Auswirkungen auf das Mikrobiom und die spätere Gesundheit
Antibiotika sind in der Pädiatrie unverzichtbar und oft lebensrettend, beeinflussen jedoch die Zusammensetzung und Funktion des sich entwickelnden frühkindlichen Mikrobioms. Expositionen in Schwangerschaft, Geburt und früher Kindheit fallen in ein sensibles Zeitfenster der mikrobiellen und immunologischen Prägung. Beobachtungsstudien zeigen konsistente Assoziationen mit späteren chronischen Erkrankungen. Dieser Artikel fasst die Evidenz zusammen, diskutiert mögliche Mechanismen und leitet praxisrelevante Konsequenzen für einen rationalen Antibiotikaeinsatz in der Pädiatrie ab.
Zusammenfassung
Antibiotika retten Leben, insbesondere in der Pädiatrie. Gleichzeitig stellen sie einen relevanten exogenen Einfluss auf das sich entwickelnde frühkindliche Mikrobiom dar. Expositionen in Schwangerschaft, Geburt und den ersten Lebensjahren fallen in ein sensibles Zeitfenster mikrobieller und immunologischer Prägung. Antibiotika reduzieren häufig Diversität, verschieben mikrobielle Funktionen und können das Resistom nachhaltig verändern. Beobachtungsstudien zeigen konsistente Assoziationen früher Antibiotikaexpositionen mit späteren erhöhten Risiken für allergische Erkrankungen, Asthma, Adipositas und weitere Endpunkte, wobei Kausalität nicht gesichert ist und Confounding eine Rolle spielt. Ausgewählte Probiotika können bei definierten Indikationen (v. a. antibiotikaassoziierte Diarrhö) hilfreich sein, kompensieren jedoch keine langfristigen Effekte. Entscheidend bleibt ein rationaler Antibiotikaeinsatz: klare Indikation, schmalspektrige Wahl, kürzestnotwendige Dauer, Reevaluation und konsequente Prävention (insbesondere Impfungen).
Autorin: P. Zimmermann (Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin, Universität Luzern; Abteilung für Pädiatrie, Kinderklinik Zentralschweiz, Luzern)
Der Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in pädiatrische praxis 2026; 104 (2): 176–184.
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