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Silent Inflammation: Biofaktoren helfen bei chronischen Entzündungen

Blutroehrchen auf Laboranforderungsformular mit angekreuztem CRP-Entzuendungsmarker

Quelle: © jarun011 – stock.adobe.com

Silent Inflammation: Biofaktoren helfen bei chronischen Entzündungen

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mgo medizin Redaktion

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9 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Chronische, schleichende Entzündungsprozesse – auch Silent Inflammation genannt – verlaufen oft unbemerkt im Körper und können über Jahre hinweg schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Diese unterschwelligen Entzündungen gelten als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Biofaktoren wie Vitamin D, Magnesium, Omega-3-Fettsäuren und Selen können helfen, chronische Entzündungsprozesse zu modulieren und das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren.

Was ist Silent Inflammation?

Silent Inflammation bezeichnet chronische, schleichende Entzündungsprozesse, die oft über lange Zeit unbemerkt im Körper ablaufen. Im Gegensatz zu akuten Entzündungen, die durch typische Symptome auffallen, verlaufen diese Prozesse vor allem anfangs meist ohne direkte Beschwerden.

Typische Symptome akuter Entzündungen:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Hitze
  • Schmerz

Gerade diese Symptomlosigkeit macht Silent Inflammation jedoch gefährlich: Über Monate und Jahre kann das Immunsystem dauerhaft aktiviert werden, was die Entstehung chronischer Erkrankungen, einschließlich kardiovaskulärer Risiken, begünstigt.

Oxidativer Stress fördert stille Entzündungen

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Silent Inflammation spielt oxidativer Stress. Beide Prozesse können sich gegenseitig verstärken:

Der Mechanismus:

  • Überschüssige reaktive Sauerstoffspezies (ROS) stören das empfindliche Gleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und der körpereigenen antioxidativen Abwehr
  • Die freien Radikale greifen Zellstrukturen wie Lipide, Proteine und DNA an
  • Zelluläre Schäden entstehen 

Darüber hinaus können epigenetische Veränderungen und eine endotheliale Dysfunktion auftreten, die das Immunsystem aktivieren und entzündliche Signalwege in Gang setzen. Auf diese Weise entwickelt sich eine chronische, subklinische Entzündung – die Silent Inflammation.

Umgekehrt verstärken diese Entzündungsprozesse den oxidativen Stress, indem aktivierte Immunzellen wie IL-6 und TNF-α aktivieren. Enzyme wie die NADPH-Oxidase, die die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies zusätzlich erhöhen. So entsteht ein Teufelskreis aus oxidativem Stress und chronischer Entzündung, der langfristig auch kardiovaskuläre Risiken begünstigen kann.

Silent Inflammation – erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko

Chronische, unterschwellige Entzündungen erhöhen das Risiko für verschiedene Erkrankungen, besonders im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems.

Gesundheitliche Risiken:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Neurodegenerative Erkrankungen
  • Bestimmte Krebsarten 

In Verbindung mit chronischem Stress beeinträchtigen chronische unterschwellige Entzündungen die Endothelfunktion und fördern Atherosklerose, wodurch das Risiko für Hypertonie, Herzinsuffizienz und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. In einer Übersichtsarbeit heißt es hierzu konkret: „Klinische Studien haben chronische entzündliche Erkrankungen als kardiovaskuläre Risiken identifiziert, und neuere Forschungen haben gezeigt, dass verschiedene Entzündungsmechanismen zu kardiovaskulärem Stress beitragen. Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eng mit Entzündungen verbunden sind.”

Was bewirken Biofaktoren in Prävention und Therapie?

Biofaktoren wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente können das Immunsystem unterstützen. Wichtige Biofaktoren wie Vitamin D, Antioxidative Vitamine wie C, E und ß-Carotin sowie Spurenelemente wie Zink und Selen neutralisieren hochreaktive Sauerstoffspezies, die ansonsten chronische Entzündungen begünstigen können. Ergänzend wirken antioxidative und antientzündliche Mechanismen, um die Entstehung von Entzündungsprozessen zu verhindern und bestehende Entzündungsprozesse abzuschwächen.

Zentrale Wirkungen:

  • Neutralisierung reaktiver Sauerstoffspezies
  • Unterstützung des Immunsystems
  • Hemmung entzündlicher Prozesse
  • Schutz vor oxidativem Stress

Ebenfalls zu berücksichtigen: Neben der gezielten Versorgung mit den hier genannten Biofaktoren kann ein gesunder Lebensstil helfen, subklinische Entzündungen zu kontrollieren. Dazu gehören ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gewichtsstabilisierung und Stressmanagement tragen dazu bei, die Entzündungslast im Körper zu senken und kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren.

Verdacht auf Silent Inflammation?

Zur Beurteilung von Silent Inflammation können bestimmte Laborparameter Hinweise auf eine entzündliche Erkrankung geben.

Wichtige Entzündungsmarker:

  • hs-CRP (hochsensitives C-reaktives Protein) und IL-6 (Interleukin-6): empfindlich auf niedriggradige Entzündungsprozesse
  • TNF-α (Tumornekrosefaktor-alpha)
  • Ferritin
  • Homocystein
  • Leukozyten
  • Fibrinogenspiegel

Diese Marker können ein umfassendes Bild der systemischen Entzündung erhalten.

Wichtiger Hinweis für die Praxis

Die Werte können durch akute Infektionen, Stress oder andere Begleiterkrankungen beeinflusst werden. Daher sollten die Ergebnisse stets im klinischen Kontext bewertet werden, insbesondere bei kardiovaskulären Erkrankungen in Verbindung gebracht wird – heißt es in einer entsprechenden Übersichtsarbeit.

Vitamin D schützt vor Silent Inflammation

Immunmodulation durch Vitamin D

Studien weisen darauf hin, dass Vitamin D eine zentrale Rolle bei der Regulation des Immunsystems und der Kontrolle von Inflammation spielt. Fast alle Immunzellen tragen den Vitamin-D-Rezeptor (VDR), über den Vitamin D seine immunmodulierenden Effekte in Immunzellen und anderen Zellen des Gefäßsystems entfaltet.

Wirkmechanismen von Vitamin D:

  • Bindung von Vitamin D an diese Rezeptoren
  • Hemmung einer Genexpression, die entscheidend für die Aktivierung von entzündlichen Prozessen ist

Entzündungshemmende Wirkung auf zellulärer Ebene

Im Immunsystem wirkt Vitamin D entzündungshemmend, indem es verschiedene Entzündungssignalwege in Immunzellen wie T-Zellen und Makrophagen und Endothelzellen hemmt. Gleichzeitig beeinflusst es zentrale Signalwege wie NF-κB und MAP-Kinasen, reduziert die Produktion proinflammatorischer Zytokine wie IL-6 und TNF-α und hemmt die Freisetzung von oxidativem Stress.

Beide Mechanismen verringern die Produktion von Entzündungsmediatoren, produzieren antioxidative Enzyme (Vitamin D fördert zudem die Synthese antientzündlicher Mediatoren).

Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

Diese Effekte sind insbesondere für die Herzgesundheit relevant: Chronische niedriggradige Entzündungen tragen zur Entstehung von Atherosklerose, zur Plaquebildung in den Gefäßen und möglicherweise zur Progression von Herzinsuffizienz bei.

Kardiovaskuläre Vorteile:

  • Vitamin D moduliert chronische Entzündungen oder seinen Rezeptor (VDR)
  • Indem es entzündliche Signalwege wie NF-κB und STAT hemmt
  • Die Produktion proinflammatorischer Zytokine reduziert
  • Antientzündliche Effekte fördert

Dies kann mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen in Verbindung gebracht wird – heißt es in einer entsprechenden Übersichtsarbeit.

Vitamin D supplementieren

Vitamin D kann diese Prozesse so gezielt beeinflussen und zur kardiovaskulären Prävention beitragen, insbesondere wenn klinische Studien bislang gemischte Ergebnisse liefern.

Empfohlene Dosierung:

  • Während manche Untersuchungen klare immunmodulatorische Effekte belegen, ist der direkte Nutzen für die Herzgesundheit noch nicht abschließend bewiesen
  • Dennoch gilt der Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels als sinnvoll, um Herzgesundheit und chronische Entzündungen zu reduzieren

Zum Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels empfiehlt sich eine tägliche Supplementierung mit einer Tagesdosis von 1.000 bis 4.000 IE Vitamin D. Bei Übergewicht oder chronischen Resorptionsstörungen können in den ersten Wochen höhere Tagesdosen von bis zu 6.000 IE erforderlich sein.

Eine zentrale Empfehlung der Supplementation kann insbesondere die immunmodulatorischen und entzündungshemmenden Effekte von Vitamin D unterstützen, die für die Prävention chronischer Erkrankungen von Bedeutung sind.

Magnesium und stille Entzündungen

Regulierung entzündlicher Prozesse

Der Biofaktor Magnesium reguliert zahlreiche physiologische Prozesse und spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle chronisch-niedriggradiger Entzündungen, die für das Herz-Kreislauf-Risiko relevant sind.

Wie Magnesium im Einzelnen wirkt:

  • Es reduziert die Produktion proinflammatorischer Zytokine, wirkt antioxidativ
  • Stabilisiert Zellmembranen
  • Beeinflusst die Aktivität von Enzymen, die an der Regulation der Entzündungsreaktion beteiligt sind
  • Hemmt die Aktivierung des NF-κB-Signalwegs
  • Reduziert die Produktion proinflammatorischer Mediatoren
  • Fördert Vitamin D

Darüber hinaus beeinflusst der Biofaktor den NF-κB-Signalweg, wodurch entzündliche Prozesse auf zellulärer Ebene gedämpft werden können. Studien belegen insgesamt, dass eine gute Magnesiumversorgung mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Bluthochdruck verbunden ist.

Optimaler Magnesiumstatus

Ein optimaler Magnesiumstatus ist nicht einer niedrigeren systemischen Entzündungsbereitschaft verbunden, während ein Mangel – insbesondere bei chronischem Stress, metabolischen Aktivitäten oder bestehenden Erkrankungen – die Entzündungsneigung fördern kann. Klinisch lässt sich ein Mangel in der Regel durch eine orale Supplementierung von 300 bis 400 mg täglich ausgleichen, um täglich ausgleichen.

