Damit Telemedizin im Alltag funktioniert, müssen digitale Diagnosetools zuverlässig arbeiten, auch unter schwierigen Bedingungen. Ein Forschungsteam der Universität Bielefeld hat jetzt untersucht, wie präzise moderne KI-Verfahren den Puls aus Videoaufnahmen des Gesichts schätzen können. Die Technik rPPG (remote Photoplethysmography), die als Zukunftstool der Telemedizin gilt, misst kleinste Farbveränderungen der Haut, die durch den Blutfluss entstehen. Sie soll Stress in Alltagssituationen automatisch erkennen. Doch die optische Pulsmessung auf Distanz zeigt deutliche Schwächen, sobald der Herzschlag steigt.
Die Forscher setzten bei ihrer Studie bewusst auf realitätsnahe Szenarien. Sie entwickelten einen eigenen Datensatz, der sowohl niedrige und hohe Herzraten als auch schlechte Lichtverhältnisse umfasst. Das Ergebnis: Während schwache Beleuchtung die automatische Messung kaum stört, bricht die Messgenauigkeit bei erhöhtem Puls stark ein. Einige moderne Verfahren liefern dann Werte, die für Anwendungen in der Telemedizin unbrauchbar sind.
Den Autoren zufolge hat rPPG großes Potenzial, aber die Methoden müssen robuster werden, um auch hohen Puls erkennen zu können bzw. auch bei schlechter Beleuchtung oder für Menschen mit dunkler Hautfarbe zu funktionieren.
Literatur: Acharya B et al. npj Digital Medicine 8: 744. DOI: https://doi.org/10.1038/s41746-025-02192-y.
Quelle: Pressemitteilung Universität Bielefeld / Technische Fakultät, Forschungsgruppe Human-Centered Artificial Intelligence



