Urologie » Infektionen » Harnwegsinfektionen

»

Vesikoureteraler Reflux: Schützt Antibiotika-Therapie eigentlich vor Nierenschäden

vesikoureteraler Reflux

Vesikoureteraler Reflux: Schützt Antibiotika-Therapie eigentlich vor Nierenschäden

News

Urologie

Infektionen

Harnwegsinfektionen

2 MIN

Erschienen in: UroForum

Der vesikoureterale Reflux beruht auf einer angeborenen Störung der Harnwege. Das Krankheitsbild führt zu einer großen Anzahl von Harnwegsinfektionen, denen mit einer frühen prophylaktischen Antibiotikabehandlung vorgebeugt werden soll. Aber die Medaille hat zwei Seiten.

vesikoureteraler Reflux
Sollen Kinder mit einem vesikoureteralen Reflux prophylaktisch mit Antibiotika behandelt werden?  (Symbolbild © adobestock – MohamadFaizal)

Weniger bekannt sind die möglichen Nierenschäden, die aufgrund der langfristigen Behandlung nicht ausgeschlossen werden können. Giovanni Morello vom Ospedale Maggiore Policlinico in Mailand und Kollegen haben Daten im New England Journal of Medicine publiziert, die die Frage der Nierenschäden zumindest offenhalten. Die Harnwegsinfektionen können eine Pyelonephritis auslösen, die wiederum dauerhafte Nierenschäden auslösen kann.

Die europäische PREDICT-Studie hat die Auswirkungen der Antibiotikaprophylaxe jetzt näher betrachtet. Speziell ging es um Säuglinge, die noch keine Harnwegsinfektion erlitten hatten. An 39 Zentren in Europa – darunter Heidelberg und Köln in Deutschland – wurden 292 Babys im mittleren Alter von 3,4 Monaten auf eine Antibiotikaprophylaxe oder eine Kontrollgruppe randomisiert. Bei den Patienten war ein vesikoureteraler Reflux, Grad drei bis fünf, diagnostiziert worden. In der Prophylaxegruppe war Amoxicillin-Clavulanat das am häufigsten eingesetzte Antibiotikum (49,3 %).

In der zweijährigen Therapie- bzw. Beobachtungszeit kam es in der Antibiotikaprophylaxe-Gruppe bei 31 Kindern (21,2 %) zu einer Harnwegsinfektion gegenüber 52 Kindern (35,6 %) in der unbehandelten Gruppe. Die Hazard Ratio von 0,55 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,35 bis 0,86 signifikant.

In der Gruppe mit Antibiotikaprophylaxe wurden häufig Resistenzen festgestellt. In 16 von 31 Proben wurden Erreger gefunden, die auf mindestens zwei Antibiotika der ersten Wahl unempfindlich waren. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei neun von 52 Proben so. Die Rate Ratio betrug 2,98 (1,50 bis 5,92). Ein eindeutiger Vorteil für die Gesundheit der Nieren wurde wiederum nicht gesehen.

Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich nicht schließen, dass alle Kinder mit einem vesikoureteralen Reflux prophylaktisch mit Antibiotika behandelt werden sollten. Die US- und europäischen Fachgesellschaften empfehlen ebenfalls eher einen vorsichtigen selektiven Ansatz, bei dem die Entscheidung von Faktoren wie Alter und Geschlecht des Patienten, Schweregrad des vesikoureteralen Refluxes sowie einer Blasen- oder Darmfunktionsstörung bzw. Nierenvernarbung abhängig gemacht werde.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Illustration einer robotisch-assistierten Operation mit OP-Roboter und Konsole, Symbolbild fuer robotisch-assistierte urologische Chirurgie

Robotisch-assistierte urologische Chirurgie – Was sagt die aktuelle Studienlage?

Fachartikel

Robotisch-assistierte Chirurgie ist in der Urologie längst kein Trend mehr – sie ist Standard. Doch was sagt die aktuelle Studienlage wirklich? Prof. Ellinger fasst die Evidenz zu RARP, Nierenteilresektion und radikaler Zystektomie zusammen: perioperative Vorteile sind klar belegt, funktionelle Gewinne moderat – und stark von der Erfahrung des Operateurs abhängig.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Roboterassistiertes Operationssystem im OP, OP-Team im Hintergrund, Symbolbild fuer intraoperatives Fluessigkeitsmanagement bei RARP

Intraoperatives Flüssigkeitsmanagement: Komplikationen nach RARP

Fachartikel

Zu viel Infusion schadet – auch bei der roboterassistierten Prostatektomie. Eine Studie aus Bonn zeigt: Jeder zusätzliche ml/kg/h Flüssigkeitszufuhr erhöht das Lymphozelenrisiko um 14 %. Ein restriktives Volumenmanagement unter 7,73 ml/kg/h könnte eine einfache, kostenneutrale Maßnahme zur Reduktion postoperativer Komplikationen sein.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Patricia Rausch, Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, wurde für eine Arbeit zum muskelinvasiven Urothelkarzinom mit dem wissenschaftlichen Paul-Mellin-Preis ausgezeichnet. (Quelle: Franz-Günter Runkel)

Paul-Mellin-Preise 2026 gingen an Patricia Rausch und Dr. Konstantin Seifert

News

Auf dem 71. Jahreskongress der nordrhein-westfälischen Gesellschaft für Urologie in Essen wurden fünf wissenschaftliche Preise verliehen. Der Paul-Mellin-Preis gibt es in einer wissenschaftlichen und einer klinischen Version. Daneben werden drei Urolog*innen mit Posterpreisen ausgezeichnet.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen