Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich oft schleichend und zeigt bei Männern und Frauen teilweise unterschiedliche Symptome. Während allgemeine Anzeichen wie Müdigkeit und Gewichtszunahme beide Geschlechter betreffen, gibt es geschlechtsspezifische Beschwerden, die häufig übersehen werden. Bei Frauen stehen Zyklusstörungen und Fruchtbarkeitsprobleme im Vordergrund, bei Männern können Potenzprobleme und vermindertes sexuelles Verlangen auftreten. Die gute Nachricht: Mit einer rechtzeitigen Diagnose und der richtigen Behandlung lassen sich die Beschwerden in der Regel vollständig beheben.
Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion, medizinisch Hypothyreose genannt, produziert die schmetterlingsförmige Drüse am Hals zu wenig Hormone. Diese Hormone beeinflussen nahezu alle Stoffwechselvorgänge im Körper. Frauen sind etwa fünf- bis zehnmal häufiger betroffen als Männer. Typische allgemeine Symptome sind anhaltende Müdigkeit, unerklärliche Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit. Frauen leiden zusätzlich oft unter Zyklusstörungen, verstärkten Regelblutungen und Fruchtbarkeitsproblemen. Männer bemerken häufig eine verminderte Libido, Erektionsprobleme und eingeschränkte Fruchtbarkeit. Die Diagnose erfolgt durch eine einfache Blutuntersuchung. Die Behandlung besteht meist in der täglichen Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform.
Warum geschlechtsspezifische Symptome wichtig sind
Viele Menschen leben jahrelang mit einer unerkannten Schilddrüsenunterfunktion, weil sie die Symptome nicht richtig einordnen können. Frauen schieben Zyklusstörungen oder den unerfüllten Kinderwunsch auf Stress oder das Alter. Männer sprechen Potenzprobleme oder nachlassende Libido ungern an und vermuten die Ursache oft woanders. Dabei sind gerade diese geschlechtsspezifischen Beschwerden wichtige Hinweise auf eine mögliche Schilddrüsenunterfunktion.
Das beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität erheblich, sondern kann auch gesundheitliche Folgen haben. Eine unbehandelte Unterfunktion belastet auf Dauer das Herz-Kreislauf-System und kann den Cholesterinspiegel ungünstig beeinflussen. Gerade weil die Symptome so vielfältig sind und sich langsam entwickeln, ist es wichtig, die geschlechtsspezifischen Anzeichen zu kennen und ernst zu nehmen.
Die Schilddrüse verstehen: Kleine Drüse mit großer Wirkung
Die Schilddrüse ist eine kleine, etwa walnussgroße Drüse, die unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre liegt. Trotz ihrer geringen Größe hat sie eine zentrale Bedeutung für unseren Körper. Sie produziert die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin), die unseren Energiestoffwechsel, die Körpertemperatur, den Herzschlag, die Verdauung und viele weitere Körperfunktionen steuern.
Gesteuert wird die Schilddrüse von der Hirnanhangdrüse durch das Hormon TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Funktioniert die Schilddrüse nicht richtig und produziert zu wenig Hormone, versucht die Hirnanhangdrüse dies durch eine erhöhte TSH-Ausschüttung auszugleichen. Ein erhöhter TSH-Wert im Blut ist daher oft das erste Anzeichen einer beginnenden Schilddrüsenunterfunktion, noch bevor Symptome auftreten.
Allgemeine Symptome bei beiden Geschlechtern
Bevor wir auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede eingehen, gibt es eine Reihe von Symptomen, die sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen betreffen:
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung: Selbst nach ausreichend Schlaf fühlen Sie sich matt und antriebslos
- Unerklärliche Gewichtszunahme: Trotz unveränderter Ernährung nehmen Sie zu, weil der Stoffwechsel langsamer arbeitet
- Kälteempfindlichkeit: Sie frieren schneller als andere Menschen, auch bei normalen Temperaturen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme: Das Denken fällt schwerer, Sie vergessen häufiger Dinge
- Depressive Verstimmungen: Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebslosigkeit können auftreten
- Verstopfung: Die Verdauung arbeitet träge und verlangsamt
- Verlangsamter Herzschlag: Der Puls liegt dauerhaft unter 60 Schlägen pro Minute
- Trockene, raue Haut: Die Haut wird schuppig und verliert ihre Elastizität
- Brüchige Haare und Haarausfall: Die Haare verlieren ihren Glanz und fallen vermehrt aus
- Heisere Stimme: Durch Schwellungen im Kehlkopfbereich kann die Stimme tiefer klingen
- Muskel- und Gelenkschmerzen: Unklare Schmerzen ohne erkennbare Ursache
- Geschwollenes Gesicht: Besonders morgens können Wassereinlagerungen im Gesicht auftreten
Diese Symptome entwickeln sich meist schleichend über Monate oder sogar Jahre, weshalb sie anfangs oft gar nicht bemerkt oder anderen Ursachen zugeschrieben werden.
