergleich zur Standardversorgung möglicherweise das Sterberisiko bis zur Krankenhausentlassung bzw. innerhalb eines Monats nach Behandlungsbeginn. Konkret: Unter Standardversorgung starben 106 von 1.000 Studienteilnehmenden; unter Trinknahrung waren es möglicherweise 57 weniger (3 Studien, n = 910; GRADE-Evidenzqualität: gering).

Ebenso kamen schwere Komplikationen unter Trinknahrung möglicherweise seltener vor: 192 Fälle pro 1.000 Patientinnen und Patienten mit Standardversorgung gegenüber möglicherweise 84 Fällen weniger in der Trinknahrungsgruppe (5 Studien, n = 465; GRADE-Evidenzqualität: gering).

Wichtige Einschränkung: Die Evidenzqualität ist nach GRADE-System in beiden Fällen als „gering” eingestuft. Das bedeutet: Die vorliegenden Studienergebnisse könnten von der Wirklichkeit abweichen. Sichere Schlüsse sind damit noch nicht möglich.

Andere Interventionen: kein klarer Vorteil gegenüber Standardversorgung

Für alle übrigen untersuchten Maßnahmen – Eiweißgabe, Kalorienergänzung, individuelle Mahlzeitenbegleitung, strukturierte Ernährungstherapie – zeigte sich beim Vergleich zur Standardversorgung kein klarer Vorteil. Die Datenlage war zudem häufig zu dünn für belastbare Vergleiche zwischen den Interventionen untereinander.

Für andere relevante Outcomeparameter wie Lebensqualität, Krankenhausverweildauer, Körpergewicht oder Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten zeigte sich insgesamt kein eindeutiger Unterschied.

Versorgungspolitischer Kontext: Screening bis 2027 verpflichtend

Der politische Rahmen ist relevant: Die Bundesregierung hat beschlossen, bis Ende 2027 verpflichtende Qualitätsvorgaben zur Mangelernährungsdiagnostik bei stationärer Aufnahme zu entwickeln. Für Behandelnde heißt das: Strukturierte Screeningprozesse, Ernährungsanamnesen und die ärztliche Verordnung geeigneter Trinknahrung (die bei Verordnung durch Krankenkassen finanziert wird) werden künftig verbindlicher Teil der Versorgungsqualität sein.

Implikationen für die diabetologische Praxis

Screening ernst nehmen: Menschen mit Diabetes haben durch chronische Erkrankung, Appetitstörungen und häufige Krankenhausaufenthalte ein erhöhtes Mangelernährungsrisiko. Validierte Screening-Tools (z. B. MNA, NRS-2002) sollten konsequent eingesetzt werden.

Trinknahrung erwägen: Bei mangelernährten oder gefährdeten älteren Patientinnen und Patienten ist speziell zusammengesetzte Trinknahrung aktuell die Intervention mit der stärksten – wenn auch begrenzten – Evidenz.

Interprofessionell denken: Ernährungstherapie erfordert das Zusammenspiel von Diabetologie, Pflege und Diätassistenz – ein weiterer Punkt, der für eine gut koordinierte stationäre Diabetesversorgung spricht.

Originalpublikation: Kiesswetter E, Schwarzer G, Stadelmaier J, Lohner S, Grummich K, Dagnelie PC, Beck AM, Beelen J, Botella-Carretero JI, Faxén-Irving G, Hickson M, Iff S, Johansen A, Sharma Y, Sorensen JM, Kaegi-Braun N, Wunderle C, Bongaerts B, Meerpohl JJ, Norman K, Schuetz P, Torbahn G, Visser M, Volkert D, Schwingshackl L. Oral nutritional interventions in hospitalised older people at nutritional risk: a network meta-analysis of individual participant data. Cochrane Database Syst Rev. 2026 Mar 26;3(3):CD015468. doi: 10.1002/14651858.CD015468.pub2.

Quelle: Pressemitteilung der Cochrane Deutschland vom 15.05.2026: Cochrane Review – Essen im Krankenhaus: Was hilft älteren Menschen mit Mangelernährung?

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