Onkologie » Gastrointestinale Tumoren » Darmkrebs

»

Therapierefraktäres kolorektales Karzinom: Neuer VEGFR-Inhibitor Fruquintinib verlängert signifikant das Überleben

3D-Illustration des menschlichen Dickdarms mit bunt hervorgehobenem Tumor.

Therapierefraktäres kolorektales Karzinom: Neuer VEGFR-Inhibitor Fruquintinib verlängert signifikant das Überleben

News

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Darmkrebs

2 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Für Patienten mit refraktärem metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) sind die zur Verfügung stehenden wirksamen Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. In dieser Therapiesituation ist Fruquintinib (F), ein hochselektiver, oral zu verabreichender Tyrosinkinase-Inhibitor der Vascular Endothelial Growth Factor-Rezeptoren (VEGFR) -1, -2 und -3, eine vielversprechende Substanz.

Das zeigen die Ergebnisse der prospektiven, doppelblinden und placebokontrollierten Phase-III-Studie FRESCO-2, die in den USA, Europa, Japan und Australien durchgeführt wurde. Die 691 Teilnehmenden (darunter n = 19 aus Deutschland), die im Median bereits mit fünf Therapien vorbehandelt waren, erhielten nach einer 2:1-Randomisierung entweder Fruquintinib (5 mg/Tag jeweils 3 Wochen lang pro 4-Wochen-Zyklus) oder Placebo. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS), die wichtigsten sekundären Endpunkte umfassten das progressionsfreie Überleben (PFS), Gesamtansprechrate (ORR), Krankheitskontrollrate (DCR) und die Sicherheit. Die vorliegende finale Analyse wurde nach 480 OS-Ereignissen durchgeführt.

Nach einer medianen Nachbeobachtungzeit von elf Monaten wurden das OS unter dem neuen Angiogenese-Inhibitor signifikant von im Median 4,8 Monate (Placebo) auf 7,4 Monate verlängert und das Mortalitätsrisiko dadurch um etwa ein Drittel reduziert (Hazard ratio [HR] 0,66 [95%-Konfidenzintervall [KI] 0,55–0,80]; p < 0,001). Die Medianwerte für das PFS verdoppelten sich von 1,8 auf 3,7 Monate (HR 0,32; 95%-KI 0,27–0,39; p < 0,001) Sowohl beim OS als auch beim PFS war der Nutzen über alle Subgruppen hinweg zu sehen. Folgetherapien sind bislang bei 29,4 % der Patienten im experimentellen und bei 34,3 % im Placeboarm gegeben worden. Die Ansprechrate war mit 1,5 % beziehungsweise 0 % in beiden Armen niedrig, aber die Krankheitskontrollrate konnte durch Fruquintinib mit 55,5 % vs. 16,1 % mehr als verdreifacht werden.

Die Therapie erwies sich dabei als gut verträglich: Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher traten unter Fruquintinib bei 62,7 %, unter Placebo bei 50,4 % der Studienteilnehmenden auf, am häufigsten waren es eine arterielle Hypertonie (13,6 % vs. 0,9 %), Asthenie (7,7 % vs. 3,9 %) und das Hand-Fuß-Syndrom (6,4 % vs. 0 %).

Nach Ansicht der Autoren bestätigen diese Ergebnisse der FRESCO-2-Studie  diejenigen der rein chinesischen Vorgängerstudie FRESCO mit einer signifikanten und klinisch bedeutsamen Verbesserung der Überlebenszeit bei diesen intensiv vorbehandelten Patienten. Sie lassen hoffen, dass sich damit in absehbarer Zeit das Behandlungskontinuum bei refraktärem mCRC erweitern lässt.

Dr. Katrina Recker

Quelle: Arnold D et al. V40: „FRESCO-2: Eine globale, randomisierte, Placebo-kontrollierte, multiregionale klinische Phase-3-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von oralem Fruquintinib bei Patienten mit refraktärem metastasiertem Kolorektalkarzinom“ im Rahmen der DGHO-Jahrestagung 2023 am 13.10.23

Bilderquelle: © Anatomy Insider, stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D‑Darstellung einer violetten Zelle mit Bläschenstruktur im Hintergrund weiterer Zellen

Neue Schwachstelle in aggressivem Blutkrebs entdeckt

News

Kölner Forschende haben gezeigt, dass das Protein cFLIP Lymphomzellen vor dem Zelltod schützt. Wird es gezielt ausgeschaltet, könnten selbst therapieresistente DLBCL-Formen behandelbar werden.

Onkologie

Hämatoonkologie

Lymphome

Beitrag lesen
Digitale medizinische Darstellung einer Blase – Urologie und Blasengesundheit

Intensivierte Erstlinien-Erhaltung beim mUC im Kontext neuer Therapiesequenzen

Fachartikel

Die Therapielandschaft beim fortgeschrittenen Urothelkarzinom befindet sich im Wandel. Mit zunehmender Etablierung von ADC-Immuntherapie-Kombinationen in der Erstlinie stellt sich die Frage nach der Rolle und Ausgestaltung der Erhaltungstherapie neu.

Onkologie

Urogenitale Tumoren

Urothel- und Blasenkarzinom

Beitrag lesen
Kind mit Brille in heller Umgebung blickt in die Kamera

Wie myeloische Leukämie bei Kindern mit Down-Syndrom entsteht

News

Kinder mit Down-Syndrom haben ein 150-fach erhöhtes Risiko, an myeloischer Leukämie zu erkranken. Ein internationales Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt, des Wellcome Sanger Institute und des Great Ormond Street Hospital hat nun erstmals die molekularen Schritte der Krebsentstehung nachgezeichnet, und mit dem Protein GATA1 einen vielversprechenden Ansatzpunkt für künftige Therapien identifiziert.

Onkologie

Hämatoonkologie

Leukämien und MDS

Beitrag lesen