Schilddrüsenunterfunktion: Spezifische Symptome bei Frauen
Frauen sind deutlich häufiger von Schilddrüsenunterfunktionen betroffen als Männer. Die weiblichen Hormone stehen in enger Wechselwirkung mit den Schilddrüsenhormonen, weshalb sich eine Unterfunktion besonders auf den weiblichen Zyklus und die Fruchtbarkeit auswirkt.
Typische Frauensymptome im Überblick
- Zyklusstörungen: Unregelmäßige Menstruationszyklen, die deutlich länger oder kürzer als gewohnt sind
- Verstärkte Regelblutungen: Die Periode kann stärker und länger dauern (Hypermenorrhö)
- Ausbleibende Periode: In schweren Fällen kann die Menstruation ganz ausbleiben (Amenorrhö)
- Prämenstruelles Syndrom (PMS): Verstärkte Beschwerden vor der Regelblutung
- Fruchtbarkeitsprobleme: Schwierigkeiten, schwanger zu werden, da der Eisprung beeinträchtigt sein kann
- Fehlgeburtsrisiko: Erhöhtes Risiko für Fehlgeburten im ersten Schwangerschaftsdrittel
- Probleme in den Wechseljahren: Verstärkte Wechseljahresbeschwerden können auftreten
- Verminderte Libido: Deutlich verringertes sexuelles Verlangen
Besonderheiten in verschiedenen Lebensphasen
Während der fruchtbaren Jahre: Viele Frauen bemerken zunächst nur, dass ihr Zyklus unregelmäßig wird oder die Periode stärker ausfällt. Wenn sich trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft einstellt, sollte auch an die Schilddrüse gedacht werden. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen den Eisprung und die Einnistung der befruchteten Eizelle.
Während der Schwangerschaft: Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen steigt in der Schwangerschaft um etwa 30 bis 50 Prozent. Eine unbehandelte Unterfunktion kann die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen, insbesondere die Gehirnentwicklung. Schwangere mit bekannter Hypothyreose benötigen daher meist eine höhere Medikamentendosis und engmaschigere Kontrollen.
In den Wechseljahren: Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion ähneln oft den typischen Wechseljahresbeschwerden wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme oder Gedächtnisprobleme. Deshalb wird eine Schilddrüsenunterfunktion in dieser Lebensphase besonders häufig übersehen. Eine Blutuntersuchung schafft Klarheit.
Schilddrüsenunterfunktion: Spezifische Symptome bei Männern
Obwohl Männer seltener betroffen sind, bleiben Schilddrüsenunterfunktionen bei ihnen oft länger unerkannt. Die Symptome werden häufig auf Stress, Überarbeitung oder das Älterwerden geschoben. Dabei gibt es typische männerspezifische Anzeichen, die ernst genommen werden sollten.
Typische Männersymptome im Überblick
- Verminderte Libido: Deutlich verringertes sexuelles Verlangen und Interesse
- Erektionsprobleme: Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten (erektile Dysfunktion)
- Eingeschränkte Fruchtbarkeit: Verminderte Spermienqualität und –anzahl
- Reduzierte Muskelkraft: Muskelschwäche trotz Training
- Vermehrtes Schwitzen: Auch ohne körperliche Anstrengung
- Gynäkomastie: In seltenen Fällen Vergrößerung der Brustdrüsen
- Verminderter Bartwuchs: Langsameres Wachstum der Gesichtsbehaarung
Auswirkungen auf die Männergesundheit
Sexualfunktion und Libido: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann bei Männern zu einem Abfall des Testosteronspiegels führen. Dies äußert sich in vermindertem sexuellem Verlangen und Erektionsproblemen. Studien zeigen, dass Erektionsstörungen bei Männern mit Hypothyreose häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung. Die gute Nachricht: Nach erfolgreicher Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion normalisiert sich die Sexualfunktion in den meisten Fällen wieder vollständig.
Fruchtbarkeit: Der Mangel an Schilddrüsenhormonen beeinträchtigt die Spermienproduktion. Die Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien können vermindert sein. Bleibt ein Kinderwunsch unerfüllt, sollte auch beim Mann die Schilddrüsenfunktion überprüft werden.
Körperliche Leistungsfähigkeit: Männer berichten häufig von nachlassender Muskelkraft und schnellerer Erschöpfung beim Sport. Der verlangsamte Stoffwechsel führt dazu, dass Muskeln schneller ermüden und sich langsamer erholen.
Geschlechtsspezifische Symptome im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf einen Blick:
| Symptombereich | Symptome bei Frauen | Symptome bei Männern |
| Hormonhaushalt | Zyklusstörungen, unregelmäßige oder verstärkte Periode | Testosteronmangel, verminderter Bartwuchs |
| Sexualität | Verminderte Libido, Scheidentrockenheit | Verminderte Libido, Erektionsprobleme |
| Fruchtbarkeit | Probleme schwanger zu werden, gestörter Eisprung, erhöhtes Fehlgeburtsrisiko | Verminderte Spermienqualität und -anzahl |
| Gewicht | Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung | Gewichtszunahme, besonders am Bauch |
| Haut & Haare | Trockene Haut, brüchige Haare, Haarausfall | Trockene Haut, Haarausfall, verminderte Schweißproduktion |
| Muskeln | Muskelschwäche, Gelenkschmerzen | Ausgeprägte Muskelschwäche, Kraftverlust |
| Psyche | Depressive Verstimmungen, Stimmungsschwankungen | Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen |
Die häufigsten Ursachen einer Schilddrüsen-Unterfunktion
Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert:
- Hashimoto-Thyreoiditis: Diese Autoimmunerkrankung ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. Das eigene Immunsystem greift die Schilddrüse an und zerstört nach und nach das Gewebe. Frauen sind etwa fünfmal häufiger betroffen als Männer
- Jodmangel: Jod ist ein wichtiger Baustein der Schilddrüsenhormone. Fehlt es, kann die Drüse nicht ausreichend Hormone herstellen
- Schilddrüsenoperation: Wurde die Schilddrüse teilweise oder vollständig entfernt, kann eine Unterfunktion die Folge sein
- Radiojodtherapie: Nach einer Behandlung mit radioaktivem Jod, etwa bei einer Schilddrüsenüberfunktion, kann sich eine Unterfunktion entwickeln
- Bestimmte Medikamente: Einige Arzneimittel wie Lithium oder Amiodaron können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen
- Angeborene Störungen: Selten ist die Schilddrüse von Geburt an nicht richtig ausgebildet oder funktioniert nicht richtig
Darüber hinaus gibt es seltenere Formen, bei denen nicht die Schilddrüse selbst, sondern die übergeordneten Steuerungszentren im Gehirn betroffen sind. Man spricht dann von einer sekundären oder tertiären Hypothyreose.
Woran erkennt der Arzt eine Schilddrüsenunterfunktion?
Wenn Sie mehrere der genannten Symptome bei sich bemerken, sollten Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt aufsuchen. Im Gespräch wird zunächst nach Ihren Beschwerden gefragt. Anschließend wird die Schilddrüse abgetastet, um festzustellen, ob sie vergrößert ist oder Knoten aufweist.
Die wichtigsten Blutuntersuchungen
TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
- Wichtigster Wert zur Erkennung einer Schilddrüsenunterfunktion
- Normalwert bei Erwachsenen zwischen 18 und 70 Jahren: 0,4 bis 4,0 mU/l
- Bei über 70-Jährigen liegt der obere Normalwert bei etwa 5,0 mU/l
- Bei über 80-Jährigen bei etwa 6,0 mU/l
- Ein erhöhter TSH-Wert deutet auf eine Unterfunktion hin
Freies T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin)
- Diese Werte zeigen die tatsächlich verfügbaren Schilddrüsenhormone im Blut
- Bei einer manifesten Unterfunktion sind diese Werte erniedrigt
- Bei latenter Unterfunktion können sie noch im Normalbereich liegen
Antikörper-Bestimmung
- Anti-TPO (Antikörper gegen Thyreoperoxidase)
- Anti-Tg (Antikörper gegen Thyreoglobulin)
- Erhöhte Werte deuten auf eine Hashimoto-Thyreoiditis hin
Weitere Untersuchungsmethoden
Zusätzlich zur Blutuntersuchung kann eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durchgeführt werden. Sie zeigt:
- Die Größe und Struktur der Schilddrüse
- Eventuell vorhandene Knoten
- Typische Entzündungszeichen bei Hashimoto
- Durchblutungsmuster des Organs
So wird eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt
Die Standardtherapie einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Einnahme von Schilddrüsenhormon-Tabletten. Der Wirkstoff heißt Levothyroxin oder L-Thyroxin und ersetzt das fehlende körpereigene Hormon. Diese Behandlung ist in den allermeisten Fällen sehr wirksam und gut verträglich.
Behandlungsablauf Schritt für Schritt
1. Beginn der Therapie
- Start mit einer niedrigen Dosis (meist 25-50 Mikrogramm täglich)
- Bei jüngeren, ansonsten gesunden Menschen kann auch mit höherer Dosis begonnen werden
- Bei Herzerkrankungen oder älteren Menschen besonders vorsichtige Dosissteigerung
2. Einnahmeempfehlungen
- Morgens auf nüchternen Magen einnehmen
- 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück
- Mit einem Glas Wasser schlucken
- Abstand zu anderen Medikamenten einhalten (mindestens 2-4 Stunden)
3. Dosisanpassung
- Erste Blutkontrollen nach 4 bis 6 Wochen
- Schrittweise Steigerung bis zur optimalen Dosis
- Ziel: TSH-Wert im unteren Normalbereich
4. Langzeitbetreuung
- Nach erfolgreicher Einstellung jährliche Kontrolluntersuchungen
- Bei Schwangerschaft engmaschigere Kontrollen
- Bei Änderung der Lebensumstände (z.B. Wechseljahre) eventuell Dosisanpassung nötig
Besonderheiten bei Frauen und Männern
Bei Frauen steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen während der Schwangerschaft um 30 bis 50 Prozent. Auch bei Einnahme der Anti-Baby-Pille oder einer Hormonersatztherapie kann der Bedarf leicht erhöht sein. Nach der Geburt wird die Dosis meist wieder auf den ursprünglichen Wert reduziert.
Bei Männern ist die Behandlung grundsätzlich identisch. Nach erfolgreicher Einstellung verbessern sich Potenz und Libido meist deutlich, und auch die Spermienqualität kann sich normalisieren.
Praktische Tipps für den Alltag mit Schilddrüsenunterfunktion
Mit einigen Verhaltensweisen können Sie Ihre Schilddrüse unterstützen und dazu beitragen, dass die Therapie optimal wirkt. Nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig ein, täglich zur gleichen Zeit und am besten direkt nach dem Aufstehen. Achten Sie auf ausreichenden Abstand zu bestimmten Lebensmitteln: Kaffee, Milchprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel können die Aufnahme beeinträchtigen, daher sollten Sie mindestens 30 Minuten Abstand zur Tabletteneinnahme einhalten.
Vorsicht ist auch bei Nahrungsergänzungsmitteln geboten. Eisen, Kalzium, Magnesium und Vitamin D können die Wirkung beeinflussen, halten Sie hier mindestens zwei bis vier Stunden Abstand ein. Stellen Sie eine ausreichende Jodzufuhr sicher, indem Sie jodiertes Speisesalz verwenden und ein- bis zweimal wöchentlich Seefisch essen. Regelmäßige Bewegung hilft gegen Müdigkeit und unterstützt das Gewichtsmanagement. Bauen Sie Stress durch Entspannungsübungen, ausreichend Schlaf und Achtsamkeit ab, das fördert Ihr Wohlbefinden. Nehmen Sie Kontrolltermine wahr, auch wenn Sie sich gut fühlen – regelmäßige Kontrollen sind wichtig.
Kann man einer Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen?
Einer Hashimoto-Thyreoiditis, der häufigsten Ursache, lässt sich nicht vorbeugen, da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Allerdings können Sie durch eine ausreichende Jodversorgung einem Jodmangel vorbeugen.
Gute Jodquellen in der Ernährung
Zu den besten Jodquellen gehören Seefisch wie Kabeljau, Schellfisch, Scholle und Seelachs sowie Meeresfrüchte wie Garnelen und Muscheln. Auch Milch und Milchprodukte, Eier und jodiertes Speisesalz, das Sie täglich verwenden sollten, liefern wertvolles Jod. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Jodzufuhr von 200 Mikrogramm. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf von 230 bis 260 Mikrogramm täglich.
Weitere vorbeugende Maßnahmen
Verzichten Sie aufs Rauchen, denn Rauchen scheint das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen zu erhöhen. Nehmen Sie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr, besonders wenn in Ihrer Familie Schilddrüsenerkrankungen bekannt sind. Achten Sie auf Stressbewältigung, denn chronischer Stress kann das Immunsystem beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt Ihre allgemeine Gesundheit.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
Suchen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt auf, wenn Sie mehrere der genannten Symptome über längere Zeit bei sich bemerken oder trotz ausreichend Schlaf ständig müde und erschöpft sind. Auch eine unerklärliche Gewichtszunahme ohne erkennbaren Grund sollte abgeklärt werden. Als Frau sollten Sie ärztliche Hilfe suchen, wenn Ihre Periode unregelmäßig wird, Sie nicht schwanger werden können oder verstärkte Blutungen haben. Als Mann ist ein Arztbesuch ratsam, wenn Sie unter Potenzproblemen, verminderter Libido oder unerfülltem Kinderwunsch leiden. Weitere Gründe für einen Arztbesuch sind bekannte Schilddrüsenerkrankungen in Ihrer Familie oder wenn Sie nach einer Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie Beschwerden entwickeln.
Bei Schwangeren ist eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion besonders wichtig, da Schilddrüsenhormone für die Entwicklung des Kindes entscheidend sind. Informieren Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt, wenn bei Ihnen eine Schilddrüsenunterfunktion bekannt ist oder Sie entsprechende Symptome bemerken.
Leben mit Schilddrüsenunterfunktion: Ein normaler Alltag ist möglich
Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine chronische Erkrankung, die in den meisten Fällen lebenslang behandelt werden muss. Das klingt zunächst beunruhigend, aber die gute Nachricht ist: Mit der richtigen Einstellung können Sie ein völlig normales Leben führen. Die Hormonersatztherapie ist nebenwirkungsarm, und wenn die Dosierung stimmt, verschwinden die Beschwerden in der Regel vollständig.
Viele Betroffene berichten, dass sie sich nach Beginn der Behandlung wie neugeboren fühlen. Die Müdigkeit verschwindet, die Konzentration verbessert sich, das Gewicht normalisiert sich wieder, und auch die geschlechtsspezifischen Probleme wie Zyklusstörungen oder Potenzprobleme bilden sich zurück. Wichtig ist, dass Sie Geduld mitbringen: Es kann einige Wochen bis Monate dauern, bis die optimale Einstellung gefunden ist und Sie die volle Wirkung spüren.
Ein ermutigender Ausblick
Eine Schilddrüsenunterfunktion ist zwar nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar. Mit einer einfachen täglichen Tabletteneinnahme lassen sich die fehlenden Hormone ersetzen, und die Beschwerden verschwinden in den allermeisten Fällen vollständig. Moderne Diagnostik ermöglicht es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, noch bevor ernsthafte Folgen auftreten.
Wichtig ist vor allem, dass Sie auf Ihren Körper hören und bei anhaltenden Beschwerden nicht zögern, ärztliche Hilfe zu suchen. Scheuen Sie sich nicht, auch geschlechtsspezifische Symptome wie Zyklusstörungen, unerfüllten Kinderwunsch oder Potenzprobleme anzusprechen. Je früher eine Schilddrüsenunterfunktion erkannt wird, desto schneller können Sie sich wieder besser fühlen. Vertrauen Sie darauf, dass mit der richtigen Behandlung ein beschwerdefreies, energiegeladenes Leben möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Verschwinden die geschlechtsspezifischen Symptome nach Beginn der Behandlung?
