Blutverdünner dienen in der Dermatologie aktuell primär dem Risikomanagement bei Eingriffen. Neue Daten deuten nun darauf hin, dass sie aktiv das Gesamtüberleben bei Hautkrebs verbessern könnten.
Bisher werden Blutverdünner bei Tumorpatienten in der Dermatologie primär unter dem Aspekt des Risikomanagements betrachtet, z. B. für das Blutungsrisiko bei Biopsien oder Operationen. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass entsprechende Medikamente nicht nur Gerinnsel verhindern, sondern möglicherweise aktiv das Gesamtüberleben verbessern könnten.
Die Analyse deutet auf eine potenzielle Synergie zwischen der kardiovaskulären Gesundheit und der Behandlung von Melanom-Patienten hin. Es wurde untersucht, ob Antithrombotika bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom möglicherweise das Ansprechen auf eine zielgerichtete Therapie (BRAF- und MEK-Inhibitoren) unterstützen können. Die Untersuchung basierte auf Daten von 1.296 Patienten des ADOReg-Registers mit BRAF-mutiertem Melanom in den Stadien III-IV. Untersucht wurde, ob Patienten, die diese Medikamente bereits aufgrund anderer Indikationen einnahmen, bessere Überlebenschancen aufwiesen. Die Daten zeigten statistisch signifikante Zusammenhänge bei Patienten, die während ihrer zielgerichteten Therapie zusätzlich Antithrombotika erhielten: In dieser Patientengruppe wurde eine statistische Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens beobachtet. Die Auswertung ergab für diese Patienten ein um rechnerisch 45 % geringeres Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung im ersten Jahr. Das Sterberisiko war in dieser Gruppe statistisch um 65 % reduziert. Der deutlichste Zusammenhang zeigte sich bei der Verwendung von Faktor-Xa-Inhibitoren. Trotz der beschriebenen Ergebnisse betonen die Autoren ausdrücklich, dass daraus keine allgemeine Empfehlung zur Einnahme von Blutverdünnern für Melanom-Patienten abgeleitet werden kann, denn die Anwendung von Antikoagulanzien ist mit ernsthaften Risiken, insbesondere inneren Blutungen, verbunden.
Redaktion (sma)
Quelle: Sandfort, M. et al. (2024). Eurosurveillance, 29(10), 2300407.



