Erst wenige Tage war das neue Jahr alt, als die Deutsche Krankenhausgesellschaft gleich die gesundheitspolitische „Bazooka“ auspackte. In ihrer Neujahrs-Pressekonferenz stimmte die DKG auf das Reformjahr 2026 ein und kam schnell auf Betriebstemperatur. Die komplette ambulante Facharztmedizin müsse in die Krankenhäuser verlagert werden; die Region solle durch ein Versorgungs-Budget sektorenüberschreitend versorgt werden. Wir schauen mal, was das für die Urologen bedeutet.
Der Grund der Radikalität liegt auf der Hand: Vielen Krankenhäusern fehlt es an der notwendigen finanziellen Liquidität für Betriebsausgaben und Investitionen. Dem Rechnungszuschlag von etwa vier Milliarden Euro steht 2026 ein Sparpaket von 1,8 Milliarden Euro gegenüber. „2026 fehlt uns der Inflationsausgleich“, unterstrich Dr. Gaß. Die Roland Berger-Krankenhaus-Studie 2025 hat drei von vier Krankenhäusern rote Zahlen bescheinigt. Von 2023 bis 2025 mussten 90 Krankenhaus-Standorte ein Insolvenzverfahren eröffnen, von dem rund 39.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind.
Staubsauger Krankenhaus will Marktanteile einsaugen

Generell präsentierte sich die Krankenhausgesellschaft zum Jahresauftakt wie ein riesiger Staubsauger, der sich alles einverleiben möchte, um Marktanteile zu sichern und möglichst viel finanzielle Liquidität zu sichern. Unter dem polemischen Stichwort „Redundanz“ proklamierte die stellvertretende DKG-Vorsitzende Prof. Henriette Neumeyer die „weitestgehende Konzentration der fachärztlichen Versorgung an den Krankenhäusern – verbunden mit einem starken Primärversorgungs-Zentrum“. Es ist das alte Narrativ von der überflüssigen doppelten Facharztschiene, das oft als falsch widerlegt wurde. Nichtsdestotrotz hat diese Erzählung ein zähes Eigenleben, wenn Reform-Einschnitte unvermeidlich sind und noch nichts Konkretes festgelegt wurde. Berufsverband und Spitzenverband Fachärzte sollten also unbedingt wachsam sein, denn die Kuh ist noch lange nicht vom Eis. Natürlich liegen 102,21 Mrd. Euro Krankenhaus-Kosten der DKG schwer im Magen, zumal der ambulante Sektor nur auf 58,73 Mrd. Euro kommt. Prozentual sank der Anteil der Krankenhäuser allerdings 2025 von 35,6% auf 32,7%.
Außerdem schlugen die Krankenhäuser eine Reduzierung der Zahl der Krankenkassen um 10% sowie weniger Personal in den vielen Institutionen des Gesundheitssystems vor. Auf der Suche nach einer systemeffizienten Verwaltung fragte die DKG-Spitze: „Reguliert sich das Gesundheitswesen zu Tode?“
„Wir erwarten von der Gesundheitspolitik finanzielle Stabilität, konsequenten Bürokratieabbau, verlässliche Rahmenbedingungen und mutige Reformentscheidungen – im Interesse der Patientinnen und Patienten und einer sicheren Versorgung in Deutschland“, forderte der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß. Seine Stellvertreterin Prof. Neumeyer sagte: „Wir wissen, dass Veränderungen notwendig sind, und wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Die Kliniken seien bereit, Versorgungsstrukturen neu zu ordnen und in den kommenden zehn Jahren auf mehrere Hundert Standorte zu verzichten bzw. diese in sektorübergreifende Versorgungszentren (SÜV) umzuwandeln. Die Reform könne jedoch nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.
DKG befürwortet SÜV-Gründungen auf dem Land
Sektorübergreifende Versorgungszentren kann sich die DKG z.B. auf dem Land gut vorstellen. Zudem sollen DRG-Kurzlieger-Fälle einen Gegenpol zu den Hybrid-DRG-Leistungen bilden, die sich ambulante Fachärzte in aller Regel durchaus vorstellen können. Krankenhäuser tun sich da aufgrund ihrer höheren Kosten schwerer. Die Patientinnen und Patienten sollen auch in der Krankenhaus-bezogenen Versorgung stärker zur Kasse gebeten werden. Der DKG-Vorstandsvorsitzende forderte eine Erhöhung des Krankenhaus-Tagegeldes auf 20 Euro pro Tag sowie 20 Euro und mehr als Eintrittsgebühr für den direkten, nicht gesteuerten Zugang zu Integrierten Notfallzentren.
„2026 muss ein Jahr der Entscheidungen werden. Die Bundesregierung darf die Zeit nicht weiter verstreichen lassen. Wir brauchen jetzt tiefgreifende Reformen im Gesundheitswesen, klare Prioritäten und den politischen Mut, unbequeme, aber notwendige Maßnahmen umzusetzen“, erklärte Dr. Gaß.

Die finanzielle Lage des Gesundheitswesens spitzt sich weiter zu. Bereits ab 2027 erwartet das Bundesministerium für Gesundheit ein Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe. Die eingesetzte Finanzkommission Gesundheit soll bis März 2026 erste Vorschläge zur Stabilisierung der Beitragssätze vorlegen. Aus Sicht der DKG ist jedoch klar, dass kurzfristige Sparmaßnahmen allein nicht ausreichen werden.
„Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist bereits heute dramatisch. Immer mehr Kliniken geraten in existenzielle Schwierigkeiten, Insolvenzen nehmen zu. Steuert die Politik nicht um, wird sich diese Entwicklung weiter beschleunigen. Für die kommenden Jahre sind keine Besserungen in Sicht, solange die gezahlten Erlöse den geforderten Aufwand bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten nicht refinanzieren“, so Gaß. Langfristige Analysen und Studien belegen eine strukturelle Unterfinanzierung der Krankenhäuser, die durch steigende Kosten für Personal, Energie und Sachmittel sowie durch immer neue regulatorische Anforderungen zusätzlich verschärft wird. Die DKG fordert deshalb, Sparanstrengungen nicht einseitig auf die stationäre Versorgung zu konzentrieren. Dr. Gaß: „Wir werden nicht umhinkommen, auch andere Leistungsbereiche sehr genau in den Blick zu nehmen.“
Das Reformjahr hat begonnen, und die Nervosität ist vielerorts zu spüren, weil Änderungen ins Haus stehen werden. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten!
Es grüßt Sie herzlich Ihr Franz-Günter Runkel Chefreporter UroForum



