Mit dem Projekt „SunPass – Gesunder Sonnenspaß für Kinder“ bringt die Bayerische Krebsgesellschaft e.V. Hautkrebsprävention dorthin, wo Kinder besonders gut lernen: in Kindertagesstätten.
Das Ziel ist einfach und wirksam zugleich: Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte sollen Sonnenschutz als selbstverständlichen Teil des Alltags begreifen
Warum das Projekt für die Dermatologie relevant ist
Für Fachärzte in der Dermatologie ist das Projekt „SunPass“ deshalb so relevant, weil es die klinische Evidenz in die Breite der Gesellschaft trägt. Angesichts einer Verdopplung der Hautkrebsneuerkrankungen alle 10 bis 15 Jahre und einer massiven Zunahme stationärer Behandlungen bietet das Projekt eine effektive Form der Primärprävention. Da Sonnenbrände im Kindesalter das Risiko für ein malignes Melanom um das Zwei- bis Dreifache erhöhen können, fungiert „SunPass“ als verlängerter Arm der dermatologischen Aufklärung. Es entlastet langfristig das Gesundheitssystem, indem es gesundheitsförderliche Routinen dort etabliert, wo das Lernpotenzial am größten ist.
Wenn Kinder im Sommer nach draußen stürmen, geht es meistens um Sandkasten, Klettergerüst, Wasserpumpe oder Ballspielen. An Sonnencreme, Kopfbedeckung, UV-Index oder Schattenplätze denken sie dabei nicht. Genau deshalb sind Erwachsene gefragt, denn Kinderhaut ist besonders empfindlich. Sie ist anders aufgebaut als die Haut von Erwachsenen und reagiert sensibler auf UV-Strahlung. Was heute wie ein harmloser Sonnenbrand aussieht, kann Spuren hinterlassen, die erst viele Jahre später gesundheitliche Folgen haben.
Dass Sonnenschutz mehr ist als eine sommerliche Alltagspflicht, zeigen die Zahlen: Hautkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2023 rund 27.430 Menschen in Deutschland neu am malignen Melanom, dem sogenannten schwarzen Hautkrebs. Hinzu kamen geschätzt knapp 243.000 Neuerkrankungen an nicht-melanotischem Hautkrebs, der umgangssprachlich als heller Hautkrebs bezeichnet wird. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz weist auf die langfristige Entwicklung hin: Demnach verdoppelt sich die Zahl der Hautkrebsneuerkrankungen in Deutschland alle 10 bis 15 Jahre.
Krankenhausdaten spiegeln diese Entwicklung ebenfalls wider. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2023 rund 116.900 Menschen mit der Diagnose Hautkrebs stationär behandelt – 87,5 Prozent mehr als 2003. Vor diesem Hintergrund wird Prävention immer wichtiger, auch weil aktuell viel über Einsparungen im Gesundheitswesen und mögliche Streichungen von Vorsorgeleistungen diskutiert wird.
Medizinische Früherkennung bleibt wichtig. Doch Hautschutz beginnt im Alltag. Wer Kinder schon im Kindergartenalter an Sonnenhut, Schatten, geeignete Kleidung, Sonnencreme und den Blick auf den UV-Index gewöhnt, stärkt ihre Hautgesundheit heute und legt zugleich die Grundlage für ein gesundheitsbewusstes Verhalten im späteren Leben. Genau hier setzt SunPass an, denn gerade im Kindesalter entscheidet sich viel. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist auf dem Portal www.kindergesundheit-info.de darauf hin, dass Kinderhaut konsequent vor UV-Strahlung geschützt werden muss. Zu viel UV-Strahlung in jungen Jahren erhöht später das Risiko für Hautkrebs. Sonnenbrände in der Kindheit können das Risiko für schwarzen Hautkrebs sogar um das Zwei- bis Dreifache erhöhen.
Die Kita als idealer Lernort
Das Projekt „SunPass – Gesunder Sonnenspaß für Kinder“ der Bayerischen Krebsgesellschaft richtet sich an Kindertageseinrichtungen in Bayern und unterstützt sie dabei, wirksamen Sonnenschutz dauerhaft im Kita-Alltag zu verankern. Kitas, die die vereinbarten Maßnahmen umsetzen, werden als „Sonnenschutz-Kita“ ausgezeichnet.
