seit Donnerstag verlangen 42 der 93 gesetzlichen Krankenkassen höhere Beiträge von ihren Versicherten. Der GKV-Spitzenverband misst eine Erhöhung des Zusatzbeitrags um 0,23 Prozentpunkte auf 3,36 %, bezogen auf das beitragspflichtige Einkommen. 2024 gaben die Krankenkassen 312 Mrd. Euro aus, im gerade vergangenen Jahr waren es laut Prognosen 347 Mrd. Euro und 2026 wird mit 370 Mrd. Euro GKV-Ausgaben gerechnet. Kann das Gesundheitssystem überhaupt noch gerettet werden?
GKV-Chef Oliver Blatt hört einen Weckruf für alle, die im Gesundheitssystem Verantwortung tragen. „Ich appelliere an die Politik, aus dem Jahr 2026 ein echtes Reformjahr zu machen“, fordert Blatt. Ein heißes Thema im Reformjahr werden die Facharzttermine sein. „Das lange Warten auf einen Facharzttermin muss ein Ende haben“, fordert Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi, der dieses Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz innehat. „Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln – mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen“, erklärte der Minister gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa).
Söder für Karenztage und frühere Krankschreibungspflicht
Da darf Bayern Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht im Reformkonzert fehlen. Mit dem Blick auf steigende Gesundheitskosten beklagte Söder, es werde „zu oft und zu schnell krankgeschrieben in Deutschland“. „Deswegen wäre es wichtig, dass wir im Gesundheitssystem darüber nachdenken, Karenztage wieder einzuführen, also dass die Lohnfortzahlung erst später stattfindet, dass die Krankschreibepflicht früher stattfinden muss, also zum Beispiel ab dem dritten Tag“, sagte der CSU-Chef der „Bild am Sonntag“.

Neben der Termindebatte und dem AU-Thema drehen sich die Sparvorschläge um Kontaktgebühren beim Arztbesuch sowie höheren Medikamentenzuzahlungen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, ist skeptisch. Zwar könne man eine Kontaktgebühr bei Praxisbesuchen erörtern, aber diese Detaildebatte dürfe nicht von der zwingend notwendige großen Strukturreform im Gesundheitswesen ablenken, so Dr, Reinhardt im Deutschlandfunk. „Ich befürchte, dass es davon ablenkt, dass wir Strukturreformen brauchen, im Zugang zum Gesundheitswesen. Eine Kontaktgebühr werde eine gewisse Entlastung bringen, aber bei weitem nicht reichen, um das Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben in Deckung zu bringen, erklärte der BÄK-Präsident.
KBV kann sich drei oder vier Euro Kontaktgebühr vorstellen
Optimistischer zeigt sich der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen. Er kann sich drei oder vier Euro” pro Arztbesuch vorstellen. Gassen plädiert für eine „ Kontaktgebühr”, um die Krankenkassen zu unterstützen. Auch die Krankenhäuser wollen, dass Patienten viel mehr selbst zahlen. „Statt einer Praxisgebühr könnte es künftig als Eigenbeteiligung bei Arztbesuchen eine Kontaktgebühr geben”, erläuterte Dr. Gassen gegenüber „Bild“.

Gute Versorgung, Mutterwitz und gutes Wetter
Im Ärztenachrichtendienst formulierte der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologie (BvDU), Dr. Axel Belusa drei Wünsche für 2026: „Gute Versorgung in einem friedlichen Umfeld mit einer leistungsfähigen Wirtschaft“, „Durchhaltevermögen und (…) Mutterwitz“ sowie „gutes Wetter für eine gute Honigernte“. Zündende Ideen und urologische Aktionen passen wohl nicht in Dr. Belusas Vorstellung von „Nüchternheit und Sachlichkeit“.
Im Rückblick auf 2025 nannte Dr. Belusa zuvor das berufspolitische Konzept eines Primärarztsystems, kombinierte mit einer Termingarantie für Facharzttermine als „Paukenschlag (…) aus der Verhandlungsgruppe Gesundheit der Regierungskoalition. „Alles wirkte grotesk aus der Luft gegriffen“, unterstrich Belusa im ÄND-Interview. Im Koalitionsvertrag werde ein virtuelles Ziel ohne die leiseste Ahnung einer Umsetzung präsentiert. „Das Primärarztsystem war ein politisches Schlagwort, das Volk (den großen Lümmel) zu beruhigen und das Wintermärchen vom 24/7- Leistungsversprechen weiterzuerzählen.“ Dr. Belusa verweist auf die Notwendigkeit einer besseren Patientensteuerung.
Der BvDU hält es für unmöglich, mehr Krankheiten von mehr Patienten und mehr „Bedürfnisbefriedigung“ mit viel weniger Geld zu finanzieren. Den Patienten sei dies klar, nicht jedoch der Politik. Rauer sei der Ton auch zwischen Ärzten geworden. Dieser raue Ton assoziiert Belusa mit rauen Zeiten in Klinik und Praxis. Berufspolitisch komme man „mit kleinen Schritten“ in Richtung auf den „Erhalt der Freiberuflichkeit und der Selbstverwaltung“ voran, ohne dabei allerdings konkret zu werden. Immerhin bewertet Dr. Belusa die Hybrid-DRG und die Ambulantisierung als Chancen für die Fachgruppe. An der Integration im Spitzenverband Fachärzte hält der BvDU-Präsident fest. Gelegentlich würde trotzdem ein bisschen mehr Verve für spezifisch urologische Themen guttun. Manches im Berufsverband wirkt etwas behäbig und ohne inneres Feuer.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein gutes neues Jahr und freue mich auf den Austausch mit den Urologinnen und Urologen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Franz-Günter Runkel
Chefreporter UroForum



