Urologie » Sonstiges

»

UroSkop: Wirtschaftliche Lage der urologischen Grundversorgung spitzt sich zu

Ohne klassische Vorsorge wird es aus der Sicht von Dr. Markus Schöne eng in der GKV-Grundversorgung einer urologischen Praxis.

UroSkop: Wirtschaftliche Lage der urologischen Grundversorgung spitzt sich zu

Berufspolitik

Urologie

Sonstiges

5 MIN

Erschienen in: UroForum

Der BvDU-Landesvorsitzende Dr. Markus Schöne und Klinik-Chefarzt Prof. Markus Müller leiten die DGU-Arbeitsgemeinschaft „Sektorenübergreifende fachärztliche urologische Versorgung“. Sie machen Tempo, weil die Zeit drängt. Eine zunehmend unwirtschaftliche ambulante Grundversorgung und eine derzeit gleichfalls unwirtschaftliche ambulante Operationstätigkeit von Kliniken kommen zusammen. Beide Seiten versuchen, das Heft des Handelns zu ergreifen.

Auf der 65. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie im Pfalzbau Ludwigshafen ging es im Symposium des Berufsverbands der Deutschen Urologie um die Zukunft der ambulanten Urologie. Die einzige belastbare Zukunftsperspektive ist das ambulante bzw. sektorenübergreifende Operieren auf der Basis von Hybrid-DRGs. Aber: Erfolg oder Scheitern des Konzeptes werden von der adäquaten Finanzierung ambulanter OP-Zentren abhängen. Aus der Perspektive des niedergelassenen Urologen befasste sich der rheinland-pfälzische BvDU-Landesvorsitzende Dr. Markus Schöne mit den Erfordernissen der ambulanten Urologie, während der Chefarzt der Klinik für Urologie im Klinikum Ludwigshafen, Prof. Markus Müller, die Frage erörterte, wieviel Ambulantisierung für die urologischen Kliniken noch verkraftbar sei.

Klassische Basisversorgung verliert an Relevanz

Dr. Schöne warf einen Blick ins Jahr 2030: „Die Grundversorgung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab wird schwierig, weil die klassische Vorsorge in der Praxis an Relevanz verliert.“ Hintergrund ist der gravierende Umbruch in der Früherkennung des Prostatakarzinoms, die vielleicht schon 2027 keine Privatleistung mehr sein wird und anders strukturiert ist. Dabei bezog sich der niedergelassene Urologe aus Speyer unter anderem auf die neu strukturierten Programme der Früherkennung. Das traditionelle Modell der Früherkennung des Prostatakarzinoms mit digital-rektalem Tasten sowie der Bestimmung des PSA-Werts wird durch ein neues Leitlinien-Konzept der Vorsorge ergänzt bzw. ersetzt. Noch invasiver könnte die Einführung eines Primärarztsystems werden. Die ambulante Urologie müsste sich auf einen Rückgang der GKV-Leistungen in der Basis- und Grundversorgung einstellen. Um diesem Wandel zu begegnen, empfahl der BvDU-Landesvorsitzende eine Spezialisierung des urologischen Angebots.

„Operative Versorgung, onkologische Kompetenz und fachliche Spezialisierung“, betonte Dr. Schöne, „können den wirtschaftlichen Erfolg sichern.“ Hilfreich könne eine höhere Effizienz durch vernetzte Strukturen sein. Im Detail sprach Dr. Schöne größere Einheiten, Kooperationen und sektorenübergreifende Ansätze an. „Moderne Versorgungskonzepte verbessern die Behandlungsqualität. Spezialisierte Angebote schaffen Mehrwert für Patienten“, unterstrich der Facharzt für Urologie. Der Niedergelassene wiederum könne neue Erlösfelder erschließen, Kostenstrukturen optimieren und Synergien aus Kooperationen nutzen.

Fortschreitende Entwertung der EBM-Vergütung

Wie existentiell wichtig eine solche Strukturreform in der ambulanten Urologie ist, verdeutlichte Dr. Schöne an der ungünstigen Entwicklung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Permanent steigende Lohnkosten der medizinischen Fachangestellten, teure Mieten und wachsende Kosten für Energie, Hygiene, IT und Datenschutz erschwerten das Leben des niedergelassenen Urologen. „Auf der anderen Seite“, so Dr. Schöne, „führt die fehlende Dynamisierung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs zu einer realen Entwertung der Leistungsvergütung.“

Zur Dokumentation der wirtschaftlichen Entwicklung nannte Dr. Schöne Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Der Bundesvergleich weist zwischen 2022 und 2023 einen Anstieg des Honorarumsatzes pro Arzt um absolut 8,06 % auf 233.900 Euro aus. Relativ waren es 3,6 %. Der Fallwert je Patient wurde im selben Zeitraum aber nur um 0,59 % (absolut) bzw. 1,1 % (relativ) angehoben. Statistische Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz dokumentieren andererseits die Stagnation in der Facharztgruppe von 2018 bis 2023. Von 2022 bis Ende 2024 schwankte der Fallwert trotz steigender Kosten zwischen 55 und 59 Euro pro Patient, ohne dass ein verlässlicher Anstieg der Einnahmen zu verzeichnen gewesen ist.