Der Ansatz ist so naheliegend wie wirkungsvoll: Rund 90 Prozent der bayerischen Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen eine Kita. Für viele ist sie neben dem Elternhaus der wichtigste Lern- und Lebensort. Dort verbringen Kinder einen großen Teil ihres Tages, dort spielen sie im Freien, beobachten Erwachsene und übernehmen Routinen. Genau deshalb eignet sich die Kita besonders gut, um Sonnenschutz früh, spielerisch und ohne Angst vor der Sonne einzuüben.
Das Projekt wurde ursprünglich von der European Skin Cancer Foundation (ESCF) entwickelt und von den Landesverbänden der Deutschen Krebsgesellschaft bundesweit adaptiert. Die Bayerische Krebsgesellschaft hat SunPass nach Bayern geholt und begleitet die teilnehmenden Einrichtungen fachlich. Ziel ist es nicht, Kindern den Spaß am Draußensein zu nehmen. Im Gegenteil: Es geht darum, unbeschwertes Spielen im Freien möglich zu machen – mit klugen Schutzmaßnahmen, die Kinder verstehen und mittragen können.
Sonnenschutz wird sichtbar
Ein zentrales Element des Projekts ist die sogenannte Sonnenschutzecke. Sie wird in der Kita sichtbar platziert, häufig im Eingangsbereich, und gemeinsam mit den Kindern gestaltet. Dort soll zum Beispiel der tagesaktuelle UV-Index ausgehängt werden. Die Kinder sehen anhand von Bildern oder Symbolen, welche Schutzmaßnahmen heute wichtig sind: Sonnenhut, langärmelige Kleidung, Sonnencreme, Schatten oder eine Pause in der Mittagszeit.
Der UV-Index ist dabei ein wichtiger Orientierungspunkt. Schon ab einem UV-Index von 3 ist Sonnenschutz erforderlich, ab 8 absolut notwendig. In Deutschland können im Juni und Juli Werte bis 10 auftreten, im Hochgebirge sogar bis 12. Besonders hoch ist die UV-Strahlung meist zwischen 11 und 15 Uhr. Für Kinder wird daraus kein abstraktes Gesundheitsprogramm, sondern ein tägliches Ritual: Wie ist heute die Sonne? Was braucht meine Haut? Habe ich meinen Hut? Sind Nase, Ohren und Nacken eingecremt? Manche Kitas entwickeln daraus kleine Spiele, Morgenkreis-Runden, Lieder, Bildergeschichten oder sogar einen „Eincreme-Führerschein“. So lernen Kinder, worauf es ankommt, und nehmen das Wissen mit nach Hause.

Im Fokus: Sensibilisierung von Fachkräften und Eltern
„SunPass richtet sich nicht nur an Kinder. Ein wesentlicher Teil des Programms ist die Sensibilisierung von Erzieherinnen und Erziehern sowie der Eltern. Denn Kinder lernen vor allem durch Vorbilder“, erklärt Sofie Langmeier, Leiterin des SunPass-Projekts in Bayern. Wenn pädagogische Fachkräfte selbst auf Kopfbedeckung, Schatten und Sonnenschutz achten, wird das Thema glaubwürdig. Und wenn Eltern morgens daran denken, ihr Kind eingecremt und mit geeigneter Kleidung in die Kita zu bringen, kann Sonnenschutz im Alltag funktionieren.
Die Bayerische Krebsgesellschaft unterstützt die Einrichtungen mit einem Webinar zum Projektstart, einer Checkliste, einer Sonnenschutzvereinbarung, Vorschlägen für Aktivitäten mit den Kindern, einem E-Learning-Angebot und einem Online-Vortrag eines erfahrenen Kinderdermatologen. Auch eine kuratierte Linkliste mit verlässlichen Informationsquellen gehört zum Angebot.
Besonders wichtig ist dabei die praktische Umsetzbarkeit. „Sonnenschutz darf im Kita-Alltag nicht kompliziert sein. Er muss in Routinen passen: morgens eincremen, Ersatzkappen bereithalten, Schattenplätze prüfen, Aktivitäten im Freien zeitlich planen, Wasserpausen ermöglichen und bei hoher UV-Belastung die direkte Sonne meiden“, so Langmeier.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) empfiehlt auf dem Portal www.kindergesundheit-info.de, Kinder konsequent vor UV-Strahlung zu schützen: durch Schatten, geeignete Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30. Der UV-Index hilft dabei, die tägliche Belastung einzuschätzen; ab einem UV-Index von 3 sind Schutzmaßnahmen erforderlich. Für Kitas wird zudem empfohlen, Kinder spielerisch für Sonnenschutz zu sensibilisieren, ausreichend Schatten bereitzustellen und die pralle Sonne, besonders zwischen 11 und 15 Uhr, zu meiden.
Vom Projekt zur ausgezeichneten Sonnenschutz-Kita
Der Weg zur Auszeichnung ist klar strukturiert. Die Kitas prüfen zunächst anhand einer Checkliste und einer Sonnenschutzvereinbarung, wo sie stehen: Gibt es ausreichend Schatten? Werden Kinder und Eltern informiert? Gibt es Regeln für Kopfbedeckung und Kleidung? Wird das Eincremen organisiert? Ist Sonnenschutz Teil der pädagogischen Arbeit?
Anschließend entwickeln die Einrichtungen geeignete Sonnenschutzmaßnahmen, setzen die Verbesserungen um und dokumentieren ihre Aktivitäten. Zum Projektabschluss im Herbst laden sie eine ausgefüllte Checkliste, einen strukturierten Bericht und ein Foto der Sonnenschutzecke hoch. Auf dieser Grundlage vergibt die Bayerische Krebsgesellschaft das Zertifikat. Es gilt zwei Jahre, danach ist eine vereinfachte Rezertifizierung möglich.
Aufgrund der stärkeren Digitalisierung des Projekts können deutlich mehr Kitas erreicht werden. Gerade in einem Flächenland wie Bayern ist das entscheidend. Statt ausschließlich auf Vor-Ort-Termine zu setzen, nutzt SunPass digitale Formate, bleibt aber persönlich ansprechbar. Die Projektleitung begleitet die Einrichtungen während des Projektzeitraums und steht für Fragen zur Verfügung. Seit der Umstellung haben bereits 100 Kitas am Projekt teilgenommen.

Prävention als Teil der Arbeit der Bayerischen Krebsgesellschaft
SunPass ist ein Beispiel dafür, wie die Bayerische Krebsgesellschaft Prävention versteht: früh ansetzen, verständlich informieren und Menschen in ihrem Alltag erreichen. Die Organisation unterstützt seit 1925 Menschen mit Krebs und deren Angehörige in Bayern. Heute ist sie mit 13 Psychosozialen Krebsberatungsstellen und 28 Außensprechstunden im Freistaat vertreten.
Dort beraten psychoonkologisch qualifizierte SozialpädagogInnen und PsychologInnen Betroffene und Angehörige in psychischen und sozialen Fragen – kompetent, vertraulich und kostenfrei. Ergänzt wird diese Arbeit durch Vorträge, Kurse, medizinische Fragestunden, die Unterstützung von rund 150 Selbsthilfegruppen, Versorgungsforschung, Fortbildungen für onkologische Fach- und Pflegekräfte sowie Aufklärung zu Krebsfrüherkennung und Prävention. Damit verbindet die Bayerische Krebsgesellschaft zwei Perspektiven: Sie hilft Menschen, wenn Krebs bereits in ihr Leben getreten ist. Und sie engagiert sich dafür, vermeidbare Risiken frühzeitig zu reduzieren. Hautkrebsprävention in Kitas ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Denn Kinder, die früh lernen, sich vor zu viel UV-Strahlung zu schützen, profitieren von diesem Wissen ein Leben lang.
Mitmachen erwünscht!
Interessierte Kindertageseinrichtungen können sich bei der Bayerischen Krebsgesellschaft über das Projekt informieren und für SunPass anmelden. Das Angebot ist für teilnehmende Kitas kostenlos. In Bayern wird SunPass mit freundlicher Unterstützung der IKK classic, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, des Landesverbands der Kommunalen Unfallversicherung Bayern, der Bayerischen Landesunfallkasse sowie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege umgesetzt.
Korrespondenzadresse
Kontakt Projektleitung SunPass:
Bayerische Krebsgesellschaft e.V.
Sofie Langmeier
E-Mail: sunpass@bayerische-krebsgesellschaft.de Mobil: 0175 – 41 303 45

Literatur (APA-Stil, 7. Auflage):
- Bundesamt für Strahlenschutz. (o. D.). Was ist der UV-Index?
- Bundesamt für Strahlenschutz. (o. D.). Warum Schutz vor UV-Strahlung?
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). (o. D.). Sonne und Kinderhaut. kindergesundheit-info.de.
- Robert Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten. (2025). Krebs in Deutschland 2021–2023 (Ausgabe 2025).
- Statistisches Bundesamt. (2025). Krankenhausbehandlungen wegen Hautkrebs binnen 20 Jahren um 87,5 Prozent gestiegen (Zahl der Woche).




