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Therapie der Herzinsuffizienz mit invasiver und nicht-invasiver Telekardiologie

Medizinische Illustration des menschlichen Herz-Lunge-Systems mit hervorgehobenem Herz und Lunge

Quelle: © Crystal light – Adobe Stock

Therapie der Herzinsuffizienz mit invasiver und nicht-invasiver Telekardiologie

Fachartikel

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

mgo medizin Redaktion

Verlag

5 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Telekardiologie etabliert sich als fester Bestandteil der Herzinsuffizienztherapie: Moderne invasive und nicht-invasive Telemonitoring-Programme verbessern Lebensqualität, senken Hospitalisierungsraten und eröffnen mit Innovationen wie Künstlicher Intelligenz und Stimmbiomarkern neue Wege zur digitalen Betreuung.

Telemonitoring: nicht-invasiv versus invasiv

Telemonitoringprogramme bei Herzinsuffizienz lassen sich in invasive und nicht-invasive Verfahren unterscheiden. Invasives Monitoring umfasst implantierbare hämodynamische Sensoren zur direkten Erfassung zentraler Kreislaufparameter sowie aktive kardiale Implantate wie Herzschrittmacher, implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) und Systeme zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) [1–4]. Beim nicht-invasiven Telemonitoring senden die Patienten täglich Gewicht, Blutdruck, Herzfrequenz und Rhythmusdaten über externe Geräte oder Apps an eine Telemedizinzentrale [5–7]. Die Messgeräte sind zumeist Waage, Blutdruckmessgerät, tragbares EKG und Smartphone und übertragen die Daten über sichere Kanäle. Die Patienten erhalten eine Schulung im Umgang mit den Geräten; das Telemedizinzentrum (TMZ) wertet die eingehenden Daten aus und greift bei Auffälligkeiten ein. Im Fokus dieses Beitrags steht das invasive Monitoring mittels des pulmonal-arteriellen Druckssensors und das nicht-invasive Monitoring.

Invasive Telekardiologie mittels hämodynamischer Sensoren

Für das invasive Telemonitoring stehen mittlerweile verschiedene hämodynamische Ansätze zur Verfügung. Hierzu zählen implantierbare Sensoren zur kontinuierlichen Messung des pulmonal-arteriellen Drucks (PAP) [1–3], des linksatrialen Drucks [8] sowie Systeme zur Erfassung von Volumenstatus und Stauung über die Vena cava inferior [9]. Im klinischen Alltag ist derzeit insbesondere das pulmonal-arterielle Druckmonitoring von Bedeutung, auf das im Folgenden der Fokus liegt.

Die CHAMPION-HF-Studie belegte im Jahr 2011 erstmals die Wirksamkeit dieses Ansatzes: Bei Patienten mit NYHA III und vorangegangener Herzinsuffizienz-Hospitalisierung konnte das PAP-gesteuerte Management die Herzinsuffizienzbedingten Klinikeinweisungen um 37 % reduzieren [1]. In der größeren GUIDE-HF-Studie, die ein breiteres Patientenkollektiv einschloss, blieb der primäre Endpunkt aufgrund COVID-19-Pandemie-bedingter Veränderungen im Versorgungsalltag formal neutral; präpandemische Analysen zeigten jedoch konsistent reduzierte klinische Ereignisse unter invasivem Monitoring [2]. Beide Studien liefen vornehmlich in den USA.

Mit der niederländischen MONITORHF-Studie liegen mittlerweile randomisierte europäische Daten unter alltagsnahen Bedingungen vor. DieStudie zeigte 2023 sowohl eine deutliche Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (primärer Endpunkt) als auch eine Reduktion Herzinsuffizienz-bedingter Hospitalisierungen um rund 44 % im Vergleich zur Standardbehandlung [10]. Ergänzend demonstrieren Real-World-Daten aus Registern wie MEMS-HF, dass die in randomisierten
Studien beobachteten Vorteile – insbesondere die Abnahme von Klinikeinweisungen und die Verbesserung klinischer Parameter – in der Routineversorgung reproduziert werden können [11]. Metaanalysen der randomisierten Evidenz bestätigen insgesamt eine signifikante Senkung HI-bedingter Hospitalisierungen und geben Hinweise auf längerfristige Mortalitätsvorteile [12, 13].

Für die Versorgung in Deutschland hat die vom G-BA beauftragte PASSPORT-HF-Studie eine besondere Bedeutung [3]. In dieser prospektiven, randomisierten Multizenterstudie wird das pulmonal-arterielle Druckmonitoring in Deutschland untersucht. Die Rekrutierung ist abgeschlossen. Die Ergebnisse werden im ersten Halbjahr 2027 erwartet und werden entscheidend dafür sein, ob diese Form des hämodynamischen Telemonitorings künftig Eingang in die Regelversorgung in Deutschland findet.

