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Migrationshintergrund im Gesundheitswesen – Potenzial statt Hindernis

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Migrationshintergrund im Gesundheitswesen – Potenzial statt Hindernis

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mgo medizin Redaktion

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5 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Menschen mit Migrationshintergrund stoßen bei der Jobsuche auf erhebliche Hürden – auch im Gesundheitswesen. Eine aktuelle Studie zeigt: Bewerber mit nicht-deutschen Namen erhalten deutlich seltener Antworten auf ihre Bewerbungen. Dabei bietet gerade das Gesundheitswesen enorme Chancen, wenn Arbeitgeber dieses Potenzial erkennen und nutzen.

Diskriminierung bei Bewerbungen: Die Fakten aus der Studie

Wenn sich „Lukas Becker” um einen Ausbildungsplatz bewirbt, erhält er in zwei von drei Fällen eine Antwort. Bei „Yusuf Kaya” oder „Habiba Mahmoud” hingegen bleibt das Postfach oft leer. Die Studie der Universität Siegen liefert erstmals ein Ranking der Benachteiligung bei einem vermuteten Migrationshintergrund.

Wie stark werden Bewerber benachteiligt?

Die Forschenden führten einen Feldversuch mit fiktiven Bewerbungen durch. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede:

  • Lukas Becker (deutscher Name): 67 Antworten auf 100 Bewerbungen
  • Ivan Smirnov (russischer Name): 56 Antworten
  • Ariel Rubinstein (hebräischer Name): 54 Antworten
  • Yusuf Kaya (türkischer Name): 52 Antworten
  • Habiba Mahmoud (arabischer Name): nur 36 Antworten

Da alle Bewerberinnen und Bewerber identische Qualifikationen angaben, zeigt die Studie eindeutig: Herkunft schlägt Leistung.

Warum werden Bewerber mit Migrationshintergrund benachteiligt?

Die befragten Betriebe nannten verschiedene Befürchtungen als Gründe für die Benachteiligung:

  • Vermutete Sprachbarrieren
  • Kulturelle Distanz
  • Fehlende Aufenthaltsgenehmigungen
  • Befürchteter Mehraufwand im Umgang mit Behörden
  • Zusätzliche Bürokratie

Professor Dr. Ekkehard Köhler warnt: „Wir können es uns nicht leisten, Potenziale zu verschwenden. Besonders im Handwerk, das unter Nachwuchsmangel leidet, ist dies problematisch.”

Selbst bessere Qualifikationen helfen nicht

Die Siegener Ökonomin Dilara Wiemann betont: „Für die benachteiligten Bewerber sind die Ergebnisse eine Katastrophe, denn selbst deutlich bessere Schulnoten oder soziales Engagement ändern nichts daran, dass Herkunft Leistung schlägt.” Auch ein Engagement beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht” erhöht die Chancen nicht.

Warum das Gesundheitswesen von Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund profitiert

Gerade im Gesundheitswesen, das besonders hart um neue Mitarbeitende kämpft, können Arbeitgeber punkten, indem sie es besser machen. Menschen mit Migrationshintergrund bringen wertvolle Kompetenzen mit, die im Gesundheitswesen besonders gefragt sind.

Persönliche Erfahrungen schaffen Empathie

Viele Menschen mit Migrationshintergrund haben persönliche Erfahrungen mit den Herausforderungen des Gesundheitssystems gemacht – sei es in ihrem Herkunftsland oder im Aufnahmeland. Diese Erfahrungen prägen ihr Verständnis für Patientenbedürfnisse:

Empathie durch eigene Erlebnisse:

  • Sprachbarrieren: Sie wissen aus erster Hand, wie schwierig es sein kann, medizinische Informationen zu verstehen und eigene Bedürfnisse zu artikulieren
  • Kulturelle Unterschiede: Sie sind sich der Bedeutung kultureller Sensibilität im Umgang mit Krankheit, Schmerz und Behandlung bewusst
  • Diskriminierungserfahrungen: Eigene Erfahrungen mit Diskriminierung oder Vorurteilen im Gesundheitssystem können den Wunsch wecken, sich für eine gerechte und inklusive Versorgung einzusetzen

