Urologie » Berufspolitik

»

KBV prangert Deprofessionalisierung der Versorgung durch „Pseudolösungen“ an

Das Bild zeigt den stellvertretenden KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Stephan Hofmeister.

Quelle: Der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister kritisierte eine bedrohliche „Bagatellisierung der Versorgung“. (Foto: KBV)

KBV prangert Deprofessionalisierung der Versorgung durch „Pseudolösungen“ an

Berufspolitik

Urologie

Berufspolitik

mgo fachverlage GmbH & Co. KG

Franz-Günter Runkel

freier Redakteur

freier Redakteur für die Ressorts Berufs- und ­Gesundheitspolitik sowie Wissenschafts- und ­Hochschulpolitik

franz-guenter.runkel@web.de

+49 9221 949-311

2 MIN

Erschienen in: UroForum

Auf der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am Freitag in Berlin kritisierte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister, dass dringende Strukturreformen, die schnell zu einer Entlastung führen könnten, auf sich warten ließen. „Das meiste, was an Gesetzgebung in Aussicht steht, macht den Praxen das Leben nicht leichter, im Gegenteil.“

Zwar seien einige Gesetze in der Pipeline. „Aber: Die wirklich wichtigen, grundsätzlichen Fragen, wie etwa die einer besseren Steuerung der Versorgung, werden bislang nicht angegangen“, so Hofmeister. Krankenhausreform, Notfallreform, Steuerung – das seien die großen Themen, die jetzt zu Ende gebracht werden müssten. Dabei warnte Hofmeister vor „Pseudolösungen“ mit dem Ziel, mangelnde Arztzeit auffangen zu wollen, indem andere Gesundheitsberufe oder -angebote bis hin zum Einstieg von Supermärkten oder Drogeriemarktketten diese ersetzen sollen. Sein klares Fazit: „Es droht nicht nur eine Spirale der Deprofessionalisierung im Gesundheitswesen, sondern auch eine Bagatellisierung von Versorgung.“
Den Referentenentwurf für die Notfallreform beurteilte der KBV-Vize skeptisch: „Der vorliegende Entwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) enthält vernünftige Grundideen, aber in der Ausarbeitung setzt er strukturelle Fehlanreize und wurde offenkundig ohne eine realistische Einschätzung der vorhandenen Ressourcen formuliert.“ Dass beispielsweise noch mehr Integrierte Notfallzentren (INZ) errichtet werden sollen oder die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) einen fahrenden Dienst rund um die Uhr gewährleisten sollen, lehnte er ab. „Wir brauchen nicht noch weitere Versorgungsebenen und Versorgungsangebote, die den Menschen suggerieren, dass jeder jederzeit machen kann, was er oder sie will. Im Gegenteil: Wir brauchen endlich stringente Steuerung!“, so Hofmeister.

KBV sieht gefährliche Verschiebung durch Apothekenreform

KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner schlug mit Bezug auf die Apothekenreform in dieselbe Kerbe: Der Gesetzentwurf schaffe neue, unnötige Versorgungsangebote und „eine gefährliche Verschiebung von Kompetenzen, die voller Risiken für Patienten und für die Wirtschaftlichkeit der Versorgung ist“, so Steiner. „Gerade ärztliche Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie sind eben keine Bausteine, die nach Belieben in andere Hände gelegt werden dürfen.“ Den Apothekern fehle für das Impfen, für die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne ärztliche Verordnung und weitere ärztliche Aufgaben schlicht eines: die ärztliche Kompetenz. Tatsächliche Chancen, den Zugang zur Versorgung zu verbessern, sehe die KBV dagegen etwa in automatisierten Abgabestationen oder der direkten Medikamentenabgabe nach telepharmazeutischer Beratung, wenn Patienten in Notdienstpraxen oder beim Hausbesuch ein Medikament dringend benötigten. Dies habe man dem BMG nun auch im Rahmen der Notfallreform vorgeschlagen.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Dr. Michael Stephan-Odenthal freut sich gemeinsam mit Kongresspräsidentin Dr. Eva Hellmis (M.) und einer Vertreterin der Industrie (l.) über den Richard-Berges-Preis. (Quelle: Franz-Günter Runkel)

Dr. Michael Stephan-Odenthal erhielt den Richard-Berges-Preis 2026

News

Beim 71. NRWGU-Jahreskongress in Essen wurde erstmals der Richard-Berges-Preis verliehen – eine neue Auszeichnung für herausragende ambulant tätige Urologinnen und Urologen. Erster Preisträger ist Dr. Michael Stephan-Odenthal aus Leverkusen, der mit wissenschaftlichem und berufspolitischem Engagement überzeugte. Der Preis erinnert an den 2017 verstorbenen Urologen Dr. Richard Berges.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Fachperson haelt einen Vortrag auf einem Kongress vor großem Publikum

JAKU 2026 – Kinderurologie-Jahrestagung in Mainz begeistert Fachpublikum

Fachartikel

Die JAKU 2026 in Mainz begeisterte rund 280 Fachärzte aus dem DACH-Raum mit einem vielfältigen Programm zu robotischer Chirurgie, Blasenfunktion und Andrologie. Erstmals wurde ein kostenfreier Einsteigerkurs für den Nachwuchs angeboten – mit überwältigendem Zuspruch. Ein Kongressbericht voller Highlights und wegweisender wissenschaftlicher Impulse.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Fachkraft bedient MRT Geraet mit digitaler Darstellung eines Skeletts als Symbol fuer die Prokomb Studie zur Diagnose von Prostatakrebs ohne Biopsie

MRT bei Prostatakrebs: PROKOMB-Studie zeigt sichere Diagnose ohne Biopsie

Fachartikel

Muss nach einem erhöhten PSA-Wert immer eine Biopsie folgen? Die PROKOMB-Studie zeigt: Ein hochwertiges MRT kann aggressiven Prostatakrebs mit 96 %iger Sicherheit ausschließen – und 41 % der Männer blieb eine Biopsie erspart. Dr. Charlie Hamm von der Charité Berlin erklärt die Studienergebnisse und deren Eingang in die aktuelle S3-Leitlinie.

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen