Interdisziplinäre Tiefe, aktuelle Studiendaten und ein gefüllter Saal von der ersten Minute an: Die 15. Jubiläumsveranstaltung »Innere Medizin fachübergreifend – Diabetologie grenzenlos« verzeichnete am 6. und 7. Februar 2026 in München mit über 800 Teilnehmenden aus ganz Deutschland einen Rekord. Der bundesweite Zuspruch unterstreicht den gewachsenen Stellenwert dieser Fortbildungsveranstaltung.
Kongressleiterin Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger eröffnete die Veranstaltung mit einem klaren Bekenntnis zur Vernetzung: „Ich verstehe die Diabetologie als Kristallisationspunkt, von dem es in die unterschiedlichsten Bereiche der Inneren Medizin ausstrahlt – die optimale Versorgung gelingt nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit.“ Diesem Leitgedanken folgend hatte sie hochkarätige Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachgebieten eingeladen.
Ausgewählte Schwerpunkte
Die begleitende Pressekonferenz gab Einblicke in zentrale Kongressthemen. Im Fokus standen aktuelle Entwicklungen der Diabetestherapie: Über 9,3 Millionen Menschen leben mittlerweile mit Typ-2-Diabetes in Deutschland. Internationale Leitlinien betonen heute eine patientenzentrierte, organprotektive Behandlung – weg von der reinen Blutzuckersenkung, hin zur Reduktion kardiovaskulärer und renaler Risiken. Real-World-Daten zu GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Tirzepatid belegen eindrucksvoll, dass diese Substanzen Herzinsuffizienz und Mortalität auch bei Betroffenengruppen senken, die in klassischen Studien oft nicht berücksichtigt werden. Auch bei Typ-1-Diabetes rücken neue Erkenntnisse in den Fokus: Insulinresistenz spielt häufiger eine Rolle als lange angenommen. Der adjunktive Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten kann hier Blutzuckerstabilität, Gewicht und Insulinbedarf positiv beeinflussen.
Die interdisziplinäre Ausrichtung des Kongresses zeigte sich in weiteren Beiträgen: Prof. Dr. Walter Fassbender beleuchtete die komplexen Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Osteoporose – mit vielversprechenden Hinweisen auf osteoprotektive Effekte von Metformin und GLP-1-RA.
Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig thematisierte Einsamkeit als unterschätzten Risikofaktor für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen, der nach der Pandemie stark an Bedeutung gewonnen hat.
Dr. Stephan Kress präsentierte neue Daten zu „Bewegungssnacks“ und hochintensivem Intervalltraining – kurze Trainingseinheiten mit messbarem Effekt auf Blutzucker, Kognition und sogar den Schutz der Betazellen.
Das Kongressprogramm umfasste zahlreiche weitere Themen – von Diabetestechnologie und AID-Systemen über Schnittstellen zu Gynäkologie, Neurologie und Urologie bis hin zu MODY-Diabetes und Herausforderungen im Kindes- und Jugendalter.
Fazit
Die »Diabetologie grenzenlos« 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Diabetologie weiterentwickelt: vernetzter, patientenzentrierter und mit wachsendem Bewusstsein für die Bedeutung von Prävention und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Ein Jubiläum, das Maßstäbe setzt – und Vorfreude auf die kommenden Jahre weckt.
Autorin: Birgit Schulze



