Die Verringerung vermeidbarer UV-Exposition ist ein wichtiger Pfeiler im Kampf gegen Hautkrebs über alle Altersgruppen hinweg. Welche Maßnahmen gibt es, um dieses Wissen zu verbreiten? Wie wird Prävention unter anderem auch nach einer Krebserkrankung umgesetzt? Und welche Rolle spielt ein Östrogenrezeptor bei der Krebsentstehung?
Trotz jahrzehntelanger Aufklärung über den notwendigen Schutz vor ultravioletter (UV)-Strahlung steigen die Erkrankungsraten bei nicht-melanozytärem Hautkrebs und Melanomen – vor allem bei hellhäutigen Bevölkerungsgruppen in Europa, den Vereinigten Staaten und Australien – weiter an (1). Laut Daten des Barmer -rztreports haben sich die Melanom-Zahlen in Deutschland seit dem Jahr 2005 mehr als verdoppelt und beim hellen Hautkrebs nahezu verdreifacht (2). Daher stellt die Hautkrebsprävention nach wie vor eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar.
Umso mehr verwundert es, dass das gesetzliche Hautkrebsscreening (HKS) nun auf dem Prüfstand der Finanzkommission des Bundesministeriums für Gesundheit steht (3). Es gebe demnach für die anlasslose Ganzkörper-Früherkennung von Hautkrebserkrankungen keine belastbare Evidenz und damit folglich auch keinen entsprechenden Patientennutzen. Dem widersprechen die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), die Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs (NVKH), die AG Dermatologische Prävention (ADP) und die AG Dermatologische Onkologie (ADO) entschieden (4): Das HKS sei hochwirksam und internationale wissenschaftliche Studien zeigen, dass durch das Screening Hautkrebs in deutlich früheren Stadien festgestellt werde. Dadurch hätten die Betroffenen eine günstigere Prognose und eine verbesserte Überlebenswahrscheinlichkeit. Zudem verteuere eine späte Diagnose die therapeutische Versorgung (4).
Auf die Botschaften kommt es an
Angesichts der aktuellen Diskussion rückt das Thema Hautkrebsprävention umso mehr in den Fokus. Eine Task Force der European Association of Dermato Oncology (EADO) entwickelt aktuell eine evidenzbasierte, international anpassbare Informationsbroschüre für Patientinnen und Patienten, um die Wirksamkeit und Verbreitung von Botschaften zum UV-Schutz zu verbessern [1]. Es ist laut den Autorinnen und Autoren notwendig, die Einstellung der Öffentlichkeit zur UV-Strahlung durch maßgeschneiderte, kultursensible Kommunikationsstrategien zu verändern. Dieser Wandel soll durch die Verbreitung der Broschüre über Fachkanäle und das Internet gefördert werden. Langfristige Auswirkungen erfordern zudem Maßnahmen auf politischer Ebene, wie beispielsweise die Schaffung von mehr öffentlichen Schattenplätzen und die Regulierung von Sonnenstudios (1). Der Kommunikationsschwerpunkt liegt darauf, Sonnenbäder und das Bräunen zu vermeiden und sich durch Kleidung vor UV-Strahlung zu schützen und Schatten aufzusuchen. Erst an dritter Stelle steht die Verwendung von Sonnenschutzmitteln. Je nach UV-Index wird ein entsprechender Sonnenschutz empfohlen.
Die Hürden bei der Umsetzung bleiben weiterhin hoch: So wird eine sonnengebräunte Haut nach wie vor mit dem Attribut „gesund“ assoziiert. Hinzu kommen Vorbehalte hinsichtlich einer unzureichenden Vitamin-D-Synthese durch Sonnenschutz. Nicht zu vernachlässigen ist zudem der Kostenfaktor von Sonnencremes. Zu guter Letzt ist es wichtig ist zu bedenken, dass selbst das Wissen um die Risiken von UV-Strahlung nicht sofort zu einer entsprechenden Verhaltensänderung führt.
Ist Sonne nur am Strand schädlich?
