Etwa sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland leben mit Osteoporose. Frauen sind besonders nach der Menopause gefährdet. Eine Expertin der DGE erklärt, wie wichtig die frühzeitige Erkennung durch Knochendichtemessung ist. Patientinnen sollten verstehen, dass ein Östrogenmangel eine Schlüsselrolle beim Knochenabbau spielt. Eine gezielte Beratung zu Lebensstil, Ernährung und Therapieoptionen kann das Frakturrisiko senken. Die Wechseljahre sollten als Zeitpunkt für Prävention genutzt werden, damit Patientinnen lange fit bleiben.
Prävalenz und Risikogruppen
In Deutschland leben etwa sechs bis acht Millionen Menschen mit Osteoporose. Bei der chronischen Erkrankung nehmen Knochenmasse und Knochenstruktur ab – so stark, dass Knochen porös werden und deutlich schneller brechen. Frauen sind davon deutlich häufiger betroffen als Männer. Besonders nach der Menopause steigt das Risiko stark an. Eine Expertin der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) erklärt anlässlich einer Online-Pressekonferenz, wie sich das Risiko durch gezielte Vorsorge und Beratung früh erkennen und senken lässt.
Viele Patientinnen erfahren erst nach einer Fraktur, dass ihre Knochen bereits stark geschwächt sind.
Prof. Dr. med. Heide Siggelkow, Ärztliche Leiterin am endokrinologikum Göttingen, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie und Osteologin DVO.
Östrogen und Osteoporose
Dem Hormon Östrogen kommt bei Osteoporose eine Schlüsselrolle zu: Es schützt nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern hält auch die Knochen stabil, indem es den Knochenabbau bremst und dabei hilft, neue Knochensubstanz aufzubauen.
„[…] Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, verschiebt sich [das] Gleichgewicht [des Knochenstoffwechsels]. Der Abbau überwiegt. Dann verlieren Frauen in kurzer Zeit messbar an Knochenmasse. Dieser Prozess verläuft zunächst ohne Beschwerden. Das macht ihn so gefährlich.”
Prof. Dr. med. Heide Siggelkow
Osteoporose-assoziierte Brüche und Schmerzen können dann zu langen Rehabilitationszeiten und dauerhaftem Verlust der Selbstständigkeit führen.
Knochendichtemessung in die Versorgung der Patientinnen einbeziehen
Das Risiko lässt sich messen. Eine Knochendichtemessung, die sogenannte Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA), zeigt früh, ob die Knochenmasse abnimmt. Patientinnen mit erhöhtem Risiko – etwa direkt zu Beginn der Menopause oder bei früher Menopause – sollten in der Beratung auf diese Möglichkeit hingewiesen und gegebenenfalls konkret zu Osteoporose untersucht werden.
Siggelkow nannte in diesem Zusammenhang mehrere große Studien, die zeigen, dass eine gezielte und frühzeitige Behandlung des hormonellen Ungleichgewichts das Risiko für Knochenbrüche senken kann. Entscheidend sei der richtige Zeitpunkt. Wer erst nach dem ersten Bruch handle, habe bereits eine wichtige Chance verpasst, so die Expertin.
Beratung zu Lebensstil und Therapieoptionen
Neben der ärztlichen Kontrolle spielt der Lebensstil eine zentrale Rolle. In der Beratung sollten Patientinnen auf eine Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D hingewiesen werden. Auch regelmäßiges Kraft- und Belastungstraining regen den Knochenaufbau an. Rauchen und hoher Alkoholkonsum schwächen dagegen die Knochenstabilität.
Eine Hormonersatztherapie, bei der Östrogene zugegeben werden, kann das Frakturrisiko reduzieren. Sie kommt jedoch nicht immer in Frage und wird insbesondere bei ausgeprägten Beschwerden und nur nach individueller ärztlicher Abwägung als Behandlungsmethode genutzt.
Prävention verhindert Knochenbrüche
Östrogenmangel sei ein gut untersuchter und behandelbarer Mechanismus der Osteoporose, betont Siggelkow.
„Wir sollten die Wechseljahre nicht nur als Phase hormoneller Umstellung sehen, sondern auch als Zeitpunkt für Prävention. Eine frühe Abklärung kann verhindern, dass der erste Knochenbruch zum Startpunkt einer chronischen Erkrankung wird.”
Prof. Dr. med. Heide Siggelkow
Die DGE empfiehlt daher menopausalen Patientinnen und behandelnden Fachpersonen, das Thema Knochengesundheit aktiv anzusprechen.
Literatur:
- Khosla S. Update on estrogens and the skeleton. J Clin Endocrinol Metab 2010; 95(8): 3569–3577
- Women’s Health Initiative (WHI) – Hormone Therapy Trials (JAMA / J Bone Miner Res).
- Cauley JA et al. Women’s Health Initiative Investigators. Effects of estrogen plus progestin on risk of fracture and bone mineral density: the Women’s Health Initiative randomized trial. JAMA 2003; 290(13): 1729–1738
- Cauley JA. Estrogen and bone health in men and women. Steroids 2015; 99(Pt A): 11–15
- Rozenberg S, Vandromme J, Antoine C. Postmenopausal hormone therapy: risks and benefits. Nat Rev Endocrinol 2013; (4): 216–227
Quelle: Pressetext der DGE vom 02.03.2026 anlässlich einer Online-Pressekonferenz: Osteoporose früh erkennen: DGE rät zur Bestimmung des Knochenbruchrisikos ab der Menopause



