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Uretersteine: „Abwarten und keinen Tee trinken“

Uretersteine: „Abwarten und keinen Tee trinken“

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Erschienen in: UroForum

Dr. Armin Secker vom Universitätsklinikum Münster widmete sich in seinem Vortag den Fragen, wie lange man bei Uretersteinen mit der Behandlung warten kann und wie sich ein Funktionsverlust der Niere verhindern lässt.

In drei Situationen sollte man aber auf keinen Fall warten:

  • Infizierte Harnstauungsniere/Urosepsis
  • Gestaute Einzelniere/Anurie
  • Analgetikarefraktäre Schmerzen
Uretersteine:  Dr. Armin Secker rät bei bestimmten Umständen zu einem abwartenden Verhalten und einer engen Überwachung bei der Behandlung von Uretersteinen. (Foto © Reimann)
Dr. Armin Secker rät bei bestimmten Umständen zu einem abwartenden Verhalten und einer engen Überwachung bei der Behandlung von Uretersteinen. (Foto © Reimann)

Abwarten kann sich bei Uretersteinen lohnen

Es kann sich aber lohnen Geduld zu haben. So besteht in vielen Fällen eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen spontanen Steinabgang. Eine Studie, die auch in die DGU-Leitlinien eingeflossen ist, konnte z. B. zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für 4–5 mm große Steine bei 87 % liegt, bei einer mittleren Dauer von 6,1 Tagen (>>zur Studie) [1].

Dr. Secker stellte auch ein Modell vor, mit dem man anhand verschiedener Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit eines spontanen Steinabgangs bei einem asymptomatischen Harnleiterstein berechnen kann (>>zur Studie) [2]. Zu den Risikofaktoren gehören ein erhöhter C-reactive-Protein-Level (CRP > 0,41 mg/dl), eine Hydronephrose (> 6 mm Pyelon) und ein großer Längendurchmesser (> 6,7 mm).

Nicht zu viel trinken

Je höher der hydrostatische Druck auf den Stein ist, desto höher ist die Friktion zwischen Stein und dem Urothel. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Steinabgangs. Das konnte in einem Kaninchenmodell gezeigt werden (>>zur Studie) [3]. Deshalb trifft die alte Regel „viel trinken“, um den Stein auszuspülen, nicht zu.

Das Zeitfenster

In dieser und einer weiteren Studie konnte gezeigt werden, dass innerhalb der ersten 48 h mit keinen Schäden zu rechnen ist (>>zur 4. Studie) [3, 4]. Aus dem Publikum kam die sinnvolle Zusammenfassung: „Alles was nicht inflammatorisch ist, hat Zeit bis zum nächsten Tag“. Dr. Secker ergänzte und was keine zu großen Beschwerden macht.

Fazit

Dr. Secker rät zu einer engmaschigen Kontrolle und zur Zusammenschau von verschiedenen Faktoren: Z. B. ob es sich um einen impaktiven Stein handelt. Außerdem sind Laborwertveränderungen wichtig, wie z. B. bei Cystatin-C und Ca19-9, die leider noch nicht im klinischen Alltag angekommen sind. (rr)

Literatur:

1. Jain A, Sreenivasan SK, Manikandan R, Dorairajan LN, Sistla S, Adithan S. Association of spontaneous expulsion with C-reactive protein and other clinico-demographic factors in patients with lower ureteric stone. Urolithiasis. 2020; 48: 117-122.

2. Ye Z, Zeng G, Yang H, Tang K, Zhang X, Li H et al. Efficacy and Safety of Tamsulosin in Medical Expulsive Therapy for Distal Ureteral Stones with Renal Colic: A Multicenter, Randomized, Double-blind, Placebo-controlled Trial. Eur Urol. 2018; 73: 385-391.

3. Holmlund D. On medical treatment for ureteral stone expulsion. Scand J Urol. 2018; 52: 94-100.

4. Chávez-Iñiguez JS, Navarro-Gallardo GJ, Medina-González R, Alcantar-Vallin L, García-García G. Acute Kidney Injury Caused by Obstructive Nephropathy. Int J Nephrol. 2020.

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