Ein wichtiger Punkt bei der Aufklärung zum Thema UV-Schutz ist, dass Sonnenschutz nicht nur während des Badeurlaubs im Sommer wichtig ist, sondern bei jeglicher Aktivität im Freien: Eine Befragung von 1.288 Familien aus Italien mit Kindern zwischen acht und zehn Jahren ergab, dass 53 % im Urlaub an Tagen mit typischer Sonneneinstrahlung mehr als einmal täglich Sonnenschutz auftragen (5). 72 % berichteten jedoch, dass sie im Alltag bei Aufenthalt im Freien keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen ergreifen. Da die meisten Familien nicht mehr als zwei Wochen Urlaub pro Jahr machen, sind sie bei Outdoor-Aktivitäten während etwa 97 % des Jahres ohne ausreichenden Schutz. Dies unterstreicht laut den Forschenden, dass gezieltere Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen erforderlich sind, die die Bedeutung von Sonnenschutzmaßnahmen in verschiedenen Umgebungen, einschließlich städtischer Gebiete und ganzjähriger Aktivitäten, hervorheben.
Sonnenschutz nach Melanom – durch die Erkrankung gelernt?
Durch die Fortschritte in der Immuntherapie und zielgerichteten Therapie des Melanoms gibt es immer mehr Langzeitüberlebende. Wie steht es bei diesen Personen und deren Angehörigen um das Thema UV-Schutz? Trotz ihres familiären Risikos für Hautkrebs wenden minderjährige Kinder von Hautkrebsüberlebenden die empfohlenen Sonnenschutzmaßnahmen oft nicht konsequent an und sind einer hohen UV-Strahlung ausgesetzt, die zu Sonnenbrand führt, wie Daten aus den USA zeigen (6). In dieser Risikogruppe geben nur 28 % der Eltern an, dass ihre Kinder im Freien konsequent langärmelige Oberteile tragen, 9–30 % berichten, dass ihr Kind einen Hut trägt, und 23–45 % geben an, dass ihre Kinder es vermeiden, sich während der Stunden mit der höchsten UV-Strahlung im Freien aufzuhalten. Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln ist hingegen weiterverbreitet: 69–79 % der Eltern in diesem Kollektiv geben an, dass sie ihre Kinder regelmäßig entsprechend eincremen. Die FLARE-Studie untersuchte das Sonnenschutzverhalten im Rahmen einer doppelarmigen, randomisiert kontrollierten Studie mit 368 Teilnehmerpaaren, bestehend aus einem Elternteil, das ein Melanom überlebt hat, und dessen leiblichem Kind im Alter von 8 bis 17 Jahren (6). Es bestand demnach ein positiver Zusammenhang zwischen Sonnenschutz- und Bräunungsverhalten sowie dem Auftreten von Sonnenbrand bei Überlebenden und ihren Kindern, was darauf hindeutet, dass es sowohl bei Schutz- als auch bei Risikoverhalten zu einer gegenseitigen Nachahmung zwischen Eltern und Kindern kommen könnte oder dass gemeinsame Umwelteinflüsse im familiären Umfeld Schutz- und Risikoverhalten sowie Folgen wie Sonnenbrand beeinflussen.
Was das wahrgenommene Risiko für die Entstehung eines Melanoms betrifft, so schätzten die Eltern das erhöhte Risiko für sich selbst und ihre Kinder zutreffend ein. Die Kinder schienen diese Einschätzung ihres erhöhten Melanom-Risikos jedoch im Durchschnitt nicht zu teilen (6).
Krebs im Kindesalter – erhöhtes Hautkrebsrisiko
Bei Überlebenden von Krebserkrankungen im Kindesalter erhöhen Behandlungen wie Strahlentherapie, bestimmte Chemotherapien (z. B. Alkylierungsmittel oder Bleomycin) und hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT) das Risiko für Basalzell- und Plattenepithelkarzinome (7) sowie für Melanome (8). Strahlentherapie kann epitheliales und vaskuläres Endothelgewebe schädigen, was zu anhaltendem oxidativem Stress und chronischen Entzündungen führt, die die langfristige Hautregeneration beeinträchtigen [9]. Neurotoxische Chemotherapien begünstigen dauerhafte Veränderungen der sensorischen Nervenfunktion der Haut, was möglicherweise die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlung beeinträchtigt (10). Bei diesem Patientenkollektiv ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Melanom zu erkranken, doppelt so hoch wie bei Gleichaltrigen ohne Krebserkrankung in der Vorgeschichte (11), und sie haben bereits im jungen Erwachsenenalter ein 30-fach höheres Risiko, ein Basalzellkarzinom zu entwickeln. Ein Auswertung von Daten der Swiss Childhood Cancer Survivor Study (SCCSS) zeigte nun die Prävalenz und die prädiktiven Faktoren für Sonnenschutz, Sonnenbrand und ärztliche Hautuntersuchungen bei Überlebenden von Krebs im Kindesalter in der Schweiz (12): Die Prävalenz von Sonnenbrand war trotz guter Sonnenschutzmaßnahmen hoch. Nur wenige Personen, die aufgrund ihrer Behandlungsgeschichte einem erhöhten Hautkrebsrisiko ausgesetzt sind, nehmen an den von der Children’s Oncology Group empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen teil. Medizinisches Fachpersonal sollte jährliche Vorsorgeuntersuchungen nach einer Strahlentherapie oder einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation systematisch in die Nachsorge integrieren und zu konsequentem Sonnenschutz anhalten, insbesondere bei Kindern und Heranwachsenden.
Östrogen-Rezeptor als Schutz vor SCC?
Männer haben im Vergleich zu Frauen ein höheres Risiko, an einem Plattenepithelkarzinom der Haut (SCC) zu erkranken. Eine Forschungsgruppe aus der Schweiz untersuchte nun diesen Geschlechterunterschied mittels eines UV-induzierten SCC-Modells bei haarlosen Mäusen (13): Während UV-induzierte DNA-Schäden bei beiden Geschlechtern ähnlich waren, zeigten sich geschlechtsspezifische Reaktionen bei der Proliferation und Differenzierung der Epidermis. Eine umfassende Transkriptionsprofilierung identifizierte E2F-Transkriptionsfaktoren als zentrale geschlechtsspezifische Marker der proliferativen Reaktion auf UV-Strahlung. E2F1/2 und ihr Zielgen CDKN3 werden nach UV-Exposition in der Epidermis weiblicher Mäuse und Menschen selektiv herunterreguliert, was durch Östrogen-Rezeptoren vermittelt wird. Ein CDKN3-Mangel beeinträchtigt den Übergang von SCC-Zellen in die S-Phase und verringert das Tumorwachstum in Xenotransplantat-Modellen. In Übereinstimmung damit tritt eine niedrige CDKN3-Expression bei Kopf-Hals-SCC ausschließlich bei weiblichen Patientinnen auf und korreliert mit einer besseren Prognose. Laut den Forschenden sei dies ein relevanter Mechanismus, der Frauen vor der Entstehung von SCC schützt, was zu besseren geschlechtsspezifischen Präventions- und Therapiestrategien führen könnte (13).
Martha-Luise Storre
Literatur:
- Brochez, L., et al. (2026). Messages for ultraviolet-radiation protection to fair-skinned populations. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 40(4), 576–582.
- Grobe, T. G., Vanella, P., & Szecsenyi, J. (2025). BARMER Arztreport 2025: Hautkrebs – Häufigkeit und Risikofaktoren. BARMER. https://www.barmer.de/resource/blob/1304174/8ffe6e343ad9e082581bbb6911e74023/dl-arztreport-2025-data.pdf
- Bundesministerium für Gesundheit. (2026, 30. März). Erster Bericht der FinanzKommission Gesundheit. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/F/FinanzKommission_Gesundheit/FinanzKommissionGesundheit_Erster_Bericht_20260330.pdf
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft [DDG]. (2016, 14. April). Hautkrebsscreening auf dem Prüfstand der Finanzkommission: Verbände widersprechen – Statt Einsparung droht Kostenanstieg für Diagnostik und Therapie bei Hautkrebs [Pressemitteilung]. https://derma.de/presse/detail/hautkrebsscreening-auf-dem-pruefstand-der-finanzkommission-verbaende-widersprechen-statt-einsparung-droht-kostenanstieg-fuer-diagnostik-und-therapie-bei-hautkrebs
- De Giorgi, V., et al. (2026, 3. März). Melanoma risk awareness and sun-protective behavior: Does the sun only hurt on the beach? A cross-sectional survey on 1288 families of a Mediterranean population. Dermatology Reports.
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