Brückenbauer-Funktion zwischen Kulturen

Menschen mit Migrationshintergrund sind oft kulturelle Brückenbauer. Im Gesundheitswesen können sie diese Fähigkeit auf vielfältige Weise einsetzen:

Konkrete Vorteile für die Patientenversorgung:

  • Sie können aktiv zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen
  • Diese Mitarbeitenden können medizinisches Personal für kulturelle Besonderheiten sensibilisieren
  • Sie helfen, Missverständnisse zu vermeiden und Vertrauen aufzubauen
  • Patientinnen und Patienten mit ähnlichem Hintergrund fühlen sich oft wohler und sicherer, wenn sie mit jemandem sprechen können, der ihre Kultur und Sprache versteht

Gesellschaftlicher Beitrag und persönliches Engagement

Ein starkes persönliches Engagement geht oft mit dem Bestreben einher, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten:

Motivation für das Gesundheitswesen:

  • Eine Tätigkeit im Gesundheitswesen ermöglicht es, Menschen direkt zu helfen und einen sichtbaren Unterschied im Leben Einzelner zu machen
  • Werden diese Personen in Führungspositionen oder in der Politik aktiv, können sie dazu beitragen, Strukturen und Prozesse des Gesundheitssystems zu optimieren
  • Durch ihr Engagement können sie andere mit Migrationshintergrund ermutigen, ebenfalls Berufe im Gesundheitswesen zu ergreifen

Integration durch sinnstiftende Arbeit

Die Arbeit in einem so zentralen Bereich wie dem Gesundheitswesen kann ein wichtiger Schritt zur eigenen Integration und zur Teilhabe an der Gesellschaft sein.

  • Integration und Vorbildfunktion
  • Werden diese Personen in Führungspositionen oder in der Politik aktiv, können sie dazu beitragen, Strukturen und Prozesse des Gesundheitssystems zu optimieren
  • Durch ihr Engagement können sie andere mit Migrationshintergrund ermutigen, ebenfalls Berufe im Gesundheitswesen zu ergreifen
  • Die Arbeit in einem so zentralen Bereich wie dem Gesundheitswesen kann ein wichtiger Schritt zur eigenen Integration und zur Teilhabe an der Gesellschaft sein

Wertschätzung, Vielfalt und interkulturelle Kompetenz

Der Gesundheitsbereich erkennt zunehmend, dass eine diverse Belegschaft entscheidend ist, um die Bedürfnisse einer multikulturellen Bevölkerung adäquat zu versorgen. Menschen mit Migrationshintergrund bringen oft von Natur aus eine hohe interkulturelle Kompetenz mit, die im Gesundheitswesen äußerst wertvoll ist.

Fazit: Chancen nutzen statt Potenziale verschwenden

Eine Tätigkeit im Gesundheitsbereich ist für persönlich stark engagierte Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur eine berufliche Chance, sondern oft auch eine Herzensangelegenheit, die tief in ihren persönlichen Erfahrungen und Werten verwurzelt ist. Insbesondere Facharztpraxen sollten sich dieses Potenzial an hoch engagierten Mitarbeitenden nicht entgehen lassen – und dafür sprechen nicht nur gute Argumente wie mehr Adhärenz und das Wohlbefinden von Patienten mit einem vergleichbaren Hintergrund oder ein diverseres Team. Spätestens der sich stetig verstärkende Personalmangel insbesondere im Gesundheitsbereich ist ein entscheidendes Argument, sich hier positiv von anderen Bewerbern abzugrenzen.

Sabine Mack

Literatur: Köhler et. al. Field experimental evidence on hiring discrimination in the German apprenticeship market. Juli 2025. Letzter Zugriff am 30. Juli 2025: https://ekkehard koehler.de/wp-content/uploads/2025/07/DP_HiringDiscrimination_28JUL2025.pdf

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