Ja, in den meisten Fällen normalisieren sich auch die geschlechtsspezifischen Symptome. Bei Frauen reguliert sich der Zyklus meist innerhalb von zwei bis drei Monaten nach Erreichen der optimalen Hormondosis. Die Fruchtbarkeit verbessert sich in der Regel ebenfalls. Bei Männern kehren Libido und Potenz nach erfolgreicher Behandlung zurück, meist innerhalb von vier bis acht Wochen. Auch die Spermienqualität kann sich normalisieren.
Muss ich die Tabletten wirklich jeden Tag nehmen?
Ja, die regelmäßige tägliche Einnahme ist entscheidend. Die Schilddrüsenhormone haben zwar eine relativ lange Wirkdauer, aber um einen gleichmäßigen Spiegel im Blut aufrechtzuerhalten, sollten Sie die Tablette jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen. Wenn Sie einmal eine Dosis vergessen, können Sie sie nachträglich einnehmen, sobald Sie daran denken – es sei denn, es ist fast Zeit für die nächste Dosis.
Kann ich mit Schilddrüsenunterfunktion schwanger werden?
Ja, aber eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion ist wichtig. Eine unbehandelte Unterfunktion kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und während der Schwangerschaft Risiken für Mutter und Kind mit sich bringen. Informieren Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt bei Kinderwunsch über Ihre Schilddrüsenerkrankung. Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen, sodass die Dosis meist erhöht werden muss. Mit guter Einstellung stehen die Chancen für eine gesunde Schwangerschaft sehr gut.
Können Männer mit Schilddrüsenunterfunktion Kinder zeugen?
Ja, nach erfolgreicher Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion normalisiert sich die Spermienqualität in den meisten Fällen. Eine unbehandelte Hypothyreose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, aber mit der richtigen Hormontherapie sollte die Zeugungsfähigkeit wiederhergestellt werden. Wenn trotz guter Schilddrüseneinstellung Fruchtbarkeitsprobleme bestehen bleiben, sollten weitere Untersuchungen erfolgen.
Dieser Artikel ersetzt nicht den Arztbesuch
Die Inhalte stellen keine Therapieempfehlung dar und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder eine endokrinologische Fachpraxis. Nur medizinisches Fachpersonal kann eine individuelle Diagnose stellen und eine auf Sie abgestimmte Behandlung empfehlen.
Apotheken Umschau (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüsenunterfunktion: Symptome und Behandlung. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/schilddruesenunterfunktion-symptome-und-behandlung-734397.html
Apotheken Umschau (Abgerufen am 26. Februar 2026): Hashimoto-Thyreoiditis: Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/autoimmunerkrankungen/hashimoto-thyreoiditis-entzuendete-schilddruese-734181.html
Gesundheitsinformation.de, IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). https://www.gesundheitsinformation.de/schilddruesenunterfunktion-hypothyreose.html
Gesundheitsinformation.de, IQWiG (Abgerufen am 26. Februar 2026): Hashimoto-Thyreoiditis. https://www.gesundheitsinformation.de/hashimoto-thyreoiditis.html
NetDoktor (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). https://www.netdoktor.de/krankheiten/schilddruesenunterfunktion/
NDR Ratgeber Gesundheit (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüsen-Unterfunktion: Ursache, Symptome und Behandlung. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Schilddruesen-Unterfunktion-Ursache-Symptome-und-Behandlung,schilddruese156.html
Helios Gesundheit (Abgerufen am 26. Februar 2026): Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)? https://www.helios-gesundheit.de/magazin/news/03/schilddruesenunterfunktion-symptome-frau/
Deutsches Schilddrüsenzentrum (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/schilddruesenerkrankungen/schilddruesenunterfunktion/
Deutsches Schilddrüsenzentrum (Abgerufen am 26. Februar 2026): Blutuntersuchung der Schilddrüse. https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/schilddruesendiagnostik/blutuntersuchungen/
AOK Gesundheitsmagazin (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüsenunterfunktion: Symptome und Behandlung. https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/organe/schilddruesenunterfunktion-symptome-und-behandlung/
BARMER (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Ursachen, Symptome, Behandlung. https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/wissen/krankheiten-a-z/schilddruesenunterfunktion-1143248
Prof. Dr. Sommer, Männergesundheit (Abgerufen am 26. Februar 2026): Schilddrüse beim Mann: Über- & Unterfunktionen. https://www.maennergesundheit.info/maennergesundheit/stoffwechsel/schilddruese.html
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