Urologie » Berufspolitik

»

KBV-Chef warnt vor Pseudolösungen für GKV-Krise

Holzfiguren einer Familie unter Schutzschirm mit Gesundheitssymbol als Symbol fuer die GKV-Krise und den Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung

Quelle: Bujang - stock.adobe.com

KBV-Chef warnt vor Pseudolösungen für GKV-Krise

Berufspolitik

Urologie

Berufspolitik

mgo medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: UroForum

In der Debatte um die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung hat KBV-Chef Dr. Andreas Gassen vor Pseudolösungen gewarnt. Den aktuellen Vorstoß der SPD für eine Gesundheitsabgabe auf Miet- und Kapitaleinkünfte nannte er „scheinheilig“. Solche Vorschläge zeigten, dass die Koalition das eigentliche Problem – die versicherungsfremden Leistungen – offenbar nicht angehen wolle.

„Die Deckungslücke durch fehlende Bundesmittel bei den versicherungsfremden Leistungen umfasst bis zu 45 Milliarden Euro“, betonte Gassen. Das entspräche nahezu der Summe für die gesamte vertragsärztliche Versorgung. Allein die Ausgaben bei den Grundsicherungsempfängern betrügen rund neun Milliarden Euro. Diesbezüglich unterstütze die KBV auch die Klage des GKV-Spitzenverbandes vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen gegen die entsprechenden Zuweisungsbescheide des Bundesamtes für Soziale Sicherung.

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen will die GKV-Finanzkrise durch die Auslagerung versicherungsfremder Leistungen lösen. (Foto: KBV)
Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen will die GKV-Finanzkrise durch die Auslagerung versicherungsfremder Leistungen lösen. (Foto: KBV)

Gassen plädierte zudem für eine Erhöhung der Steuern auf Alkohol und Tabak sowie die Einführung einer Zuckersteuer für Getränke. Diese zusätzlichen Einnahmen sollten direkt ins Gesundheitssystem fließen und hätten zudem noch einen präventiven Effekt, wenn Menschen aufgrund der höheren Preise weniger ungesunde Genussmittel konsumierten. Weitere Entlastungen ließen sich durch einen stärkeren Bürokratieabbau erzielen. Ebenso sollten die Krankenkassen angesichts fehlender Gelder prüfen, ob sie ihren Versicherten weiterhin alle freiwilligen Satzungsleistungen anbieten könnten. Hieraus könnte sich ein Einsparpotenzial von rund 1,7 Milliarden Euro pro Jahr ergeben.

Die Lösungen seien also relativ einfach, schlussfolgerte der KBV-Vorstandsvorsitzende. Allerdings sei er zu der Auffassung gelangt: „Es fehlt der politische Wille.“ Gassen verlangte, dass die Politik endlich eine ehrliche Diskussion führen müsse. Dazu gehöre vor allem die Klärung der Frage: „Wie viel Sozialstaat wollen wir uns leisten?“ Die jüngsten Kontroversen innerhalb der schwarz-roten Koalition über die Finanzierung der GKV bezeichnete er als „Stellvertreterkriege“ und „Spiegelfechtereien“.

Der Vorstandsvorsitzende betonte in diesem Zusammenhang, dass die GKV-Gesamtausgaben von 2020 bis 2024 deutlich gestiegen seien, während sich die Ausgaben für vertragsärztliche Behandlungen nur moderat erhöht hätten. Die ambulante Versorgung sei also in keiner Weise ein Kostentreiber. Vielmehr führe die Budgetierung des fachärztlichen Bereichs dazu, dass jährlich rund 40 Millionen Termine nicht vollständig vergütet würden. „Und das in einem System, in dem der ambulante Bereich insgesamt lediglich rund 16 % der GKV-Ausgaben verursacht.“

Franz-Günter Runkel

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt in OP-Kleidung bereitet eine endoskopische Untersuchung fuer die BALDIKA-Studie vor

BALDIKA-Studie gestartet

News

Die BALDIKA-Studie untersucht, ob ein medikamentenbeschichteter Ballondilatationskatheter (DCB, u. a. mit Paclitaxel) bei kurzstreckigen Rezidivstrikturen der anterioren Harnröhre besser wirkt als der heutige Standard, die Urethrotomia Interna. 456 Männer werden randomisiert und verblindet behandelt, mit einjährigem Follow-up – Rekrutierung läuft seit März 2026.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Aelterer Mann im gespraech mit Aerztin ueber seinen individuellen Testosteron Wohlfuehlwert

„Jeder Mann hat seinen individuellen Testosteron-Wohlfühlwert”

Fachartikel

Testosteronmangel hat viele Gesichter – von Libido- und Antriebverlust bis zu Schlafstörungen, depressiver Stimmung und erektiler Dysfunktion. Prof. Dr. Frank Sommer erklärt im Interview, warum starre Grenzwerte oft wenig aussagen und weshalb jeder Mann einen individuellen Testosteron-„Wohlfühlwert“ haben kann. Für die Praxis heißt das: Therapieintervalle personalisieren.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
In die Hoehe gereckte Haende mit medizinischen Handschuhen vor blauem Himmel als Symbol fuer Forderungen des medizinischen Personals waehrend Gesundheitsminister ueber das GKV-Gesetz sprechen

Gesundheitsminister des Bundes und der Länder sprechen heute über GKV-Gesetz

Berufspolitik

Vor der heute beginnenden Gesundheitsminister-Konferenz des Bundes und der Länder wächst der Widerstand in der ambulanten Versorgung und in den Krankenhäusern gegen das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. So plant der.di heute in Hannover eine Kundgebung.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen