Neue Daten der offenen Verlängerungsstudie ALITHIOS bestätigen das konsistente Sicherheitsprofil des vollhumanen Anti-CD20-Antikörpers Ofatumumaba über den Beobachtungszeitraum von bis zu acht Jahren – sowohl bei kürzlich diagnostiziertenb, therapienaiven Patientinnen und Patienten als auch in der Gesamtpopulation mit aktiver RMS [1]. Daten der AIOLOS-Studie zum Real-World-Einsatzc von Ofatumumab bei therapienaiven RMS-Patientinnen und -Patienten mit nicht-hochaktiverd Erkrankung sprechen für den frühzeitigen Einsatz des Anti-CD20-Antikörpers [2].
Ofatumumab wird einmal monatliche durch die Patientinnen und Patienten selbstf, g subkutan appliziert [3]. In der offenen Verlängerungsstudie ALITHIOS führte die hocheffektive Therapie (high-efficacy therapy; HETh) mit Ofatumumab zu einer nachhaltigen Reduktion der Krankheitsaktivität über den Beobachtungszeitraum von bis zu sieben Jahren – sowohl in der Subgruppe der kürzlich diagnostiziertenb, therapienaiven RMS-Patientinnen und -Patienten als auch in der Gesamtpopulation [4, 5].
8-Jahres-Daten: IgG-Antikörper im Normbereich stabil
Neue Ergebnisse der offenen Verlängerungsstudie ALITHIOS zur Sicherheit der Ofatumumab-Therapie liegen für den Beobachtungszeitraum von bis zu acht Jahren vor [1]. In der Gesamtpopulation (n = 2531) war das Sicherheitsprofil von Ofatumumab für den Beobachtungszeitraum von bis zu acht Jahren konsistent mit dem bisher bekannten, ohne neue Sicherheitssignale [1]. Die IgG (Immunglobulin G)-Spiegel blieben bei 96,5 % der Patientinnen und Patienten zu allen Messzeitpunkten stabil im Normbereich. Auch für die Gruppe der kürzlich diagnostiziertenb, therapienaiven Patientinnen und Patienten (n = 546) wurden für den Beobachtungszeitraum von bis zu acht Jahren keine neuen Sicherheitssignale beobachtet. Das Sicherheitsprofil war mit dem bisher bekannten konsistent [1]. Die IgG-Spiegel blieben bei 97,4 % der kürzlich diagnostiziertenb, therapienaiven Patientinnen und Patienten, die kontinuierlich mit Ofatumumab behandelt wurden, über den Beobachtungszeitraum von bis zu acht Jahren im Normbereich stabil (▶ Abb. 1) [1].
Die mittleren Lymphozyten- und Neutrophilenspiegel lagen sowohl in der Gesamtpopulation als auch in der Gruppe der kürzlich diagnostiziertenb, therapienaiven Patientinnen und Patienten bei über 70 % der Patientinnen und Patienten über 8 Jahre dauerhaft stabil im Normbereich [1].
Niedrige Rate schwerer Infektionen
Ergänzend zu stabilen IgG-, Lymphozyten- und Neutrophilenspiegeln wurde eine niedrige Rate schwerer Infektionen (serious infec-
tions; SI) sowohl in der Gesamtpopulation (exposure-adjusted incidence rate; EAIRi: 0,80) als auch in der Gruppe der kürzlich diagnostiziertenb, therapienaiven Patientinnen und Patienten (EAIRi: 0,66) über einen Behandlungszeitraum von bis zu acht Jahren beobachtet. Die expositionsadjustierte Inzidenz schwerer Nebenwirkungen (adverse events; AE), darunter opportunistische Infektionen und maligne Erkrankungen, blieb im Beobachtungszeitraum von bis zu acht Jahren konsistent mit den Zulassungsstudien ASCLEPIOS I und II [1]. Dabei blieb die Inzidenz maligner Erkrankungen von Ofatumumab-Patientinnen und -Patienten langfristig unter der Inzidenz in der allgemeinen MS-Bevölkerung [6].
Damit bestätigen die 8-Jahres-Ergebnisse der offenen Verlängerungsstudie ALITHIOS das langfristig günstige Sicherheitsprofil von Ofatumumab und stützen Ofatumumab als Option für die Erstlinientherapie der aktiven RMS im frühen Stadium des Krankheitsverlaufs [1].
