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UroSkop: DGU 2025: Nachhaltigkeit, Miteinander, Klinik-Reform und eine faustdicke Überraschung

UroSkop: DGU 2025: Nachhaltigkeit, Miteinander, Klinik-Reform und eine faustdicke Überraschung

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4 MIN

Erschienen in: UroForum

Sowohl die Pressekonferenz der Deutschen
Gesellschaft für Urologie (DGU) als auch das Plenum der Fachgesellschaft am Nachmittag kreisten heute um die großen Themen der Jahrestagung. Die Urologie schließt ihre Reihen, verschreibt sich Klimaschutz und Nachhaltigkeit und bemüht sich um einen konstruktiven Ansatz in der Krankenhaus-Reform. Zum Ende des Plenums ließ DGU-Vizepräsident Prof. Maurice Stephan Michel dann die Bombe platzen.

DGU-Vizepräsident Prof. Maurice Stephan Michel teilte am Abend mit, dass der G-BA wahrscheinlich im Oktober eine Bewertung der modernen PCa-Früherkennung beschließen wird. (Foto: Runkel)
DGU-Vizepräsident Prof. Maurice Stephan Michel teilte am Abend mit, dass der G-BA wahrscheinlich im Oktober eine Bewertung der modernen PCa-Früherkennung beschließen wird. (Foto: Runkel)

Der Direktor der urologischen Universitätsklinik Mannheim referierte zum aktuellen Stand der Früherkennung des Prostatakarzinoms. Gegen Ende des Plenums ließ er die Bombe platzen. „Am 17. Juli hat der Gemeinsame Bundesausschuss in Berlin einen Antrag der Patientenvertretung – u.a. Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. – angenommen. Es geht um eine neue risikoadaptierte, PSA- und MRT-Screening-gestützte Früherkennung des Prostatakarzinoms. Der unabhängige Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Prof. Joseph Hecken, hat sich diesem Antrag angeschlossen“, teilte Prof. Michel mit.

In Kürze wird das Beratungsverfahren im G-BA starten und laut Prof. Michel maximal zwei Jahre dauern. „Wir können davon ausgehen, dass wir im Spätsommer 2027  hoffentlich eine Überarbeitung der Früherkennungs-Richtlinie des G-BA haben werden. Ich bin mittelgradig optimistisch, dass wir eine an der Leitlinie orientierte neue PCa-Früherkennung haben werden. Ich gehe davon aus, dass Urologen federführend sind und dass die entsprechenden GKV-Leistungen unbudgetiert sein werden.“ Die Screening-Strategie soll entsprechend der S3-Leitlinie Prostatakarzinom in der Langversion 8.0 festgelegt werden.

Bei der Krankenhausreform steckt der Teufel im Detail

DGU-Generalsekretär Prof. Max Burger befasste sich in der Pressekonferenz am Morgen mit der Krankenhausreform und ihren Folgen für die Urologie. „Also sie ist eine gute Sache, doch der Teufel liegt im Detail“, mahnte Prof. Burger. Wenn ein Krankenhaus Urologie betreiben möchte, muss es die Leistungskriterien für diese Leistungsgruppe erfüllen. „Und hier geht es zum Beispiel um die roboterassistierte Chirurgie. Dafür braucht man eine Roboter-System und weitere Technik. Wo aber ist das Problem? Natürlich versuchen jetzt alle Urologien, Roboter zu kaufen und Geräte anzuschaffen Aber da gibt es dann noch die Mindestmengen, die beachtet werden müssen. Das aber könnte dann aufgrund der Höhe der Mindestfallzahlen Schwierigkeiten bringen“, erläuterte Prof. Burger.

Ohne Vernetzung wird die Urologie bei der Ambulantisierung scheitern

Auf Nachfrage von UroForum äußerte sich Prof. Burger auch zur Ambulantisierung, die ja im Umkreis der Krankenhaus-Reform berücksichtigt werden muss. „Es geht nicht ohne Vernetzung und Kooperation im Fachgebiet“, unterstrich der DGU-Generalsekretär. Daher sei das DGU-Vorstandsressort auch in „Vernetzung von Klinik und Praxis“ umbenannt worden. Es sei nur schwer vorstellbar, einem Krankenhaus vorzuschreiben, dass es alle ambulanten Leistungen in der Ambulanz vorzuhalten hat. Das werde schon aus ökonomischen Gründen scheitern. „Es gibt also auf gar keinen Fall die Möglichkeit, dass die Krankenhäuser sich um die Ambulante Versorgung im Großen und Ganzen kümmern können.“ Zudem gebe es viele Leistungen, die man gar nicht ambulant abbilden könne, ohne dass es große Nachteile für die Patienten brächte. Im Großen und Ganzen biete die Ambulantisierung aber deutlich mehr Chancen als Risiken. „Es ist eine Realität, der wir uns stellen wollen und auch können“, so Prof. Burger.

Nachwuchs-Gewinnung und urologische Weiterbildung

Von zentraler Bedeutung für die Urologie ist die Rekrutierung und Ausbildung des Nachwuchses. Im DGU-Plenum zog WECU-Organisator Dr. Max Tüllmann eine Zwischenbilanz und warb gleichzeitig für die Mitarbeit im Weiterbildungscurriculum Urologie. „Das Curriculum ist ein Instrument zur Bindung der Weiterbildungs-Assistenten an urologische Kliniken und Praxen“, betonte Dr. Tüllmann. Das WECU biete für Kliniken und Praxen Vorteile, weil es junge Urologinnen und Urologen an Kliniken binde bzw. ein Reservoir für die Nachfolge niedergelassener Urologen bietet. Leider hat die Teilnahme im ambulanten Sektor noch nicht die Intensität erreicht, die sich die Schöpfer des WECU am Anfang erhofft hatten.

„Wie motivieren wir die Jungen?“, fragte DGU-Vorstandsmitglied Prof. Christian Thomas. Die Generierung urologischen Nachwuchses auf Studenten-Ebene sei die zentrale Aufgabe und erfordere große Kreativität. Seit Langem bereits lädt die DGU die „Besten für die Urologie“ zum DGU-Kongress ein und hofft, in der jungen Studenten-Generation Fuß zu fassen.

Bildqeuelle: TStudious – adobe.stock.com

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Franz-Günter Runkel

Chefreporter Uroforum

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