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Neue ESC-Leitlinie zur Myokarditis und Perikarditis

Neue ESC-Leitlinie zur Myokarditis und Perikarditis

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Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

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Erschienen in: herzmedizin

Die neuen ESC-Leitlinien fassen Myokarditis und Perikarditis erstmals unter dem Begriff „inflammatorisches myoperikardiales Syndrom“ zusammen und bieten praxisnahe Empfehlungen für Diagnose, Risikostratifizierung und Therapie.

Perikarditis und Myokarditis teilen neben der gemeinsamen – infektiösen, autoinflammatorischen oder toxischen – Ätiologie auch die anatomische Kontiguität. Der neu eingeführte Begriff „inflammatorisches myoperikardiales Syndrom“ (Inflammatory Myopericardial Syndrome, IMPS) deckt das gesamte Spektrum beider Erkrankungen ab, das neben Perikarditis und Myokarditis auch Überschneidungen umfasst.

In den letzten Jahren wurden mehrere Genvarianten identifiziert, die Schweregrad und Prädisposition beeinflussen. Bei einem rezidivierenden IMPS wird eine Familienanamnese empfohlen. Genetische Tests sind bei familiärer Vorgeschichte, schweren ventrikulären Arrhythmien oder rezidivierender refraktärer Perikarditis mit inflammatorischem Phänotyp zu erwägen.

Die Myokarditis ist in ihren klinischen Manifestationen sehr heterogen, wobei drei Hauptmuster zu differenzieren sind: Entweder stehen infarktähnliche Brustschmerzen oder Herzinsuffizienz und oder Arrhythmien im Vordergrund. Für jeden Symptomtyp werden in der ESC- Leitlinie Managementstrategien als Work-Flow dargestellt.

Es werden „Red Flags“ für Myokarditis bzw. Perikarditis definiert, die klinische Symptome, Laborparameter und Befunde der Bildgebung umfassen. Die Red Flags sind als Warnsignale zu verstehen, dienen aber nicht zur Risikobewertung. Die Risikostratifizierung erfolgt im Rahmen der Diagnose basierend auf der Stadieneinteilung.

Kardio-MRT gewinnt an Bedeutung

Die Diagnose stützt sich vor allem auf moderne multimodale kardiovaskuläre Bildgebung. Die Echokardiographie ist in der Regel das Verfahren der ersten Wahl. Das Kardio-MRT gewinnt an Bedeutung und wird empfohlen, um einerseits bei IMPS-Verdacht die Diagnose zu sichern und andererseits, um Gewebeschäden wie Ödeme, Fibrosen, Nekrosen oder Vernarbungen zu erkennen. Entscheidend ist die qualitätsgesicherte Anwendung der Bildgebung.

Über die individuelle Behandlung von Patient*innen mit IMPS sollte im multidisziplinären Team entschieden werden. Die medikamentöse Therapie basiert auf klinischem Bild, Schweregrad und Ätiologie. Neu ist die Empfehlung von NSAR (kombiniert mit Protonenpumpenhemmern) bei Brustschmerzen zu geben. Die gleichzeitige Anwendung von Colchicin ist sicher und kann in Erwägung gezogen werden, um Rezidiven vorzubeugen. Eine Therapie mit Beta-Blockern über mindestens sechs Monate kommt bei akuter Myokarditis in Betracht, insbesondere bei erhöhtem Troponin. Kortikosteroide können bei akuter Myokarditis mit eingeschränkter LVEF (linksventrikulärer Ejektionsfraktion) sinnvoll sein, nicht jedoch bei erhaltener LV-Funktion.

Alle Patient*innen sollten mindestens zwei Jahre nachkontrolliert werden, bei kompliziertem Verlauf können lebenslange Kontrollen erforderlich sein. Entscheidend ist die Ausheilung der aktiven Inflammation, die über klinische Parameter und via CMR (Cardiovascular Magnetic Resonance) nachgewiesen wird. Sie ist auch entscheidend dafür, ob bzw. wann Patient*innen wieder zur gewohnten körperlichen Belastung zurückkehren kann.

Quelle:  Schulz-Menger J et al. 2025; ESC Guidelines for the management of myocarditis and pericarditis. Eur Heart J. 2025 Aug 29; ehaf192. doi: 10.1093/eurheartj/ehaf192. Epub ahead of print. PMID: 40878297

Bilderquelle: ©eddows – Adobe Stock

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