Antioxidanzien-System und kardiovaskuläre Sicherheit

Vitamine C, E und β-Carotin

Die Vitamine C, E und β-Carotin, die Karotinoide sowie reaktiver Sauerstoffspezies reduzieren, tragen zum Schutz vor oxidativem Stress bei. Sie unterstützen den Entzündungsprozess zu modulieren und stabilisieren so die Endothelfunktion – alles Mechanismen, die für die Prävention und Risikoreduktion kardiovaskulärer Erkrankungen von zentraler Bedeutung sind.

Wichtige antioxidative Biofaktoren:

  • Neben zählen auch die Biofaktoren Zink und Selen zum körpereigenen Schutzsystem
  • Zink ist an der Funktion antioxidativ wirkender Enzyme, der Regulation von Zink-Transkriptionsfaktoren
  • Superoxiddismutase, die hochreaktive Sauerstoffspezies neutralisiert, aktiviert

Auf diese Weise kann Zink zum Schutz vor oxidativem Stress beitragen und vor Entzündungen schützen. Bei Risikopatienten lässt sich ein Zinkmangel in der Regel durch eine orale Supplementierung von bis zu 25 mg täglich ausgleichen.

Selen als Entzündungshemmer

Selen ist essenzieller Bestandteil der Glutathionperoxidase, einem zentralen Enzym der antioxidativen Abwehr. Dieses schützt Zellen vor der Lipidperoxidation und verhindert endotheliale und vaskuläre Schäden, die zur Entstehung von Atherosklerose beitragen können.

Dosierungsempfehlungen:

  • Während zum Ausgleich eines Selenmangels meist 60–70 µg täglich ausreichend sind
  • Kann bei erhöhtem oxidativem Stress und chronischer Entzündung vorübergehend eine Supplementierung von bis zu 200 µg sinnvoll sein

5-Punkte-Leitfaden für Kardiologen

1. Berücksichtigen: Subklinische Entzündungen bei Risikopatienten

2. Labor prüfen: hs-CRP, IL-6, ggf. TNF-α, Homocystein, Ferritin, Fibrinogen; Ergebnisse im klinischen Kontext bewerten

3. Biofaktorenstatus kontrollieren: Vitamin D, Magnesium, antioxidative Vitamine, Zink und Selen; Mangel ausgleichen

4. Lebensstil prüfen: Ernährung, Bewegung, Gewicht, Stress

5. Compliance fördern: Regelmäßige Kontrolle und individuelle Strategie zur Risikoreduktion

Fazit für die kardiologische Praxis

Silent Inflammation gilt als Risikofaktor für die Entstehung und Progression kardiovaskulärer Erkrankungen. Chronisch-niedriggradige Entzündungen fördern oxidativen Stress, beeinträchtigen die Endothelfunktion und begünstigen atherosklerotische Veränderungen – häufig lange, bevor klinische Symptome auftreten.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Neben der Kontrolle von Blutdruck, Lipiden und Glukosestoffwechsel kann es sinnvoll sein, auch entzündliche Prozesse zu berücksichtigen
  • Hierfür eignen sich Laboruntersuchungen wie hs-CRP oder IL-6
  • Darüber hinaus spielen essenzielle Biofaktoren eine Rolle bei der Regulation entzündlicher und oxidativer Prozesse

Vitamin D, Magnesium sowie antioxidativ wirksame Vitamine wie den Vitaminen C, E und β-Carotin, Zink und Selen sind bei Risikopatienten nicht selten defizitär und können die entzündliche Aktivität begünstigen.

Praktische Empfehlung

Für die Praxis bedeutet das: Bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko, Vorerkrankungen wie Adipositas, chronischem Stress oder persistierend erhöhten Entzündungswerten kann es sinnvoll sein, neben Lebensstilmaßnahmen auch den Versorgungsstatus ausgewählter Biofaktoren zu berücksichtigen. Eine gezielte Supplementierung kann dazu beitragen, Prozesse des oxidativen Stress zu reduzieren – als unterstützende Maßnahme innerhalb des kardiovaskulären Gesamtkonzepts.

Zusammenfassung

Chronische, häufig klinisch stumme Entzündungsprozesse – bekannt als Silent Inflammation – können ernsthafte gesundheitliche Folgen haben und bleiben im Praxisalltag dennoch oft unerkannt. Zunehmend werden sie als Risikofaktor für Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen. Präventiv kann neben einem herzgesunden Lebensstil auch eine gezielte Versorgung mit essenziellen Biofaktoren wie Vitamin D, Magnesium und Mineralstoffen dazu beitragen, entzündliche Prozesse zu modulieren und das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen zu reduzieren.

Schlüsselwörter: Biofaktoren – Herzerkrankungen – Silent Inflammation

Autorin: Dr. rer. nat. Daniela Birkelbach

https://www.gf-biofaktoren.de

Der Artikel ist in herzmedizin 02/2026 erschienen.

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