Kardiologie » Kongresse

»

GLP-1 als Risikomarker: Erhöhte Hormonspiegel warnen vor Herzereignissen

GLP1 Hormon als blaues Partikel zwischen roten Blutkoerperchen im Blutkreislauf

Quelle: © Artur – stock.adobe.com

GLP-1 als Risikomarker: Erhöhte Hormonspiegel warnen vor Herzereignissen

News

Kardiologie

Kongresse

mgo medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Ein körpereigenes Darmhormon könnte künftig dabei helfen, Herzpatienten mit besonders hohem Risiko frühzeitig zu identifizieren. Eine neue Studie zeigt, dass erhöhte GLP-1-Spiegel bei stationären Patienten mit kardiologischen Erkrankungen das Risiko schwerer Herzkreislaufereignisse vorhersagen – vor allem dann, wenn gleichzeitig eine stille Entzündung im Körper vorliegt.

GLP-1: Weit mehr als ein Blutzuckerregulator

Glucagon-ähnliches Peptid-1 (GLP-1) ist vor allem als Wirkprinzip moderner Diabetesmedikamente bekannt. Das Inkretinhormon wird im Darm ausgeschüttet, reguliert den Blutzucker nach dem Essen und beeinflusst das Herz-Kreislauf-System auf vielfältige Weise. Synthetische GLP-1-Rezeptoragonisten reduzieren nachweislich kardiovaskuläre Ereignisse bei Patienten mit Diabetes oder Adipositas. Was bislang weniger gut verstanden war: Welche Rolle spielen die körpereigenen, endogenen GLP-1-Spiegel bei Herzkrankheiten – und lassen sie sich als Biomarker nutzen?

Studie an fast 900 Herzpatienten

Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten Forschende im Rahmen einer prospektiven Biobank-Studie die GLP-1-Blutspiegel von 888 nüchternen, stationären Patientinnen und Patienten einer kardiologischen Abteilung. Das Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren, 65 Prozent waren männlich. Über einen medianen Beobachtungszeitraum von zwei Jahren wurde erfasst, bei wem es zu schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen (MACE) kam – also zu nicht-tödlichem Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod. Insgesamt traten bei 72 der 888 Teilnehmenden solche Ereignisse auf.

Hohes GLP-1 – hohes Risiko

Die Auswertung ergab: Patienten mit GLP-1-Werten über dem Median (31,5 pM) hatten ein deutlich erhöhtes MACE-Risiko. Die Hazard Ratio lag bei 1,77 – und blieb auch nach Berücksichtigung klassischer Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Diabetes, LDL-Cholesterin und Nierenfunktion statistisch signifikant. In der Analyse der prädiktiven Stärke einzelner Variablen rangierte GLP-1 sogar vor etablierten Markern wie LDL-Cholesterin und Kreatinin.

Entscheidender Faktor: stille Entzündung

Besonders aufschlussreich war die Unterscheidung nach dem Entzündungsstatus der Patienten. Als Maß für eine sogenannte Low-Grade-Entzündung diente das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP). Bei Patienten ohne erhöhtes Entzündungsniveau (hsCRP < 2 mg/L) zeigte GLP-1 keinerlei Vorhersagekraft für MACE. Anders bei Patienten mit einem hsCRP-Wert von 2 mg/L oder höher: Hier war ein erhöhter GLP-1-Spiegel mit einem mehr als doppelt so hohen MACE-Risiko verbunden (HR: 2,25). In der Variablenbedeutungsanalyse dieser Gruppe belegte GLP-1 den zweiten Platz – direkt nach dem etablierten Herzinsuffizienzmarker NT-proBNP.

Kompensatorische Reaktion auf Entzündung?

Die Autorinnen und Autoren interpretieren die Befunde als Hinweis darauf, dass GLP-1 möglicherweise als körpereigene Gegenreaktion auf Entzündungsprozesse ausgeschüttet wird. Erhöhte GLP-1-Spiegel wären demnach kein direkter Krankheitstreiber, sondern ein Zeichen dafür, dass der Organismus auf eine bestehende Entzündungsaktivierung reagiert – ein Mechanismus, der gleichzeitig als Warnsignal für ein erhöhtes Herzrisiko gelten könnte. GLP-1 könnte so als neuartiger Biomarker für das sogenannte residuale Entzündungsrisiko dienen und helfen, Hochrisikopatienten gezielter zu identifizieren und zu behandeln.

Quelle:  Kurt B et al. GLP-1 levels predict adverse cardiovascular events in hospitalized patients with residual inflammatory risk. Clin Res Cardiol (2026). DOI 10.1007/s00392-026-02870-1

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Gruppenfoto der Forschungsgruppe FOR 5953 der TU Dresden vor einer Präsentationsfolie zum Projekt ETNA – Immunsteuerung nach Herzinfarkt

Immunsteuerung nach Herzinfarkt: TUD erhält DFG-Förderung

News

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert eine neue Forschungsgruppe an der TU Dresden mit rund sieben Millionen Euro. Ziel ist es, die Immunreaktion nach einem Herzinfarkt so zu modulieren, dass Heilungsprozesse gefördert und Gewebeschäden begrenzt werden.

Kardiologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Person hält rotes Herz mit Spritzenicon an den Arm mit Pflaster nach einer Impfung – Symbolbild für RSV-Impfung als Herzschutz bei kardiovaskulären Erkrankungen

RSV-Infektion bei Herzerkrankungen: Warum Impfen so wichtig ist

Pharmaservice

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist für ältere Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine unterschätzte Gefahr. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt nach einer RSV-Infektion drastisch – die Impfung kann das verhindern.

Kardiologie

Prävention und Rehabilitation

Beitrag lesen
Prof. Enzo Lüsebrink, Prof. Alexandra Philipsen und Prof. Lukas Radbruch (v. l.) vom Universitätsklinikum Bonn fordern die frühere Integration von Palliativmedizin in die kardiovaskuläre Versorgung

Palliativmedizin früher in die Herzmedizin integrieren

News

Eine internationale Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Bonn fordert ein grundlegendes Umdenken: Palliativmedizin soll künftig fester Bestandteil der kardiologischen Versorgung werden – und das nicht erst am Lebensende.

Kardiologie

Sonstiges

Beitrag lesen