Urologie » Niereninsuffizienz

»

Transplantation nach dem Prinzip „Alt für Alt“

Transplantation nach dem Prinzip „Alt für Alt“

News

Urologie

Niereninsuffizienz

3 MIN

Erschienen in: UroForum

Wie groß ist der Einfluss der Gewebemerkmale von Spender und Empfänger auf den Erfolg einer Nierentransplantation bei Patienten im Alter von 65 plus? Eine Studie unter der Co-Leitung von Professor Dr. med. Bernhard Krämer, Direktor der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), untersuchte erstmals, wie sich die Passgenauigkeit des Zelloberflächenrezeptors HLA-DR auf die Gesamtsterblichkeit bzw. das Versagen des Nierentransplantats in dieser Altersgruppe auswirkt. Es zeigte sich, dass eine Zuteilung der Spenderorgane auf der Grundlage des HLA-DR-Matchings die Fünf-Jahres-Sterblichkeit und das Überleben von Nierentransplantaten deutlich verbessert.

Mehr als die Hälfte der Patienten, die aufgrund einer Niereninsuffizienz in Nierenersatzprogramme aufgenommen werden, sind 65 Jahre oder älter. Eine Transplantation würde die Überlebenszeit dieser Patienten im Vergleich zur Dialyse verdoppeln. Doch nur wenige dieser Patienten haben die Chance, rechtzeitig ein Spenderorgan zu erhalten: Patienten von 65 Jahren und älter müssten meist etwa sechs bis sieben Jahre warten, ehe sie eine Spenderniere zugeteilt bekommen, da Spenderorgane besonders in Deutschland rar sind. Mehr als die Hälfte dieser Patienten würde diesen Tag leider nicht mehr erleben.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet das Eurotransplant Senior Programm (ESP). Es wurde 1999 von Eurotransplant aufgelegt, um die Chancen älterer Patienten auf eine rechtzeitige Transplantation zu verbessern. Nach dem Prinzip „Alt für Alt“ werden hierbei Organe von über 65-jährigen verstorbenen Spendern bevorzugt an Empfänger der gleichen Altersgruppe in der Spenderregion vermittelt. Um eine schnelle und unkomplizierte Vergabe gewährleisten zu können, wird bei der ESP-Transplantation darauf verzichtet, die Gewebemerkmale des Spenders zu ermitteln und auf Passgenauigkeit von Spender und Empfänger hin zu überprüfen. Eine schlechtere Übereinstimmung der Gewebemerkmale ist jedoch mit erhöhten Abstoßungsraten verbunden.

Schlüsselrolle bei der Transplantation: HLA-System

Für die Gewebeverträglichkeit von Spenderorgan und Empfänger spielt das sogenannte HLA-System (human leukocyte antigen system) eine wichtige Rolle. Die Leukozyten-Antigene helfen dem Immunsystem, zwischen körpereigenem und körperfremdem Gewebe zu unterscheiden. Je ähnlicher die HL-Antigene von Spender und Empfänger sind, desto geringer ist die Gefahr von Abstoßungsreaktionen.

In der Studie wurden die gepaarten Nieren von insgesamt 675 Spendern im Alter von 65 Jahren und älter jeweils einem Transplantationskandidaten des ESP-Programms ohne Typisierung und einem Kandidaten des Eurotransplant Senior-Programms mit DR-Kompatibilität (ESDP) vermittelt. In der Nachverfolgung zeigte sich, dass die Transplantation von Nieren mit passenden HLA-DR-Antigenen mit einem signifikant niedrigeren Risiko einhergeht, dass der Empfänger innerhalb von fünf Jahren nach der Transplantation verstirbt (30 % niedrigere Mortalitätsrate) oder aufgrund eines Transplantatversagens – nach einem oder fünf Jahren – wieder zur Dialyse zurückkehren muss, was mit einer schlechten Prognose verbunden ist.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war die Beobachtung, dass eine Zuteilung der Transplantate auf der Grundlage des HLA-DR Matchings die dialysepflichtige Zeit vor der Transplantation von im Mittel 4,1 Jahren auf 2,4 Jahre verkürzte, da für die Zuweisung der Spenderorgane in erster Linie die Gewebeverträglichkeit und nicht die Wartezeit ausschlaggebend ist.

„Auch dies trägt dazu bei, dass eine Zuteilung auf der Grundlage des HLA-DR-Matchings die Fünf-Jahres-Sterblichkeit und das Überleben von Nierentransplantaten im Rahmen einer Alt-für-Alt-Nierentransplantation verbessert“, sagt Professor Krämer, der die Studie in Deutschland koordiniert. An der Studie sind außerdem Kliniken in Österreich, Belgien und den Niederlanden beteiligt.

Originalpublikation: de Fijter JW et al. A paired-kidney allocation study found superior survival with HLA-DR compatible kidney transplants in the Eurotransplant Senior Program. Kidney Int 2023; S0085-2538(23)00419-2

Quelle: Universitätsmedizin Mannheim (>> zur Pressemitteilung)

Bildquelle: © Rifqi – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt in OP-Kleidung bereitet eine endoskopische Untersuchung fuer die BALDIKA-Studie vor

BALDIKA-Studie gestartet

News

Die BALDIKA-Studie untersucht, ob ein medikamentenbeschichteter Ballondilatationskatheter (DCB, u. a. mit Paclitaxel) bei kurzstreckigen Rezidivstrikturen der anterioren Harnröhre besser wirkt als der heutige Standard, die Urethrotomia Interna. 456 Männer werden randomisiert und verblindet behandelt, mit einjährigem Follow-up – Rekrutierung läuft seit März 2026.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Aelterer Mann im gespraech mit Aerztin ueber seinen individuellen Testosteron Wohlfuehlwert

„Jeder Mann hat seinen individuellen Testosteron-Wohlfühlwert”

Fachartikel

Testosteronmangel hat viele Gesichter – von Libido- und Antriebverlust bis zu Schlafstörungen, depressiver Stimmung und erektiler Dysfunktion. Prof. Dr. Frank Sommer erklärt im Interview, warum starre Grenzwerte oft wenig aussagen und weshalb jeder Mann einen individuellen Testosteron-„Wohlfühlwert“ haben kann. Für die Praxis heißt das: Therapieintervalle personalisieren.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
In die Hoehe gereckte Haende mit medizinischen Handschuhen vor blauem Himmel als Symbol fuer Forderungen des medizinischen Personals waehrend Gesundheitsminister ueber das GKV-Gesetz sprechen

Gesundheitsminister des Bundes und der Länder sprechen heute über GKV-Gesetz

Berufspolitik

Vor der heute beginnenden Gesundheitsminister-Konferenz des Bundes und der Länder wächst der Widerstand in der ambulanten Versorgung und in den Krankenhäusern gegen das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. So plant der.di heute in Hannover eine Kundgebung.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen