Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erreichte 2025 mit 799 gemeldeten Erkrankungen einen neuen Höchststand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Doch was viele nicht wissen: Die Erkrankung beschränkt sich längst nicht mehr auf die klassischen Endemiegebiete in Bayern und Baden-Württemberg. FSME breitet sich kontinuierlich nach Norden und Westen aus – und betrifft mittlerweile auch Regionen, die bislang als sicher galten.
Lange Zeit wurde FSME vor allem als regionales Problem der süddeutschen Bundesländer betrachtet. Dieses Bild hat sich grundlegend gewandelt.
Die aktuelle Epidemiologie zeigt: FSME ist keine lokal begrenzte Erkrankung mehr – sie ist eine bundesweite Herausforderung mit zunehmender geografischer Ausbreitung, alarmierend niedrigen Impfquoten und schweren neurologischen Verläufen. Und das häufig mit lebenslangen Folgen.
799 Fälle, 57 % mit neurologischen Komplikationen – die unterschätzte Gefahr
Was viele nicht wissen: Bei 57 % der 2025 gemeldeten Fälle traten neurologische Manifestationen wie Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis auf. Aktuelle Studien deuten sogar darauf hin, dass die tatsächliche Belastung durch ZNS-Symptome bei bis zu 84 % liegen könnte. Hinzu kommt: Das Risiko für schwere Verläufe und bleibende neurologische Schäden steigt ab dem 40. Lebensjahr signifikant an – und ist bei Männern insgesamt höher als bei Frauen.
Diese Zahlen verdeutlichen, warum FSME nicht länger als saisonales oder regionales Problem unterschätzt werden darf, sondern eine konsequente Präventionsstrategie erfordert – von der hausärztlichen Impfberatung über die Aufklärung über Risikogebiete bis hin zur differenzialdiagnostischen Wachsamkeit während der Zeckensaison.
Von Bayern bis Schleswig-Holstein – FSME kennt keine Grenzen mehr
Auch in der geografischen Ausbreitung hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Aktuell sind 185 Stadt- und Landkreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen – Tendenz steigend. Die Kerngebiete liegen weiterhin in Bayern (95 von 96 Kreisen), Baden-Württemberg (43 von 53 Kreisen), Südhessen, dem südöstlichen Thüringen und Sachsen. Doch die Ausbreitung nach Norden und Westen ist unübersehbar. Besonders spannend: 2026 kamen zwei neue Risikogebiete hinzu – der Landkreis Nordsachsen und der Stadtkreis Halle (Saale). Zudem traten 2025 bereits 40 Fälle außerhalb der ausgewiesenen Risikogebiete auf, darunter autochthone Einzelfälle in Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein – ein epidemiologisches Update, das die klinische Praxis nachhaltig verändern sollte.
Impfquoten zwischen 17 und 28 % – trotz 98 % ungeimpfter Erkrankter
Der zuverlässigste Schutz gegen FSME ist die Impfung. Die STIKO empfiehlt sie für alle Personen, die in Risikogebieten zeckenexponiert sind. Die Realität zeigt: 98 % der 2025 gemeldeten FSME-Erkrankten waren gar nicht oder unzureichend geimpft. Trotzdem liegen die Impfquoten in den Hauptrisikogebieten teilweise nur zwischen 17 % und 28 %. Besonders problematisch ist die Situation bei älteren Menschen – ausgerechnet der Gruppe mit dem höchsten Risiko für schwere Verläufe.
Was erwartet Sie im Fortbildungsbeitrag?
Dr. med. Markus Frühwein, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Allgemein- und Tropenmedizin, gibt in diesem Fortbildungsbeitrag einen fundierten und praxisnahen Überblick über den aktuellen Stand der FSME-Epidemiologie in Deutschland. Sie erfahren:
- Welche epidemiologischen Trends und Risikofaktoren für die hausärztliche Beratung 2026 relevant sind
- Wie sich die FSME-Risikogebiete verändert haben und warum FSME-Fälle auch außerhalb der ausgewiesenen Gebiete auftreten
- Warum bei entsprechender Symptomatik während der Zeckensaison überall in Deutschland differenzialdiagnostisch an FSME gedacht werden sollte
- Welche Impfschemata aktuell verfügbar sind und was sich bei der Schutzdauer geändert hat
- Warum die Impfquoten so kritisch niedrig sind und wie Sie Ihre Patientinnen und Patienten besser erreichen können
Dieser Beitrag liefert das notwendige Rüstzeug, um FSME in ihrer aktuellen Dimension zu verstehen – und Patientinnen und Patienten wirksam zu schützen.



