Gynäkologie » Gynäkologische Infektiologie » Sexuell übertragbare Krankheiten

»

Forschung zu therapeutischer HPV-Impfung mit Nanopartikeln

Forschung zu therapeutischer HPV-Impfung mit Nanopartikeln

News

Gynäkologie

Gynäkologische Infektiologie

Sexuell übertragbare Krankheiten

3 MIN

Erschienen in: gyne

Forschende des DKFZ entwickelten einen innovativen Ansatz für eine HPV-Impfung mit Silica-Nanopartikeln. Das therapeutische Verfahren aktiviert T-Zellen gezielt gegen HPV-bedingte Tumoren. Im Mausmodell konnten bestehende Tumoren teilweise vollständig zurückgedrängt werden. Die stabilen Nanopartikel schützen Impf-Epitope vor Abbau und ermöglichen eine weltweite Anwendung ohne Kühlkette. Das vielseitige System könnte künftig auch gegen andere Krebsarten eingesetzt werden.

Therapeutische Impfung als nächster Meilenstein nach der präventiven HPV-Impfung

Vorbeugende HPV-Impfungen haben sich bereits fest in der Krebsprävention etabliert. Sie wehren Infektionen ab und verhindern dadurch die Krebsentstehung erfolgreich. Obwohl die Schutzimpfung seit Jahren verfügbar ist und bereits zu einem deutlichen Rückgang der Sterblichkeit bei jungen Frauen geführt hat, könnten die Impfquoten noch höher sein. In Deutschland sind derzeit nur etwa 50 % der Mädchen und 30 % der Jungen bis 14 Jahre vollständig geimpft. Therapeutische Impfstoffe gegen bereits bestehende Krebsvorstufen oder Tumoren gibt es bislang nicht – hier könnte der neue Nanopartikel-Ansatz künftig eine wichtige Lücke schließen.

Nanopartikel-Impfstoff gegen HPV-Tumoren zeigt vielversprechende Ergebnisse

Forschende vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben gemeinsam mit der Projektgruppe SILVACX (finanziert durch das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Entwicklung) der Universität Heidelberg ein therapeutisches HPV-Impfkonzept entwickelt und ihre Ergebnisse im Journal OncoImmunology publiziert. Das Verfahren mobilisiert das Immunsystem gezielt gegen Krebszellen. Das Team um Studienleiterin Angelika Riemer zeigte, dass sich mit an Silica-Nanopartikel gekoppelten Viruspeptiden wirksame T-Zell-Antworten gegen HPV-bedingte Tumoren hervorrufen lassen.

Innovative Silica-Technologie

Das Forschungsteam setzt auf Nanopartikel aus Silica. Das stabile Material hat sich bereits in verschiedenen medizinischen Anwendungen bewährt. Die Silica-Partikel werden zunächst beschichtet, um sie bioverträglich zu machen. Anschließend werden sie mit kurzen Bruchstücken der in Krebszellen vorhandenen Virusproteine beladen. Die Forschenden wählten Proteinabschnitte aus, die das menschliche Immunsystem aktivieren können.

Wirkungsweise des Impfstoffs

Nach der Injektion nehmen spezialisierte Immunzellen die Partikel auf und präsentieren die Virusepitope auf ihrer Oberfläche. Dadurch werden zytotoxische T-Zellen aktiviert, die gezielt Krebszellen erkennen und zerstören. Besonders wirksam war die Technik in Kombination mit einem Adjuvans.

Erfolgreiche Tierversuche im Mausmodell

Die Forschenden nutzen Mäuse mit „humanisiertem” Immunsystem, die die gleichen Epitope wie Menschen präsentieren können. Bei diesen Tieren führte die Impfung zu einer deutlichen Aktivierung von zytotoxischen T-Zellen. Bei einem Teil der Mäuse konnten bestehende HPV-positive Tumoren vollständig zurückgedrängt werden.

„Das sind ermutigende Ergebnisse, die uns darin bestätigen, das Nanopartikel-Impfsystem weiterzuentwickeln. Es ist vielseitig einsetzbar und könnte in Zukunft nicht nur gegen HPV-assoziierte Krebsarten, sondern auch gegen andere Tumoren oder Infektionskrankheiten eingesetzt werden.”

Priv. Doz. Dr. Dr. Angelika Riemer, Studienleiterin

Vorteile der Silica-Nanopartikel

Die Silica-Nanopartikel schützen die Impf-Epitope vor raschem Abbau und stellen ihre längerfristige Bioverfügbarkeit sicher. Sie zeichnen sich durch Stabilität und einfache Herstellung aus. Impfstoffe auf Silica-Basis könnten auch in Regionen eingesetzt werden, in denen die Kühlkette schwer aufrechtzuerhalten ist.

KI-gestützt, redaktionell bearbeitet nh

Originalpublikation:

Kruse S, Fricke LT, Zottnick S et al. A versatile silica nanoparticle platform for induction of T cell responses – applied for therapeutic vaccination against HPV16 E6/E7-positive tumors in MHC-humanized mice. OncoImmunology 2025: 14(1)

Quelle:

Pressemitteilung des DKFZ vom 03.09.2025. Therapeutische Impfung gegen HPV-bedingte Tumoren: Nanopartikel machen den Unterschied

Bilderquelle: John – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Symbolbild Fallbeispiel

Gibt es auch Schwangerschaften ohne nachfolgende OP?

Fachartikel

Nicht jede Geburt endet mit der Entbindung – manchmal bleiben Plazentareste zurück. Eine Kasuistik dokumentiert den Verlauf einer Patientin, die nach beiden Geburten operative Eingriffe benötigte.

Gynäkologie

Geburtshilfe

Postpartale Komplikationen

Beitrag lesen
Türkises Band mit Blumen symbolisiert Ovarialkarzinom, Diagnose, Behandlung und Awareness.

Neue Therapien und bessere Früherkennung beim Ovarialkarzinom

News

Wird das Ovarialkarzinom künftig früher erkannt und besser behandelt? ADCs bieten neue Optionen beim platinresistenten Rezidiv, ein deutschlandweites Register erfasst Daten zu Vorläuferläsionen.

Gynäkologie

Gynäkologische Onkologie

Beitrag lesen
© huenstructurebio.com – stock.adobe.com

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate in der gynäkologischen Onkologie

Fachartikel

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) bringen hochpotente Zytostatika gezielt in Tumorzellen und gewinnen in der gynäkologischen Onkologie rasant an Bedeutung. Der Beitrag erklärt Aufbau, Linker/Payload und Bystander-Effekt und ordnet die klinische Evidenz bei Ovarial-, Zervix- und Endometriumkarzinom ein – inklusive Daten zu Mirvetuximab, Tisotumab Vedotin und Trastuzumab Deruxtecan.

Gynäkologie

Gynäkologische Onkologie

Beitrag lesen