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Einfluss zirkadianer Rhythmen auf Geburtseinleitung

Neugeborenes liegt nach der Geburt auf der Brust der Mutter im Krankenhaus, Symbolbild fuer Geburtseinleitung und zirkadiane Rhythmen

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Einfluss zirkadianer Rhythmen auf Geburtseinleitung

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: gyne

Der Einfluss zirkadianer Rhythmen auf die Geburtseinleitung zeigt sich in einer retrospektiven US-Kohortenstudie, in die zwischen 2019 und 2022 3.363 termingerechte Schwangerschaften eingeschlossen wurden. Die Einleitungsdauer folgte einem zirkadianen Muster. Ein Beginn um 05:00 Uhr war im Mittel mit der kürzesten Zeit assoziiert, ein Start um 23:00 Uhr mit der längsten Dauer. Unterschiede betrafen vor allem die erste Phase der Geburt bis einschließlich 6 cm Zervixdilatation.

Zirkadianes Muster bei der Einleitungsdauer

Die Uhrzeit, zu der eine Geburtseinleitung beginnt, könnte mehr Einfluss auf den klinischen Verlauf haben, als bislang in vielen Abläufen explizit berücksichtigt wird: Eine retrospektive Kohortenstudie an einem US‑Krankenhaus zeigt, dass die Dauer der Geburtseinleitung bei Terminschwangerschaften eindeutig einem zirkadianen Muster folgt. Analysiert wurden 3.363 Einleitungen aus den Jahren 2019 bis 2022. Als Startzeitpunkt (Time of Induction, TOI) galt die erste Gabe eines Mittels zur Zervixreifung oder eines synthetischen Oxytocins; die Dauer wurde als Zeitraum von Einleitung bis Geburt definiert.

Startzeitpunkt und Einleitungsdauer im Stundenvergleich

Die Auswertung ergab, dass Einleitungen, die in den frühen Morgenstunden initiiert werden, im Mittel mit einer kürzeren Einleitungsdauer assoziiert waren, während sich die Dauer bei späterem Beginn im Tagesverlauf graduell verlängerte. In der fein aufgelösten 1‑Stunden-Analyse lag die durchschnittliche Einleitungsdauer bei TOI um 05:00 Uhr bei 14,8 Stunden, während sie bei Start um 23:00 Uhr im Mittel 21,0 Stunden betrug. Damit ergibt sich – je nach Startzeit – eine klinisch relevante Differenz im Stundenbereich.

Welche Phase der Geburtseinleitung besonders betroffen ist

Interessant für die geburtspraktische Einordnung ist zudem, welche Phase der Geburtseinleitung laut Studie besonders betroffen ist: Unterschiede zeigten sich vor allem in der frühen Phase der Geburt, die von der Einleitung bis zu einer Muttermundöffnung von 6 cm definiert wurde, nicht jedoch in den nachfolgenden Phasen bis zur Geburt. Das spricht dafür, dass der zeitabhängige Effekt vorrangig Prozesse der Zervixreifung und der Latenzphase betrifft.

Entbindungsmodus und neonatales Outcom

Neben der Dauer untersuchte die Studie auch Entbindungs- und Neonataloutcomes. Der Startzeitpunkt der Einleitung war mit Unterschieden im Entbindungsmodus assoziiert: Für Einleitungen zwischen 21:00 und 24:00 Uhr wurde eine erhöhte Sectio-Wahrscheinlichkeit berichtet (OR 1,22; 95%-KI 1,00–1,50). Gleichzeitig fanden sich keine signifikanten Unterschiede der NICU-Aufnahmewahrscheinlichkeit über die TOI‑Zeitfenster hinweg. Auch mehrere neonatale Diagnosen wurden betrachtet, so beispielsweise Sepsis, Atemnot, Trinkschwierigkeiten und Neugeborenengelbsucht. Im Rahmen der Studie konnten keine Zusammenhänge zwischen TOI und derlei neonatalen Diagnose festgestellt werden.

Subgruppen: Adipositas und Nulliparität

Für die praktische Umsetzung der Studienergebnisse besonders relevant ist die Erkenntnis, dass der „optimale“ Zeitpunkt offenbar nicht für alle Schwangeren gleich ist. In der Adipositas‑Subgruppe zeigte sich eine ausgeprägte Rhythmik: Die kürzeste mittlere Dauer trat bei Start zwischen 06:00 und 09:00 Uhr auf (17,64 ± 9,38 Stunden; n = 73), während längere Dauern unter anderem bei Start 21:00–24:00 Uhr beobachtet wurden (21,22 ± 12,06 Stunden; n = 407); die zirkadiane Abhängigkeit war in dieser Gruppe signifikant (p = 0,003; n = 2.311). In der Subgruppe Nullipara mit Adipositas war in der Time-to-event-Analyse die Wahrscheinlichkeit, früher nach Einleitungsbeginn zu entbinden, bei Start 06:00–09:00 Uhr erhöht (Cox-Modell: HR 1,40; 95%-KI 1,01–1,90; p = 0,041)

Stärken und Schwächen der Studie

Es handelt sich um eine retrospektive Single‑Center‑Analyse handelt und die Autorenschaft betont die Relevanz einer Validierung unter Berücksichtigung institutioneller Logistikfaktoren. Außerdem waren zusätzliche Detailauswertungen (z. B. stärker getrennt nach Einleitungsmethoden/Dosierungen oder fokussiert auf bestimmte Entbindungsarten) in diesem Datensatz nicht umfassend möglich. Die normalgewichtige Gruppe sei zudem unterrepräsentiert gewesen, was bei der Interpretation der Datensätze berücksichtigt werden muss.

Schlussfolgerung für die Planung der Geburtseinleitung

Die Berücksichtigung der Startuhrzeit stellt eine biologisch nachvollziehbare Stellschraube dar, um notwendige Geburtseinleitungen bei termingerechten Schwangerschaften zielgerichteter zu planen.

Quelle: Cataldo K, Long R, Olomu I et al. Time of day of induction impacts the total duration of labor. Am J Obstet Gynecol MFM 2026;8: 101898

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