Kardiologie » Diabetes

»

Fettleber und Diabetes Typ 2: Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Ärztin im weißen Kittel hält eine digitale anatomische Darstellung von Leber und Bauchspeicheldrüse – Symbolbild für den Zusammenhang zwischen Fettleber (MASLD) und Diabetes Typ 2

Quelle: © natali_mis – stock.adobe.com

Fettleber und Diabetes Typ 2: Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

News

Kardiologie

Diabetes

mgo medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Rund 70 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes haben auch eine Fettleber – und beides zusammen erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere schwere Folgeerkrankungen erheblich. Beim Diabetes Kongress 2026 in Berlin diskutierten Expertinnen und Experten über Früherkennung, Vorbeugung und neue Therapieansätze.

Zwei Volkskrankheiten – ein gefährliches Duo

Diabetes Typ 2 tritt selten allein auf. Bei etwa 70 % aller Betroffenen liegt gleichzeitig eine sogenannte metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) vor – im Volksmund bekannt als Fettleber. Was zunächst wie eine reine Leberproblematik klingt, entpuppt sich als systemische Erkrankung mit weitreichenden Folgen für den gesamten Organismus.

„MASLD ist längst keine reine Lebererkrankung mehr”, betont Prof. Dr. Nikolaos Perakakis, Kongresssekretär des Diabetes Kongress 2026 und Bereichsleiter für Metabolisch Vaskuläre Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. „Gerade bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist das Vorliegen einer MASLD mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere schwere Folgeerkrankungen verbunden.”

Stille Gefahr: Die Fettleber bleibt lange unerkannt

Die MASLD zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Sie beginnt meist schleichend: Zunächst lagert sich Fett in der Leber ein. Im weiteren Verlauf kann sich eine Entzündung entwickeln, die zu Vernarbungen – der sogenannten Leberfibrose – und schließlich zur Leberzirrhose führt. Die Fibrose gilt dabei als wichtigster prognostischer Faktor für den weiteren Krankheitsverlauf.

Besonders tückisch: Die Erkrankung verursacht häufig keine spürbaren Beschwerden und bleibt deshalb oft jahrelang unentdeckt. Gleichzeitig steigt mit ihrem Fortschreiten das Risiko für ernsthafte Komplikationen stetig an.

Das Risiko reicht weit über die Leber hinaus

Studien belegen Zusammenhänge der MASLD mit einer Vielzahl schwerer Erkrankungen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Vorhofflimmern)
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Leberkrebs und Leberzirrhose
  • Verschiedene Tumorerkrankungen
  • Verbindungen zu Infektionen und neuropsychiatrischen Erkrankungen werden ebenfalls diskutiert

Menschen mit Typ-2-Diabetes gelten als besondere Hochrisikogruppe: Liegt bei ihnen zusätzlich eine MASLD vor, steigen kardiovaskuläre Ereignisse und Sterblichkeit deutlich an. Zudem gibt es Hinweise, dass die Fettleber selbst die Entstehung eines Typ-2-Diabetes begünstigen kann – ein Teufelskreis, der die Bedeutung früher Intervention unterstreicht.

Screening: Die Werkzeuge sind da – werden aber zu selten genutzt

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gehört zu den wenigen europäischen Fachgesellschaften, die aktualisierte Empfehlungen zu MASLD herausgeben. Die Leitlinien empfehlen ein strukturiertes Screening bei Menschen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes.

Als einfaches und kostengünstiges Erstverfahren gilt der FIB-4-Index – ein Wert, der auf Routinelaborparametern basiert und eine erste Einschätzung des Fibrose-Risikos ermöglicht. „Die notwendigen Instrumente für ein frühes Screening sind vorhanden und vergleichsweise einfach einzusetzen”, sagt Prof. Perakakis. „In der Versorgung werden sie bislang aber noch zu selten genutzt.”

Als Gründe nennt er fehlende Einbindung in Disease-Management-Programme, begrenzte Erstattungen sowie eine geringe Verfügbarkeit weiterführender Untersuchungen wie der Leberelastografie.

Neue Medikamente erweitern die Therapiemöglichkeiten

Lange beschränkte sich die Behandlung der MASLD auf Gewichtsreduktion, Bewegung und die Kontrolle kardiometabolischer Risikofaktoren. Inzwischen tut sich auch medikamentös einiges:

  • Für bestimmte Formen der entzündlichen Fettleber steht erstmals eine spezifische medikamentöse Therapie zur Verfügung
  • Inkretinbasierte Therapien – bereits bewährt bei Diabetes Typ 2 und Adipositas – zeigen positive Effekte auf zentrale Aspekte der MASLD
  • Weitere Wirkstoffe befinden sich in klinischer Entwicklung

Univ.-Prof. Dr. Michael Roden, Vorsitzender der DDG-Arbeitsgemeinschaft „Darm und Leber”, ist aktuell an der Vorbereitung neuer europäischer Leitlinien der EASD beteiligt, welche medikamentöse Therapien bei MASLD und MASH empfehlen werden.

Fazit: Früherkennung muss zur Routine werden

Die Botschaft der Expertinnen und Experten ist klar: „Entscheidend ist, die Erkrankung früher zu erkennen und leitlinienbasierte Strategien konsequent in die Routineversorgung zu integrieren”, resümierte Prof. Perakakis.

Angesichts der enormen Verbreitung beider Erkrankungen – Diabetes Typ 2 und Fettleber – und ihrer gefährlichen Wechselwirkungen ist strukturiertes Screening keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) | 60. Diabetes Kongress 2026, Berlin, 13.–16. Mai 2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mikroskopische Gewebeaufnahme eines Blutgefäßes mit sichtbarer Fibrose nach Deaktivierung eines Immun-Checkpoints – Forschungsbild zur Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren auf das Herzgewebe

Krebsimmuntherapie und Herz: Wie Checkpoint-Inhibitoren das Herzrisiko erhöhen

News

Immun-Checkpoint-Inhibitoren gehören zu den wirksamsten Waffen gegen Krebs – doch sie können das Herz gefährden. Ein neues interdisziplinäres Forschungskonsortium will herausfinden, warum, und die Therapie sicherer machen. Die Hector Stiftung fördert das Projekt mit 1,3 Millionen Euro.

Kardiologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Dr. Ibrahim El-Battrawy, Arbeitsgruppenleiter für zelluläre und translationale Physiologie an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht erbliche Herzrhythmusstörungen wie das Short-QT-Syndrom

Short-QT-Syndrom: Wie Genmutationen den Herzrhythmus gefährden

News

Mutationen im Gen SLC4A3 verändern den pH-Wert in Herzmuskelzellen und stören den Ionenfluss – mit potenziell tödlichen Folgen. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Ruhr-Universität Bochum hat den Mechanismus erstmals aufgeklärt.

Kardiologie

Herzrhythmusstörungen

Beitrag lesen
Ärztin mit Stethoskop neben digitaler Herzdarstellung und EKG-Kurven

KI und Tafamidis verbessern Prognose bei kardialer Amyloidose

Pharmaservice

Die Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) bleibt häufig zu lange unerkannt. KI-basierte Diagnoseverfahren und der Wirkstoff Tafamidis 61 mg (Vyndaqel®) können die Prognose Betroffener entscheidend verbessern – das zeigten Experten beim Pfizer-Symposium auf der 92. DGK-Jahrestagung.

Kardiologie

Amyloidose

Beitrag lesen