Urologie » Urogenitale Tumoren » Prostatakarzinom

»

UroSkop: Prostata-Finger tastet im Nirgendwo der wissenschaftlichen Evidenz

PROBASE-Studie

UroSkop: Prostata-Finger tastet im Nirgendwo der wissenschaftlichen Evidenz

News

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

4 MIN

Erschienen in: UroForum

Ein anatomischer Anachronismus der Urologie muss sich wohl darauf einstellen, ins Museum des Fachgebietes abgeschoben zu werden. Der tastende Finger als Instrument der Früherkennung des Prostatakarzinoms ist seit 1971 eine Leistung der Prostatakarzinom-Früherkennung. Jetzt bereiten wissenschaftliche Daten dem Tastfinger den Garaus.

PROBASE-Studie
PROBASE-Studienleiter Prof. Peter Albers hat die Überlegenheit des PSA-Tests in der PCa-Früherkennung bewiesen.

An die Stelle des tastenden Fingers könnte schon bald die PSA-basierte Früherkennung mit dem Eskalations-Armamentarium der multiparametrischen Magnetresonanztomografie (mpMRT), der PI-RADS-Klassifizierung sowie der Fusions-Biopsie kommen. Riesige Datenmengen der ERSPC- und der PROBASE-Studie, ein Ratsbeschluss der Europäischen Union und viele Initiativen der Urologen brauchte es, um die Borniertheit und Verlogenheit der Politik zu erschüttern. Die rektale Tastuntersuchung war und ist kein Mittel zur Früherkennung des Prostatakarzinoms, zumindest wenn ein Qualitätsanspruch an das Ergebnis gerichtet wird. Die PROBASE-Studie und Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums geben dem Tastfinger nun den Rest. Zu oft tastet der Finger im Nirgendwo – jedenfalls wissenschaftlich.

PSA-Früherkennung wurde systematisch diskreditiert

Angeblich lag den PSA-Verhinderern der vergangenen Jahrzehnte das Seelenheil der Männer am Herzen, die nicht durch falsch-positive Ergebnisse um den Schlaf gebracht werden sollten. In Wahrheit ging es um puren Geiz und die pekuniär begründete Angst vor einer Therapiekaskade. So viel ist dem Staat nun das Wohl seiner Männer im besten Alten auch nicht wert, dass man solche GKV-Schecks ausstellen wollte. Mal gespannt, wie jetzt der Gemeinsame Bundesausschuss reagiert, wenn Lauterbach gesetzliche Fakten für den PSA-Wert schafft.

Die rektale Tastuntersuchung ist nicht zur Früherkennung von Prostatakarzinomen bei Männern im Alter von 45 Jahren geeignet. Der Grund dafür ist eine zu geringe Empfindlichkeit und eine zu hohe Falsch-Positiv-Rate. Die Tastuntersuchung verbessert auch die Detektionsrate des PSA-Screenings nicht. Basierend auf den Daten der PROBASE-Studie bewerteten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) nun erstmals die diagnostische Aussagekraft der Tastuntersuchung bei jüngeren Männern.

Rektale Tastuntersuchung ist seit 1971 im GKV-Katalog

Die rektale Tastuntersuchung ist seit 1971 Teil des Früherkennungsprogramms der gesetzlichen Krankenkassen. Die diagnostische Aussagekraft der rektalen Tastuntersuchung gilt allerdings seit Langem als gering. Insbesondere für jüngere Männer lagen jedoch bislang keine Daten dazu vor. Nun hat die PROBASE-Studie nach einem Bericht des DKFZ diese Ergebnisse geliefert. PROBASE (Risk-adapted prostate cancer early detection study based on a baseline PSA value in young men – a prospective multicenter randomized trial) ist eine bevölkerungsbezogene, randomisierte Prostatakarzinom-Screening-Studie, die die Wirksamkeit eines risikoangepassten PSA-Screenings untersucht, das entweder im Alter von 45 Jahren oder 50 Jahren beginnt.