Einzelpraxis-Kosten stiegen um 41% an

„Die Ausgaben in Einzelpraxen sind von 2015 bis 2022 um ca. 41 % gestiegen. Bei allen Praxen beträgt der Anstieg im selben Zeitraum rund 37 %. Das tarifliche Jahresbruttogehalt medizinischer Fachangestellten wuchs von etwa 25.900 Euro 2015 auf etwa 34.800 Euro in diesem Jahr an“, berichtete Dr. Schöne. Das bedeute einen Anstieg von rund 34 % in zehn Jahren. Eine Kostenanalyse der GKV-Ausgaben bei zwei Verteilungsmodellen zwischen Kassen- und Privatpatienten dokumentiert die Kostenlast der Praxen. Als Kalkulationsgrundlage einer Kostenrechnung ging der BvDU-Landesvorsitzende von 178 Euro Stundensatz im 70 – 30-Modell (GKV-vs. PKV-Anteil) sowie 190,71 Euro im 70 – 25-Verteilungsmodell aus. Das ist der errechnete Wert, den eine GKV-Praxisstunde im Durchschnitt an Kosten verursacht. Hier sind noch keine Arztkosten enthalten,

die pro Stunde bei 64,93 Euro liegen. Für die Mikrohämaturie einer 60-Jährigen sind dann 12,55 Minuten bzw. 13,40 Minuten verfügbar. Diese Zeiten umfassen den kompletten Patientenkontakt ohne Arzthonorar. Für Krebsvorsorge und BPH-Behandlung eines 55-jährigen Patienten bleiben rund 17 bzw. 18 Minuten übrig.  Ein Prostatakarzinompatient hat 62 bzw. 66 Minuten für ein komplettes Quartal und ohne Arztlohn bzw. Gehalt zur Verfügung.

Die Kalkulation des Stundensatzes in einer urologischen Praxis – abhängig vom Anteil der Privatmedizin. (Quelle: Dr. Markus Schöne, SWDGU-Vortrag 2025)
Die Kalkulation des Stundensatzes in einer urologischen Praxis – abhängig vom Anteil der Privatmedizin. (Quelle: Dr. Markus Schöne, SWDGU-Vortrag 2025)

Ambulantes Operieren wird zur Zukunftshoffnung

Unter dem Strich bleibt das das ambulante Operieren als einzige Zukunftsoption niedergelassener Urologen übrig. Allerdings seien erhebliche Investitionen für ambulante OP-Zentren notwendig. „Medizinische Versorgungszentren und Klinik-Praxis-Kooperationen sind Zukunftsmodelle. Dabei werden flexible Arbeitszeitmodelle wichtig“. Sein Fazit: „Alles hängt von ressourceeffizienten Strukturen ab.“

In der nächsten Woche folgt die klinische Sicht auf die Dinge aus der Perspektive von Chefarzt Prof. Markus Müller.

Bis dahin grüßt Sie herzlich

Ihr

Franz-Günter Runkel
Chefreporter UroForum

Bildquelle: privat

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Dr. Michael Stephan-Odenthal freut sich gemeinsam mit Kongresspräsidentin Dr. Eva Hellmis (M.) und einer Vertreterin der Industrie (l.) über den Richard-Berges-Preis. (Quelle: Franz-Günter Runkel)

Dr. Michael Stephan-Odenthal erhielt den Richard-Berges-Preis 2026

News

Beim 71. NRWGU-Jahreskongress in Essen wurde erstmals der Richard-Berges-Preis verliehen – eine neue Auszeichnung für herausragende ambulant tätige Urologinnen und Urologen. Erster Preisträger ist Dr. Michael Stephan-Odenthal aus Leverkusen, der mit wissenschaftlichem und berufspolitischem Engagement überzeugte. Der Preis erinnert an den 2017 verstorbenen Urologen Dr. Richard Berges.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Fachperson haelt einen Vortrag auf einem Kongress vor großem Publikum

JAKU 2026 – Kinderurologie-Jahrestagung in Mainz begeistert Fachpublikum

Fachartikel

Die JAKU 2026 in Mainz begeisterte rund 280 Fachärzte aus dem DACH-Raum mit einem vielfältigen Programm zu robotischer Chirurgie, Blasenfunktion und Andrologie. Erstmals wurde ein kostenfreier Einsteigerkurs für den Nachwuchs angeboten – mit überwältigendem Zuspruch. Ein Kongressbericht voller Highlights und wegweisender wissenschaftlicher Impulse.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Fachkraft bedient MRT Geraet mit digitaler Darstellung eines Skeletts als Symbol fuer die Prokomb Studie zur Diagnose von Prostatakrebs ohne Biopsie

MRT bei Prostatakrebs: PROKOMB-Studie zeigt sichere Diagnose ohne Biopsie

Fachartikel

Muss nach einem erhöhten PSA-Wert immer eine Biopsie folgen? Die PROKOMB-Studie zeigt: Ein hochwertiges MRT kann aggressiven Prostatakrebs mit 96 %iger Sicherheit ausschließen – und 41 % der Männer blieb eine Biopsie erspart. Dr. Charlie Hamm von der Charité Berlin erklärt die Studienergebnisse und deren Eingang in die aktuelle S3-Leitlinie.

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen