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Klartext Frauenherzen: Warum Herzmedizin Frauen anders in den Blick nehmen muss

Patientin Vivien F. liegt im Krankenhausbett und hält ihren Neugeborenen Sohn Juda Michael im Arm; Partner Benedikt sitzt lächelnd neben ihr – kurz nach der Geburt am Campus Virchow-Klinikum der Charité trotz schwerer Herzerkrankung der Mutter.

Quelle: Patientin Vivien F. aus Hennigsdorf zusammen mit ihrem Partner Benedikt und ihrem Sohn Juda Michael, der Ende April am Campus Virchow-Klinikum geboren wurde. (Foto: DHZC / Tischer)

Klartext Frauenherzen: Warum Herzmedizin Frauen anders in den Blick nehmen muss

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen – doch viele medizinische Standards orientieren sich bis heute am männlichen Patienten. Das Deutsche Herzzentrum der Charité startet jetzt eine Initiative für mehr Aufmerksamkeit.

Frauen erkranken anders – mit Folgen

Frauen haben bei Herzinfarkten häufig andere Symptome als Männer: kein klassischer Brustschmerz, stattdessen Übelkeit, Erschöpfung oder Rückenschmerzen. Weil diese Beschwerden lange als „atypisch” galten, verlieren viele Patientinnen wertvolle Zeit bis zur Diagnose. Mit gefährlichen Konsequenzen: Das Sterberisiko bei schwerem Herzinfarkt ist für Frauen unter 60 Jahren höher als für gleichaltrige Männer.

Hinzu kommt: Frauen werden bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener reanimiert – oft wegen Unsicherheiten oder falsch gedeuteter Symptome.

„Frauen sind keine weiblichen Männer: Sie erkranken anders, zeigen andere Symptome, haben andere Risikoprofile und durchlaufen mit Schwangerschaft und Menopause Lebensphasen, die sich besonders auf das Herz-Kreislauf-System auswirken können.”

Dr. Julia Lueg, Kardiologin am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC)

Initiative „Klartext Frauenherzen”

Anlässlich des Internationalen Tags der Frauengesundheit am 28. Mai hat das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) die Initiative „Klartext Frauenherzen” gestartet. Ziel ist es, über geschlechterspezifische Unterschiede in der Herzmedizin aufzuklären und spezialisierte Behandlungsangebote für Patientinnen sichtbarer zu machen.

Schwangerschaft und Menopause als Herzrisiko

Komplikationen in der Schwangerschaft – etwa Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes oder -bluthochdruck – gelten heute als wichtige Frühwarnzeichen für ein dauerhaft erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Am DHZC werden gefährdete Patientinnen deshalb interdisziplinär vor, während und nach der Geburt betreut.

„Unser Ziel ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, Komplikationen zu vermeiden und die Herzgesundheit der Patientinnen langfristig zu schützen.”

PD Dr. Kun Zhang, Oberärztin, DHZC Campus Virchow-Klinikum

Auch die Menopause verändert das kardiovaskuläre Risikoprofil erheblich: Sinkende Östrogenspiegel beeinflussen Gefäße, Stoffwechsel und Blutdruck. Mehr als jede zweite Frau entwickelt in den ersten Jahren nach der Menopause einen Bluthochdruck.

Kardioonkologie: Herzgesundheit nach Krebs

Viele Frauen überleben Brust- oder Gebärmutterhalskrebs heute über viele Jahre. Doch bestimmte Krebstherapien sowie gemeinsame Risikofaktoren können das spätere Herzrisiko erhöhen – mit teils schwereren Folgen als die ursprüngliche Krebserkrankung selbst.

Kardiovaskuläre Langzeitfolgen sind kein isoliertes Problem einzelner Tumorentitäten, sondern betreffen Frauen mit nahezu allen Krebserkrankungen.”

PD Dr. Hannah Woopen, Leiterin der AG Cancer Survivorship, Charité Campus Virchow-Klinikum

„Nur ein Organ isoliert zu betrachten, reicht nicht aus.”

Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie, Charité Campus Virchow-Klinikum

Fallbeispiel: Schwangerschaft trotz schwerer Diagnose

Wie wichtig spezialisierte Versorgung sein kann, zeigt der Fall von Vivien F. aus Hennigsdorf. Die heute 33-jährige Theologin bemerkte Anfang 2021 einen schleichenden Leistungsabfall. Erst 2023 erhielt sie die Diagnose: idiopathische pulmonale Hypertonie – ein krankhaft erhöhter Blutdruck in den Lungengefäßen, der das Herz dauerhaft belastet und unbehandelt lebensbedrohlich werden kann.

Trotz des medizinischen Hochrisikos entschied sich Vivien F. gemeinsam mit ihrem Partner für eine Schwangerschaft. Sie wurde ans DHZC überwiesen und dort interdisziplinär betreut. In der 28. Schwangerschaftswoche verschlechterte sich ihr Zustand – ein fachübergreifendes Team aus Kardiologie, Geburtshilfe, Anästhesie, Intensivmedizin und Neonatologie plante gemeinsam die Entbindung. Ende April wurde Sohn Juda Michael geboren. Mutter und Kind haben sich gut erholt.

Präzisionsmedizin für Frauen

„Geschlechterspezifische Herzmedizin ist kein Nischenthema, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Präzisionsmedizin.”

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf, Direktor der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin, Campus Virchow-Klinikum

Weitere Informationen: www.dhzc.charite.de/frauenherzmedizin

Quelle: Deutsches Herzzentrum der Charité (DHZC)

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