Die PROBASE-Studie wird in an den Universitätskliniken in Düsseldorf, Hannover, München (TU) und Heidelberg durchgeführt, durch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) koordiniert und von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Nur drei von 57 Tast- befunden waren maligne

6.537 Teilnehmer im Kontrollarm von PROBASE, deren PSA-Werte zunächst nicht bestimmt wurden, hatten sich bei Studieneintritt im Alter von 45 Jahren einer rektalen Tastuntersuchung unterzogen. Dabei wurden 57 verdächtige Befunde ermittelt. Die Biopsien ergaben, dass sich nur bei drei Teilnehmern tatsächlich ein Karzinom fand. Die übrigen Befunde erwiesen sich als falsch-positiv. Die Wissenschaftler konnten die Aussagekraft der Tastuntersuchung zusätzlich bei Studienteilnehmern untersuchen, bei denen Prostatakarzinome mittels des PSA-Tests aufgefallen waren. 86 % dieser Männer hatten einen unauffälligen Tastbefund, obwohl ihre Tumoren zum großen Teil in potenziell zugänglichen Regionen der Prostata lagen.

Dadurch hatte das Team um Studienleiter Prof. Peter Albers die Möglichkeit, die Rate an falsch-positiven Ergebnissen der Tastuntersuchung zu errechnen. Nur bei drei Teilnehmern (Detektionsrate 0.05%) fand sich tatsächlich ein Karzinom. Die übrigen Befunde erwiesen sich als falsch-positiv, was belastende und unnötige Biopsien nach sich zieht. Zum Vergleich: Bei einem PSA-Test liegt die Detektionsrate viermal höher. Die Aussagekraft der Tastuntersuchung konnte dann zusätzlich bei denjenigen Studienteilnehmern untersucht werden, deren Prostatakarzinome beim PSA-Test aufgefallen waren. 86 % dieser Männer hatten einen unauffälligen Tastbefund, obwohl ihre Tumoren zum großen Teil in potenziell zugänglichen Regionen der Prostata lagen.

PROBASE-Studie bewies Überlegenheit des PSA-Tests

Weitergehende Schlüsse aus den Studiendaten zog der Studienleiter. „Angesichts der geringen Akzeptanz der rektalen Tastuntersuchung würde ein Prostatakrebs-Screening auf der Basis eines PSA-Tests möglicherweise sogar die Teilnahmebereitschaft der Männer steigern“, so Albers. „Der PSA-Test hat sich in großen randomisierten Studien als eindeutig überlegen erwiesen. Wir sollten mit großem Nachdruck eine risikoadaptierte, bevölkerungsweite Einführung vorbereiten, die bei abklärungsbedürftigen Befunden die Möglichkeit einer MRT-Untersuchung beinhaltet.“

Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Franz-Günter Runkel
Chefreporter UroForum

Bildquelle:© Runkel

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Medizinische Fachperson im OP mit Datenbrille und erhobenen Haenden, Symbolbild fuer 3D-Rekonstruktion und Augmented-Reality-Navigation in der urologischen Chirurgie

3D-Rekonstruktion und Augmented-Reality-Navigation in der urologischen Chirurgie

Fachartikel

3D-Rekonstruktionen und Augmented Reality gewinnen in der urologischen Chirurgie an Bedeutung – besonders bei der roboterassistierten Nierenteilresektion. Interaktive 3D-Modelle unterstützen die präoperative Planung (Gefäßversorgung, Resektionsgrenzen, Tumorlokalisation) und können per AR als Overlay ins Livebild integriert werden. Studien berichten kürzere Ischämiezeiten, weniger Blutverlust und Komplikationen; RCT-Daten werden 2026 erwartet.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Person im Rollstuhl in einem hellen Innenraum, Symbolbild fuer neurogene Harnblase, Blasenkrebs und besondere Risiken bei Querschnittlaehmung

Neurogene Harnblase und Blasenkrebs: Besondere Risiken bei Querschnittlähmung

Fachartikel

Querschnittgelähmte mit neurogener Blase haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Harnblasenkrebs und erkranken im Schnitt rund 20 Jahre früher als die Allgemeinbevölkerung. Häufig sind die Tumoren muskelinvasiv, schlecht differenziert und es treten vermehrt Plattenepithelkarzinome auf; die Mortalität ist erhöht. Ein etabliertes Screening fehlt – empfohlen werden regelmäßige Sonografie und großzügige MRT-Abklärung.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Person im Arztkittel arbeitet mit Taschenrechner neben Laptop und Stethoskop, Symbolbild fuer Rotstift Reform im Gesundheitswesen und gefaehrdete Patientenversorgung

Rotstift-Reform im Gesundheitswesen gefährdet Patientenversorgung

Berufspolitik

Im Umfeld der 147. Hauptversammlung des Marburger Bunds am Wochenende hat der Verband eine Stellungnahme zum Regierungsentwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz veröffentlicht. Der Marburger Bund warnt darin eindringlich vor den Folgen des GKV-Spargesetzes für die Patienten.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen