Das deutsche Gesundheitswesen wird immer teurer, dennoch sind die positiven Effekte immer weniger spürbar. Wie kann das geändert werden? Unter dem Motiv „Gesundheit als ein Fundament der Demokratie“ wird beim 26. Eppendorfer Dialog über Lösungen diskutiert.
In Anbetracht des aktuellen politischen Themas und aus unserer Sicht aufgrund der Dringlichkeit, mögliche Reformen anzugehen, sind wir erstmals nach Berlin gegangen“, erklärt Prof. Dr. Achim Jockwig, Chairman der 2006 ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe und Vorstandsvorsitzender des Klinikums Nürnberg. Er bemerkte kritisch, dass bisherige Reformen oder Reformbemühungen nur einzelne Facetten aufgegriffen hätten. „Es bedarf jedoch (…) einer grundsätzlichen Revision.“
„Die Lage ist schon ziemlich ernst“, bestätigt Prof. Dr. Boris Augurzky, Gesundheitspolitischer Sprecher des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Der Gesundheitsökonom unterlegt seine Aussage mit Zahlen zur Finanzentwicklung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). So gibt Deutschland inzwischen mehr als 12 % des Bruttoinlandproduktes für Gesundheit aus, ohne dass dies zu einer signifikant höheren Lebenserwartung führt. Zugleich steigt der Beitragssatz in der GKV von einst 14 % auf heute 17 % plus x, und der Zusatzbeitrag tendiert mittlerweile gegen 3 %.
Selbstbehalt kontrovers diskutiert
Während Augurzky einen Selbstbehalt für die Versicherten in Höhe von maximal einem Prozent ihres Beitragssatzes ins Gespräch bringt, mahnt Karin Maag, Unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), Fairness im Solidarsystem an: „Der wichtigste Hebel ist eine von der Bevölkerung als gleichmäßig und gerecht empfundene Belastung aller Akteure des Gesundheitswesens bei den notwendigen Sparmaßnahmen.“ Auch ein von Augurzky vorgestelltes Regionalbudget mit mehr Regelungsverantwortung vor Ort und eine vom ehemaligen Helios-CEO Dr. Francesco De Meo, heute CEO des Med:On MVZ, vorgeschlagene Vernetzung der Sektoren unter „einem gemeinsamen, silofreien und flexiblen Budgetsystem“ werden in der Veranstaltung nicht als alleinige Lösung gesehen. Michael Hennrich, Geschäftsführer Politik bei Pharma Deutschland e.V., spricht sich zuerst einmal für Hebung von Effizienzreserven im System aus.
Gesamtreformpaket notwendig
„Dass wir Reformen brauchen ist keine Frage“, resümiert Tino Sorge, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Er berichtet über vorhandene Expertise dazu und in Arbeitsgruppen entwickelte Reformideen. Ein Erkenntnisdefizit gebe es nicht, sondern ein Umsetzungsdefizit, betont der CDU-/CSU-Bundestagsabgeordnete. Politik brauche allerdings Mehrheiten, wegen unterschiedlicher Player mit unterschiedlichen Meinungen komme man aber nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Als Problem stellt Sorge auch die Grenzen des Föderalismus dar, an die die Politik gebunden ist. So ist die Krankenhausplanung immer noch Ländersache. Aus Sicht von Sorge ist ein Gesamtreformpaket notwendig, das angesichts der enormen Kosten eine Priorisierung von Leistungen und die Lenkung von Patientenströmen beinhalten sollte. Darüber müsse diskutiert werden und jeder müsse mithelfen, damit sich etwas verändere.
Autorin: Cornelia Kolbeck
Quelle: 26. Eppendorfer Dialog zum Thema
„Gesundheit als ein Fundament der Demokratie“ am 02.12.2025, Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin. Veranstalter: Eppendorfer Dialog
(eppendorferdialog.de)
Abb.: Dilok / stock.adobe.com