Real-World-Studiec AIOLOS: Ofatumumab als Erstlinientherapie
Daten einer Interimsanalyse der Real-World-Studiec AIOLOS stützen diese Ergebnisse [2]. In der prospektiven, nichtinterventionellen Real-World-Studiec wird die Anwendung der Erstlinientherapie mit Ofatumumab in Deutschland untersucht. An der AIOLOS-Studie nehmen 514 Patientinnen und Patienten aus Deutschland mit aktiver RMS ohne Merkmale für einen hochaktiven Verlaufd teil, die bisher noch keine krankheitsmodifizierende Therapie (disease-modifying therapy; DMT) erhalten hatten. Sie werden entweder mit Ofatumumab oder mit Interferon β/Glatirameracetat (IFNβ/GA) behandelt. Primärer Endpunkt der AIOLOS-Studie ist der Anteil der Patientinnen und Patienten, die nach 24 Monaten ihre Erstlinientherapie fortsetzen [2].
Unter Ofatumumab brachen deutlich weniger Patientinnen und Patienten die Erstlinientherapie ab als unter IFNβ/GA [2]. Nach 24 Monaten führten 96 % der Patientinnen und Patienten unter Ofatumumab verglichen mit 65 % unter IFNβ/GA ihre Therapie fort (▶ Abb. 2) [2].
Gegenüber IFNβ/GA berichteten die Patientinnen und Patienten in der Ofatumumab-Gruppe eine höhere Zufriedenheit mit dem Injektionssystem (gemäß MS Treatment Concerns Questionnaire; MSTCQ). Unter Ofatumumab gaben weniger Patientinnen und Patienten (4,0 %) als unter IFNβ/GA (6,5 %) schwere Nebenwirkungen an. In der Ofatumumab-Kohorte berichteten nur 1,5 % eine Nebenwirkung, die zum Therapieabbruch führte; in der IFNβ/GA-Kohorte waren es hingegen 12,9 %. Die IgG-Spiegel blieben unter Ofatumumab über 24 Monate im Normbereich stabil [2].
Fazit
Die Langzeitdaten der offenen Verlängerungsstudie ALITHIOS belegen die anhaltende Wirksamkeit von Ofatumumab bei Patientinnen und Patienten mit aktiver RMS [4, 5]. Die aktuellen Daten bestätigen zudem das konsistente Sicherheitsprofil über bis zu acht Jahre: Sowohl in der Gesamtpopulation als auch bei den kürzlich diagnostiziertenb, therapienaiven Patientinnen und Patienten zeigten sich im Zeitraum über bis zu acht Jahren keine neuen Sicherheitssignale [1]. Die Ergebnisse der Real-World-Studiec AIOLOS bestätigen das konsistent günstige Sicherheitsprofil von Ofatumumab als Erstlinientherapie [2].
Dr. phil. Regine Schricker
Fußnoten:
a Ofatumumab ist zur Behandlung von erwachsenen RMS-Patienten mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung, zugelassen.
b Kürzlich diagnostiziert: Behandlungsbeginn innerhalb von 3 Jahren nach Erstdiagnose
c Ergebnisse aus RWE (Real World Evidence)-basierten Studien haben eine eingeschränkte Aussagekraft.
d In AIOLOS ist ein nicht-hochaktiver Krankheitsverlauf u. a. definiert als: Expanded Disability Status Scale [EDSS] ≤ 2,5 und nicht mehr als 5 Jahre seit den ersten Symptomen, die zur MS-Diagnose führten. Maximal 1 Schub im letzten Jahr und max. 2 Schübe in den letzten 2 Jahren.
e Nach einer erfolgten Initialdosis in den Wochen 0, 1 und 2
f Die Behandlung ist durch einen Arzt oder eine Ärztin mit Erfahrung in der Behandlung neurologischer Erkrankungen einzuleiten.
g Erst nach Schulung durch entsprechend geschultes medizinisches Fachpersonal
h Analog [7] gemäß Wirksamkeitskategorie 3
i expositionsadjustierte Inzidenzraten pro 100 Patientenjahre für schwere Infektionen, ausgenommen COVID-19
Referenzen:
- Pardo G et al. AAN 2026, 18.–22. April, Chicago, USA, Poster P19.006
- Nelles G et al. ACTRIMS Forum 2026, 5.–7. Februar, Poster P426
- Fachinformation Kesimpta®
- Bittner S et al. ECTRIMS 2025, 24.–26. September, Barcelona, Spanien, Poster #P805
- Hauser S et al. ECTRIMS 2025, 24.–26. September, Barcelona, Spanien, Poster #P804
- Nørgaard M et al. Mult Scler Relat Disord 2019; 28: 81–5
- Hemmer B et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen, S2k-Leitlinie, 2024, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.
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