Nicht-invasive Telekardiologie

Die wissenschaftliche Grundlage für telemedizinische Interventionen bei Herzinsuffizienz wurde maßgeblich durch deutsche Studien geprägt [14]. Die frühen randomisiertem Studien TIM-HF oder INH (aus den Jahren 2011 und 2012) waren zwar hinsichtlich ihres primären Studienendpunkts jeweils neutral, belegten aber die Machbarkeit und Sicherheit einer strukturierten telemedizinischen Betreuung [6, 15]. Überdies lieferten sie wichtige Erkenntnisse zur Ausgestaltung telemedizinisch-unterstützter Versorgungspfade. Die multizentrische TIM-HF2-Studie brachte im Jahr 2018 den entscheidenden Durchbruch [5]: 1.571 Patienten mit NYHA Klasse II–III und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz in den letzten 12 Monaten wurden randomisiert entweder zu einer umfassenden telemedizinischen Versorgung plus Standardtherapie oder zur Standardtherapie allein. Herzstück des Interventionsarms war ein rund um die Uhr erreichbares TMZ. Im Vergleich zur Standardversorgung zeigte sich eine signifikante Reduktion des primären Endpunkts, bestehend aus Gesamtmortalität und kardiovaskulärer Hospitalisierung. Der prozentuale Anteil der Tage, die durch unvorhergesehene kardiovaskuläre Hospitalisierungen oder Tod verloren gingen, ließ sich durch die telemedizinische Intervention im Vergleich zur Kontrollgruppe um 20 % senken. Die gesundheitsökonomische Evaluation ergab im Interventionsarm trotz zusätzlicher Aufwände für Infrastruktur eine Kostenersparnis von 1.758 Euro pro Patienten und Jahr [16].

Eine 2023 veröffentlichte präspezifizierte Subanalyse der TIM-HF2-Studie konnte zudem zeigen, dass der Nutzen der telemedizinischen Betreuung unabhängig von der linksventrikulären Ejektionsfraktion auftrat [7]. Somit profitierten auch Patienten mit HFmrEF und HFpEF in vergleichbarem Ausmaß wie jene mit HFrEF vom Telemonitoring. Dieser Phänotypen-übergreifende Nutzen steht im deutlichen Gegensatz zum späteren G-BA-Beschluss, der die Regelversorgung ausschließlich für Patienten mit HFrEF öffnete und damit rund die Hälfte der Betroffenen – insbesondere HFmrEF- und HFpEF-Patienten – von der erstatteten telemedizinischen Betreuung ausschließt. Bemerkenswert und positiv hervorzuheben ist jedoch, dass der G-BA mit seiner Entscheidung über die bislang zurückhaltenden Empfehlungen der Europäischen Leitlinien hinausgeht. Diese ordnen telemedizinische Betreuung lediglich mit der Empfehlungsstärke Klasse IIb/B ein, was sie zu einer Option macht, die in ausgewählten Patientengruppen erwogen werden kann [17, 18].

Im internationalen Kontext waren die Ergebnisse telemedizinischer Programme anfangs ebenfalls lange heterogen. Die US-amerikanische Tele-HF-Studie (2010) [19] sowie die BEAT-HF-Studie (2016) [20] konnten beispielsweise keine positiven Effekte auf Mortalität oder Hospitalisierungen nachweisen. Beiden Programmen fehlte jedoch die enge Verzahnung zwischen Telemonitoring und klinischer Entscheidungsfindung: Daten wurden zwar gesammelt, aber nicht systematisch in eine 24/7 verfügbare Versorgungsstruktur integriert, wie es in TIMHF2 der Fall war. Dies unterstreicht, dass nicht die Technologie allein,
sondern vor allem die organisatorische Einbettung über den Erfolg entscheidet.

Zur Beurteilung der Gesamtevidenz wurden zahlreiche randomisierte Studien in Reviews und Metaanalysen zusammengeführt, die mittlerweile ein klares Bild zum Nutzen telemedizinischer Betreuung zeichnen [21]. Die Metaanalyse von Scholte et al. aus dem Jahr 2023 betrachtete 92 Studien (65 mit nicht-invasivem und 27 mit invasivem Ansatz) mit 36.549 Patienten [22]: Telemonitoring reduzierte im Vergleich zur Standardversorgung die Gesamtmortalität um 16 %, die erste Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz um 19 % und die Gesamtzahl der Hospitalisierungen um 15 %. Eine neuere Zusammenfassung
von 2024 bestätigte diese Vorteile [23].

Autoren: Dr. med. Fabian Kerwagen, Prof. Dr. med. Stefan Störk

Korrespondenzadresse:

Medizinische Klinik und Poliklinik I
Abt. Klinische Forschung und Epidemiologie am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz
Universitätsklinikum Würzburg
Am Schwarzenberg 15 | Haus A15
97078 Würzburg
E-Mail: stoerk_s@ukw.de

Der vollständige Artikel ist in herzmedizin 7/2025 erschienen.

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