Gängige Tests zur Vorhersage des Erfolgs einer künstlichen Befruchtung sind oft nicht verlässlich. Eine neue Studie des UKSH, der Universität zu Lübeck und des DZIF zeigt: Zwei spezifische Bakterien – Lactobacillus iners und Ureaplasma parvum – beeinflussen den Behandlungserfolg negativ. Bisherige kommerzielle Mikrobiom-Tests basieren auf groben bakteriellen Mustern, die statistisch nicht mit Schwangerschaftsraten korrelieren. Die Forschenden fordern präzisere Diagnostik durch Analyse spezifischer mikrobieller Interaktionen.
Gängige Tests oft nicht verlässlich
Gängige Tests, die den Erfolg einer künstlichen Befruchtung vorhersagen sollen, liegen oft falsch. Das lässt sich aus einer neuen Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), der Universität zu Lübeck und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) ableiten.
Bisherige Prognosemodelle untersuchen die bakterielle Besiedlung der Vagina und teilen diese in grobe Muster. Diese Klassifizierung, auf der auch kommerzielle Mikrobiom-Tests basieren, ist laut Studie jedoch nicht verlässlich.
Zwei Bakterien beeinflussen Behandlungserfolg negativ
Stattdessen identifizierte das Forschungsteam zwei spezifische Bakterien, die den Behandlungserfolg negativ beeinflussten: Lactobacillus iners und Ureaplasma parvum. Bei Patientinnen, bei denen beide Keime gleichzeitig und in hoher Konzentration nachweisbar waren, sanken die Chancen auf eine erfolgreiche Einnistung des Embryos und eine Lebendgeburt drastisch.
Kritik an kommerziellen Angeboten
„Unsere Daten sprechen gegen die Annahme, dass die bloße Einteilung des vaginalen Mikrobioms in die bisher vorgeschlagenen bakteriellen Muster eine klinisch relevante Vorhersage über Schwangerschaftsraten erlaubt”
Prof. Georg Griesinger, Leiter des Universitären Kinderwunschzentrums am UKSH, Campus Lübeck, und Studienleiter
Co-Erstautorin Dr. Mariia Lupatsii äußerte sich zum Potenzial der Ergebnisse und betonte, dass die gefundene Bakterien-Signatur zukünftig einen deutlich präziseren Ansatzpunkt für die Diagnostik darstellen könnte als bisherige Modelle.
Weg von verallgemeinernden Mustern
„Unsere Arbeit zeigt, dass wir weg von verallgemeinernden Mustern und hin zur Analyse spezifischer mikrobieller Interaktionen müssen. Die Identifizierung klinisch validierter Bakterienbesiedlungen könnte künftig helfen, die Zahl notwendiger Behandlungszyklen zu verringern und Paare vor falschen Erwartungen zu schützen.”
Co-Erstautor Dr. Simon Graspeuntner, Universität zu Lübeck
Die in der Fachzeitschrift Human Reproduction Open veröffentlichte Studie untersuchte 266 Patientinnen. Dabei zeigte sich, dass weder die Einteilung in bakterielle Muster – die sogenannten „Community State Types-Kategorien” – noch die Vielfalt der Bakterienarten statistisch mit dem Eintreten einer Schwangerschaft oder einer Lebendgeburt korrelierten.
Quelle:
- Pressemitteilung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein vom 16.04.2026: Künstliche Befruchtung: Bakterienkombination könnte Erfolg vorhersagen, gängigen Tests fehlt Grundlage
- Graspeuntner S, Lupatsii M, Hamala N et al. Vaginal microbial community state types fail to predict IVF outcomes, whereas Ureaplasma parvum and Lactobacillus iners are negative predictors of implantation, clinical pregnancy, and live birth . Hum Reprod Open 2026; 2



