Kombinierte orale Kontrazeptiva sind wirksam zur Empfängnisverhütung und Behandlung diverser Erkrankungen. Die Studienlage zu psychischen Nebenwirkungen ist uneindeutig. Individuelle Beratung, sorgfältige Anamnese und regelmäßige Kontrollen sind daher essenziell, um Vorteile zu nutzen und Risiken zu minimieren.
Zusammenfassung
Weltweit nutzen über 150 Millionen Frauen orale hormonelle Kontrazeptiva. Diese bieten nicht nur Schutz vor ungewollten Schwangerschaften, sondern werden unter anderem auch zur Behandlung von Zyklusstörungen, Endometriose, Menstruationsbeschwerden und Akne eingesetzt. Dennoch stehen viele Frauen der Pille kritisch gegenüber, besonders wegen möglicher psychischer Nebenwirkungen wie depressiven Verstimmungen, Ängsten und Stimmungsschwankungen. Die Studienlage bezüglich dieser Symptome ist uneindeutig: Während einige Studien von vermehrten depressiven Symptomen unter der Einnahme von oralen hormonellen Kontrazeptiva berichten, zeigen andere keine oder sogar protektive Effekte auf die Psyche. Es ergeben sich Hinweise darauf, dass vor allem bestimmte Untergruppen, etwa Jugendliche, Frauen mit psychischer Vorerkrankung oder solche, die Präparate mit bestimmter Hormonzusammensetzung einnehmen, stärker betroffen sind. Auch zur Stressreaktion gibt es Hinweise: So zeigen Nutzerinnen oft eine abgeschwächte Kortisolantwort auf akute Stresssituationen, teils begleitet von erhöhten Basalwerten und Veränderungen in der Stressverarbeitung im Gehirn, Effekte, die je nach Dauer und Ausprägung als stabilisierend oder belastend empfunden werden können. Die Forschung betont daher die Notwendigkeit individueller Beratung, sorgfältiger Anamnese und regelmäßiger Kontrollen. Denn auch wenn psychische Beschwerden auftreten können, überwiegen bei vielen Frauen die Vorteile oraler hormoneller Kontrazeptiva, sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich.
Autorinnen: M. Kördel, J. Scharpf, M. Henes
Der Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in gynäkologische praxis 2026; 53 (4): 511–517.
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