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Herzinfarkt: Wenn Cholesterin nicht reicht – Inflammation als neues Therapieziel

3D-Illustration einer Immunzelle umgeben von Erythrozyten in einem entzündeten Blutgefäß als Symbolbild für kardiovaskuläre Inflammation

Quelle: © Dr_Microbe – stock.adobe.com

Herzinfarkt: Wenn Cholesterin nicht reicht – Inflammation als neues Therapieziel

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mgo medizin Redaktion

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Trotz optimal eingestellter Blutfettwerte erleiden viele Herzpatienten erneute Ereignisse. Beim DGK-Jahreskongress 2026 in Mannheim diskutierten führende Kardiologen, warum chronische Entzündung als eigenständiger Risikofaktor dringend mitbehandelt werden muss – und was die neue Zulassung von Colchicin für die Praxis bedeutet.

In Deutschland erleiden jährlich über 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Rund ein Drittel von ihnen ist trotz moderner Therapie innerhalb weniger Jahre von einem erneuten kardiovaskulären Ereignis betroffen. Die Ursache liegt häufig nicht in einer unzureichenden Cholesterinsenkung, sondern in einem Faktor, der in der klinischen Routine noch immer unterschätzt wird: chronische kardiovaskuläre Inflammation.

Bei einem Satellitensymposium im Rahmen der 92. DGK-Jahrestagung in Mannheim beleuchteten drei renommierte Experten – unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Felix Mahfoud (Universitätsspital Basel) und Dr. Natalie Arnold (Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg) – aktuelle Evidenz, Therapieoptionen und konkrete Umsetzungsstrategien.

Inflammation: Eigenständiger Risikofaktor – unabhängig von LDL und BMI

Prof. Dr. Florian Kahles (Uniklinikum RWTH Aachen) eröffnete das Symposium mit einem klaren Befund: Kardiovaskuläre Inflammation ist kein Begleitphänomen der Atherosklerose, sondern ein kausal belegter, eigenständiger Treiber von Herzinfarkten und Schlaganfällen – unabhängig von Cholesterin, Blutdruck oder Körpergewicht.

Die Zahlen sind eindeutig: In einer schwedischen Kohorte mit über 80.000 Herzpatienten wiesen 60 % erhöhte Entzündungswerte auf, gemessen am hochsensitiven CRP (hsCRP) über 2 mg/L. Selbst bei Personen ohne klassische Risikofaktoren – in der Fachdiskussion als „SMuRF-less”-Individuen bezeichnet – fanden sich bei 26 % erhöhte hsCRP-Werte mit messbarer Auswirkung auf das Herzrisiko.

Daten aus der UK Biobank (über 49.000 Personen) und der Women‘s Health Study zeigen darüber hinaus, dass eine einzige hsCRP-Messung das individuelle kardiovaskuläre Risiko über bis zu 30 Jahre vorhersagen kann. In multivariablen Modellen rangierten Entzündungsmarker auf Augenhöhe mit LDL-Cholesterin und Blutdruck – zwei Parametern, die seit Jahrzehnten leitliniengerecht gemessen und therapiert werden. Das hsCRP hingegen ist bislang kein Bestandteil des routinemäßigen kardiologischen Screenings.

„LDL-Senkung und Inflammationskontrolle schließen sich nicht aus – sie müssen unabhängig voneinander angestrebt werden.”

Prof. Dr. Florian Kahles, Uniklinikum RWTH Aachen

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