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Infektionen in der Schwangerschaft

Schwangere Frau umgeben von leuchtenden Viruspartikeln, Bauch rot beleuchtet, Hände schützend darauf.

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Gynäkologische Infektiologie

4 MIN

Erschienen in: gyne

Foko-Kurs: Prä- und perinatale Infektionen: Immunstatusbestimmung, Infektionsscreening, Diagnostik und Interventionsmöglichkeiten in der Schwangerschaft –
Kurs 18, Raum 02, 08–10 Uhr

Inhalt
  • Infektionsscreening und Immunstatusbestimmung
    • Im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien (Röteln, Syphilis, Chlamydia trachomatis, HIV-Infektionen und Hepatitis B)
    • Außerhalb der Mutterschaftsrichtlinien (IGeL) (z. B. CMV, Toxoplasmose, Parvo B19)
  • Prävention prä- und perinataler Infektionen
  • Diagnostik und Interventionsmöglichkeiten bei Verdacht auf mütterliche Infektion
Ziel

Auffrischung von praxisrelevantem Wissen:

  • Epidemiologie und Risiko wichtiger Infektionen in der Schwangerschaft
  • Labordiagnostisches Vorgehen im Rahmen des Infektionsscreening
  • Infektiologische Beratung/Untersuchung über die Mutterschaftsrichtlinie hinaus

Infektionen in der Schwangerschaft können die Gesundheit der Mutter und des Kindes gefährden. Pränatale und perinatale Infektionen unterscheiden sich durch den Zeitpunkt der Übertragung. Impfungen und Screenings sind entscheidend für die Prävention. Moderne Labormethoden unterstützen die Diagnose und Therapie.

Infektionen in der Schwangerschaft: Risiken und Präventionsmaßnahmen

Infektionen während der Schwangerschaft können sowohl die Gesundheit der Mutter gefährden als auch auf den Embryo oder Fetus übertragen werden, was zu kindlichen Schädigungen führen kann. Man unterscheidet pränatale von perinatalen Infektionen, abhängig vom Zeitpunkt der Übertragung. Verschiedene Interventionsmöglichkeiten stehen zur Verfügung, um akute oder chronische mütterliche Infektionen zu diagnostizieren und zu behandeln. Diese Infektionen sind oft mit einer erhöhten mütterlichen Morbidität und Mortalität verbunden, wie etwa bei COVID-19 und Influenza.

Vertikale Transmission und Auswirkungen auf das Kind

Das Risiko der vertikalen Übertragung und die Auswirkungen auf das Kind hängen unter anderem von der Art des Erregers, dem Infektionstyp, dem Gestationsalter und dem Reifegrad des fetalen Immunsystems ab. Mögliche Folgen sind Fehlgeburt, Frühgeburt oder die Geburt eines infizierten Kindes mit Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen. Perinatale Infektionen können zu akuten oder chronischen Krankheitsbildern beim Neugeborenen führen. Die Immunität der Mutter, erworben durch natürliche Infektion oder Impfung, schützt vor Erstinfektionen und Erkrankungen während der Schwangerschaft.

Impfungen und Screening

Vor der Schwangerschaft sollte der Impfstatus überprüft und gemäß den Schutzimpfungsrichtlinien aktualisiert werden. Lebendimpfungen sind vier Wochen vor und während der Schwangerschaft zu vermeiden, während Impfungen gegen Influenza, Pertussis und COVID-19 ab dem zweiten Trimenon empfohlen werden. Die Mutterschafts-Richtlinie sieht eine Erhebung des Röteln-Impfstatus sowie ein obligatorisches Infektionsscreening für Syphilis, HIV, Hepatitis B und Chlamydia trachomatis vor. Mitte 2023 wurde der Zeitpunkt des HBsAg-Screenings in die Frühschwangerschaft vorverlegt, um das Transmissionsrisiko durch rechtzeitige antivirale Therapie zu reduzieren.


Zusätzlich zum obligatorischen Screening wird häufig der Immunstatus für Zytomegalievirus, Toxoplasma gondii, Parvovirus B19 und Varizella-Zoster-Virus als individuelle Gesundheitsleistung bestimmt. Bei Seronegativität für nicht impfpräventable Infektionen sollten Hygienemaßnahmen zur Expositionsprophylaxe ergriffen werden. Wegen des asymptomatischen Verlaufs der Infektionen, sind regelmäßige Antikörperkontrollen zu erwägen. Bei akuter CMV-Infektion gibt es keine generelle evidenzbasierte Therapieempfehlung, jedoch kann Valaciclovir zur Risikoreduktion eingesetzt werden. Bei akuter Toxoplasmose senkt eine antiparasitäre Therapie das Risiko für schwere ZNS-Schäden beim Kind.

Spezifische Infektionen und Therapieoptionen

Varizellen und Parvovirus B19 sind schwer zu verhindern, jedoch kann bei Windpocken eine Postexpositionsprophylaxe mit dem entsprechenden Immunglobulin helfen. Bei akuten Varizellen wird Aciclovir empfohlen, und bei schwerer fetaler Anämie durch Parvovirus B19 kann eine intrauterine Transfusion die Mortalitätsrate senken. Der Nachweis von B-Streptokokken indiziert eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe. Die Zika-Virus-Infektion ist reiseassoziiert, und Schwangere sollten über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden. SARS-CoV-2-Infektionen in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für Hospitalisierung und Frühgeburt, die STIKO empfiehlt hier die COVID-19-Impfung ab dem zweiten Trimenon.


Infektionen werden hauptsächlich serologisch diagnostiziert, wobei moderne Labormethoden entscheidend für die Beratung und Therapie sind. Der Einsatz von Immunoassays und Nukleinsäureamplifikationstechniken ermöglicht eine zielgerichtete Prävention und Behandlung.

Quellen:

  1. Berufsverband der Frauenärzte e. V. Programm zum Foko-Kongress 2025
  2. Enders M. Prä- und perinatale Infektionen: Infektionen in der Schwangerschaft frühzeitig erkennen und behandeln. Gynkongress 2025; 2: 5–6

Bilderquelle: © Africa Studio_stock.adobe.com; © Yanina_stock.adobe.com

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