Urologie » Sexuelle Funktionsstörungen » Erektile Dysfunktion

»

Angst- und Erektionsstörungen fallen oft zusammen

Angst- und Erektionsstörungen fallen oft zusammen

News

Urologie

Sexuelle Funktionsstörungen

Erektile Dysfunktion

3 MIN

Erschienen in: UroForum

Londoner Forscher widmeten sich in einer großangelegten Metaanalyse dem Zusammenhang von Angst- und Erektionsstörungen (>>zur Publikation).

Die erektiler Dysfunktion (ED) hat einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und das das Wohlbefinden von Patienten. Männer mit ED neigen zu einem geringeren Selbstwertgefühl. Außerdem sind sie mit ihrer Sexualität oft unzufriedener [1]. Die Ursachen für ED sind vielfältig. Psychiatrische Krankheiten wurden bereits mit sexuellen Funktionsstörungen, sowohl bei Männern als auch bei Frauen in Verbindung gebracht. Das kann durch die psychische Störung selbst oder die zur Behandlung eingesetzten Psychopharmaka sein [2].

Trauriger Mann schaut durch Fensterscheibe nachdenklich in die Ferne. Angststörungen sind mit einer erhöhten Häufigkeit von erektiler Dysfunktion assoziiert.
Abb.: Angststörungen sind mit einer erhöhten Häufigkeit von erektiler Dysfunktion assoziiert.

Einschlusskriterien für analysierte Studien

In der Metaanalyse wurden 12 Studien hinsichtlich des Zusammenhangs von ED und verschiedener Angststörungen analysiert. Einschlusskriterien für die ausgewählten Studien waren, dass die Studien an Erwachsenen durchgeführt wurden, die Diagnose der Angststörungen durch einen qualifizierten Psychiater stattfand und ein validiertes Instrument zur Diagnose von ED zum Einsatz kam (z. B. International-Index-of-Erectile-Function oder ICD-10/DSM-IV). Die untersuchten Angststörungen waren posttraumatische Belastungsstörungen, Zwangsstörungen, soziale Phobien/soziale Angststörungen und Panikstörungen.

Erektile Dysfunktion: Risikofaktor Angststörungen

Für Patientenkohorten mit Angststörungen lag die mediane [IQR] Prävalenz von ED bei einem hohen Wert von 20,0 [5,1-41,2] %. Der Median [IQR] des International-Index-of-rectile-Function lag bei 17,62 [13,88-20,88]. Letzteres deutet auf einen leichten bis mittleren Schweregrad. Laut der Autoren zeigen die Ergebnisse eine hohe Prävalenz von ED bei Menschen mit Angststörungen. Außerdem scheint es so zu sein, dass die ED in dieser Population schwerwiegender ist.

Die Autoren schränken allerdings ein, dass die Evidenz aufgrund der hohen Heterogenität zwischen den untersuchten Studien begrenzt ist.

Fazit

Für das Forschungsteam ist der Zusammenhang zwischen Angststörungen und ED ein wichtiges klinisches Thema, dem mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

Solche Forschungsergebnisse sind wichtig für eine systemische Medizin, die den Patienten nicht als eine Ansammlung von Einzelorganen sieht. Es bleibt zu hoffen, dass solche Erkenntnisse Einfluss auf die Patientenkommunikation und -versorgung haben.

Quelle: Velurajah, R., Brunckhorst, O., Waqar, M. et al. Erectile dysfunction in patients with anxiety disorders: a systematic review. Int J Impot Res (2021). (>>zur Publikation)

Literatur:

[1] Latini DM, Penson DF, Colwell HH, Lubeck DP, Mehta SS, Henning JM, et al. Psychological impact of erectile dysfunction: validation of a new health related quality of life measure for patients with erectile dysfunction. J Urol. 2002;168:2086–91.

[2] Montejo AL, Montejo L, Baldwin DS. The impact of severe mental disorders and psychotropic medications on sexual health and its implications for clinical management. World Psychiatry. 2018;17:3–11.

Bildquelle:© marjan4782 – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Dr. Michael Stephan-Odenthal freut sich gemeinsam mit Kongresspräsidentin Dr. Eva Hellmis (M.) und einer Vertreterin der Industrie (l.) über den Richard-Berges-Preis. (Quelle: Franz-Günter Runkel)

Dr. Michael Stephan-Odenthal erhielt den Richard-Berges-Preis 2026

News

Beim 71. NRWGU-Jahreskongress in Essen wurde erstmals der Richard-Berges-Preis verliehen – eine neue Auszeichnung für herausragende ambulant tätige Urologinnen und Urologen. Erster Preisträger ist Dr. Michael Stephan-Odenthal aus Leverkusen, der mit wissenschaftlichem und berufspolitischem Engagement überzeugte. Der Preis erinnert an den 2017 verstorbenen Urologen Dr. Richard Berges.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Fachperson haelt einen Vortrag auf einem Kongress vor großem Publikum

JAKU 2026 – Kinderurologie-Jahrestagung in Mainz begeistert Fachpublikum

Fachartikel

Die JAKU 2026 in Mainz begeisterte rund 280 Fachärzte aus dem DACH-Raum mit einem vielfältigen Programm zu robotischer Chirurgie, Blasenfunktion und Andrologie. Erstmals wurde ein kostenfreier Einsteigerkurs für den Nachwuchs angeboten – mit überwältigendem Zuspruch. Ein Kongressbericht voller Highlights und wegweisender wissenschaftlicher Impulse.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Fachkraft bedient MRT Geraet mit digitaler Darstellung eines Skeletts als Symbol fuer die Prokomb Studie zur Diagnose von Prostatakrebs ohne Biopsie

MRT bei Prostatakrebs: PROKOMB-Studie zeigt sichere Diagnose ohne Biopsie

Fachartikel

Muss nach einem erhöhten PSA-Wert immer eine Biopsie folgen? Die PROKOMB-Studie zeigt: Ein hochwertiges MRT kann aggressiven Prostatakrebs mit 96 %iger Sicherheit ausschließen – und 41 % der Männer blieb eine Biopsie erspart. Dr. Charlie Hamm von der Charité Berlin erklärt die Studienergebnisse und deren Eingang in die aktuelle S3-Leitlinie.

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen