Allgemeinmedizin » Herz und Kreislauf

»

Der Blutdruck soll im Alter nicht mit HCT therapiert werden: Eine Rationale

Eine Gesundheitsfachkraft misst den Blutdruck einer älteren Frau zu Hause.

Quelle: © Halfpoint – stock.adobe.com

Der Blutdruck soll im Alter nicht mit HCT therapiert werden: Eine Rationale

Fachartikel

Allgemeinmedizin

Herz und Kreislauf

mgo medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: internistische Praxis

Ältere Menschen sind oft Frailty-Patientinnen und -Patienten mit reduzierten Organreserven. Während Hydrochlorothiazid bei jüngeren Erwachsenen eine Standardtherapie bei Hypertonie ist, birgt es im Alter erhebliche Risiken: Elektrolytstörungen, Stürze, Hautmalignome und Nierenversagen. Regelmäßige Kontrollen und Deprescribing sind essenziell.

Einleitung

Ältere Menschen mit Hypertonie könnten meinen, dass Hydrochlorothiazid (HCT) ihnen besonders gut hilft. In Medikamentenkombinationen mit HCT steht jedenfalls ziemlich häufig ein Plus für HCT neben dem Namen des Medikaments. Auch in den Leitlinien zur Hypertoniebehandlung für Erwachsene fehlen Thiazide nicht, werden sogar als Basisbehandlung benannt. Das geschieht mit Recht. Durch HCT lassen sich bei Erwachsenen andere Antihypertensiva in der Dosis reduzieren. Umso erstaunlicher wirkt es, wenn HCT in geriatrischen Kliniken häufig abgesetzt wird. Man hält das für einen Irrtum und setzt es nach der Entlassung aus der stationären Behandlung nicht selten wieder an.

Das Beispiel HCT macht deutlich, dass Medikation im höheren Alter ebenso wenig identisch mit der Medikation im Erwachsenenalter wie mit der Medikation im Kindesalter ist. Das liegt zum Teil daran, dass der überwiegenden Zahl der Leitlinien Studien zugrunde liegen, die an 30- bis 70-Jährigen durchgeführt wurden. Verminderte Funktionsreserven von Organsysteme im höheren Lebensalter prädisponieren zu Nebenwirkungen und Komplikationen. Solche Funktionsreserven sind einerseits Ausschlusskriterien für Studien, sind aber andererseits bei alten Menschen regelhaft vorhanden.

Zusammenfassung

Hydrochlorothiazid (HCT) steht in Leitlinien. HCT ist bei Erwachsenen eine physiologisch sinnvolle medikamentöse Antwort auf die Hyperalimentation in unserer Gesellschaft. Aber in den Studien, die den Leitlinien zugrunde liegen, sind Menschen oft unterrepräsentiert, die sich nicht mehr so ernähren, wie es in Deutschland üblich ist.
HCT hat gerade bei diesen Menschen in der Daueranwendung Folgen, die nicht tolerabel sind:
1. Hyponatriämien und Dehydratationen begünstigen Schwindel, Stürze und Delirien
2. Hypokaliämien akzentuieren die schon durch die Exsikkose induzierte Obstipation und begünstigen das Auftreten von Herzrhythmusstörungen.
3. Basaliome, Plattenepithelkarzinome, selten auch Melanome
4. Nierenversagen mit Azidosen und schwer einzuschätzenden und therapieresistenten Elektrolytstörungen

Autorin und Autor: J. Schwab (†), B. Wissuwa

Zur cme-Fortbildung

Geschützte Inhalte gemäß Heilmittelwerbegesetz (HWG)

Die Inhalte dieser Seite unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz (HWG) und sind daher nur nach Anmeldung zugänglich. Bitte loggen Sie sich ein, um auf alle geschützten Informationen, Materialien und das exklusive E-Paper zugreifen zu können.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© weyo - stock.adobe.com

DIE ZAHL

News

579,5 Mrd. – auf diese Summe werden die Gesundheitsausgaben in Deutschland für 2025 auf der Basis bereits vorliegender Auswertungen geschätzt. Das entspräche einem erneuten deutlichen Anstieg von 41,3 Mrd EUR (7,7%) im Vergleich zu 2024.

Allgemeinmedizin

Sonstiges

Beitrag lesen
© Jelena - stock.adobe.com

Rheumatische Erkrankung: CAR-T-Zelltherapie schaltet kranke Immunzellen aus

News

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung (ERE), darunter auch seltene Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes (SLE), systemische Sklerose (SSc) und entzündliche Myositiden (IIM).

Allgemeinmedizin

Bewegungsapparat

Beitrag lesen
© bogdan vacarciuc - stock.adobe.com

Lyme-Borreliose: Impfstoffkandidat LB6V (VLA15) zeigt sehr gute Wirksamkeit

News

Lyme Borreliose ist in der nördlichen Hemisphäre die häufigste durch Vektoren übertragene Krankheit. Erreger sind Borrelia-Bakterien, die von infizierten Ixodes-Zecken auf den Menschen übertragen werden. Derzeit gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Das könnte sich laut einer Pressemeldung von Pfizer und Valneva bald ändern.

Allgemeinmedizin

Impfen und Infektionen

Beitrag lesen