Kardiologie » Kongresse

»

Lipidologie + Kardiologie: Bereits effektives Lipid-senkendes Armamentarium wird bald noch erweitert

Illustration einer verengten Arterie durch Plaque-Ablagerungen, Fokus auf Lipidstoffwechsel und kardiovaskuläre Risiken

Lipidologie + Kardiologie: Bereits effektives Lipid-senkendes Armamentarium wird bald noch erweitert

News

Kardiologie

Kongresse

4 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Auf einer Pressekonferenz während des Kardiologenkongresses 2025 in Mannheim diskutierten Fachärztinnen und -ärzte den gegenwärtigen Stand der Behandlung von Hypercholesterinämien, um kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern. Die Versorgungsforschung sieht leichte Verbesserungen in der diesbezüglichen Therapie, aber noch mit einiger Luft nach oben. Dabei stehen effiziente Medikationen zur Verfügung, und Vielversprechendes befindet sich in der Pipeline.

Prof. Dr. med. Oliver Weingärtner, Jena, stellte die ersten Ergebnisse des SnapShot-Registers vor, welches die Versorgung von Menschen mit etablierter Gefäßerkrankung hinsichtlich einer lipidsenkenden Therapie untersuchte. Summarisch stellte er fest, dass „ein Großteil der ASCVD*-Patienten nicht adäquat versorgt wird.“

Dabei wurde zwischen kardiologischen und allgemeinärztlichen Praxen (API) unterschieden. Insgesamt war die kardiologische Versorgung besser. Bedenklich jedoch: etwa jedes fünfte sehr hohe Risiko erhält bei den APIs gar keine lipidsenkende Therapie. Auch wurden junge Menschen (< 50 Jahre) mit hohem Risiko oftmals (49 %) keine Medikation. Ferner bekamen die Patienten hier (API) meist lediglich eine Monotherapie, die zudem selten eskaliert wurde, also nicht Zielwert-orientiert war. In kardiologischen Praxen findet dagegen häufiger eine Therapie-Eskalation statt, oftmals in Form einer Kombination mit PCSK9-Inhibitoren.

„Frauen werden insgesamt schlechter therapiert. Und: sie werden häufiger überhaupt nicht lipidsenkend behandelt, obwohl dies indiziert wäre“, konstatiert der Kardiologe [1]. Dies liegt, so das Panel übereinstimmend, wohl auch daran, dass Frauen weniger als Männer mit CV**-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden, was jedoch eine weitverbreitete Fehleinschätzung darstellt.

Klare Evidenzlage widerspricht verbreiteten Irrtümern

Prof. Dr. med. Ulrich Laufs, Leipzig, räumte mit einem oftmals anzutreffenden Vorurteil auf. „Zwar sind Lebensstilfaktoren für die kardiovaskuläre Risikoreduktion wichtig, ihre positive Wirkung lässt sich allerdings nicht am LDL-C ablesen.“ Eine Umstellung der Ernährung in Bezug auf das LDL-C wäre höchstens zielführend bei zuvor eklatanter Fehlernährung. Bedauerlich ist zudem, unterstreicht der Lipidologe, die immer noch krassierende ‚Cholesterinlüge‘, wo doch kaum ein Zusammenhang durch zahlreiche Studien so klar belegt ist wie der zwischen CV-Erkrankungen und zu hohen LDL-C-Werten. „Eine wirksame Möglichkeit, die Konzentration des schädlichen LDL-Cholesterins im Blut zu senken, ist und bleibt hingegen die medikamentöse Therapie.“

Neben den Statinen stehen dafür mittlerweile zwei PCSK9-Inhibitoren sowie mit Incliseran ein RNA-basierter Arzneistoff zur Verfügung, der das Enzym PCSK9 hemmt. Noch in der Erprobung befindet sich aktuell eine DNA-Therapie an, die durch eine einmalige DNA-Modifikation eine Hypercholesterinämie dauerhaft heilen könnte. Sie wird derzeit in einer First-in-human-Studie getestet.

Lp(a) als relevanten Risikofaktor mehr beachten

Prof. Dr. med. Andrea Bäßler, Regensburg, sieht in zu hohen Spiegeln des Lp(a) einen noch häufig übersehenen „genetisch bedingten, unabhängigen und kausalen Risikofaktor“. Lp(a) wirkt pro-atherosklerotisch, pro-inflammatorisch und eventuell pro-thrombotisch. Je höher der Spiegel, betont die Kardiologin, desto höher das Risiko für ASCVD.

„Leitlinien empfehlen eine einmalige Messung zur besseren Risikoprädiktion, die stets im Kontext klassischer Risikofaktoren erfolgen sollte.“ Bei hohem Lp(a) ist die frühzeitige strikte Kontrolle aller Risikofaktoren essenziell, um das Gesamtrisiko zu senken. In diesem Fall sind etwa die LDL-C-Zielwerte um eine Stufe gemäß der Risikokonstellation zu senken (z.B. statt < 100 mg/dl < 70 mg/dl).

Zur gezielten Lp(a)-Reduktion steht bislang nur die Lp(a)-Apherese bei strenger Indikation zur Verfügung. Neue, noch nicht zugelassenen RNA-basierte Therapien (z. B. Pelacarsen, Olpasiran) senken Lp(a) um 80–95 % und zeigen gute Verträglichkeit. Ob sie CV-Ereignisse reduzieren können, muss sich noch in Endpunktstudien zeigen, deren Resultate 2026 erwartet werden. Ihre Prognose: „Lp(a) wird voraussichtlich das nächste lohnende Ziel im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.“

Reimund Freye

*ASCVD – Atherosclerotic Cardiovascular Disease; **CV – kardiovaskulär

Literatur:

1. Weingärtner O et al., DGK 2024; Abstract #761, Poster P2188

Quelle: Pressekonferenz: Schwerpunkt Lipide – Versorgung, Risiko, Therapie, im Rahmen der 91. DGK-Jahrestagung, Mannheim, 24. April 2025

Bilderquelle: © Tatiana Shepeleva – Adobe Stock

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Ärztin hält Stethoskop an die Brust mit digitaler Herzdarstellung und EKG-Kurve – Symbol für das erhöhte Herzinfarktrisiko bei früher Menopause

Frühe Menopause: 40 % höheres Risiko für Herzerkrankungen

News

Frauen, die vor dem 40. Lebensjahr in die Menopause kommen, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen. Das zeigt eine aktuelle US-Studie – und sie macht deutlich, warum das Menopause-Alter in der klinischen Praxis künftig stärker beachtet werden sollte.

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

Beitrag lesen
Mikroskopische Gewebeaufnahme eines Blutgefäßes mit sichtbarer Fibrose nach Deaktivierung eines Immun-Checkpoints – Forschungsbild zur Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren auf das Herzgewebe

Krebsimmuntherapie und Herz: Wie Checkpoint-Inhibitoren das Herzrisiko erhöhen

News

Immun-Checkpoint-Inhibitoren gehören zu den wirksamsten Waffen gegen Krebs – doch sie können das Herz gefährden. Ein neues interdisziplinäres Forschungskonsortium will herausfinden, warum, und die Therapie sicherer machen. Die Hector Stiftung fördert das Projekt mit 1,3 Millionen Euro.

Kardiologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Ärztin im weißen Kittel hält eine digitale anatomische Darstellung von Leber und Bauchspeicheldrüse – Symbolbild für den Zusammenhang zwischen Fettleber (MASLD) und Diabetes Typ 2

Fettleber und Diabetes Typ 2: Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

News

Rund 70 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes haben auch eine Fettleber – und beides zusammen erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere schwere Folgeerkrankungen erheblich. Beim Diabetes Kongress 2026 in Berlin diskutierten Expertinnen und Experten über Früherkennung, Vorbeugung und neue Therapieansätze.

Kardiologie

Diabetes

Beitrag lesen