Dermatologie » Infektionen

»

Besser kommunizieren rund um die HPV-Impfung

Person zeigt Oberarm mit HPV-Pflaster nach Impfung – besser kommunizieren rund um die HPV-Schutzimpfung

Quelle: © Kt Stock – stock.adobe.com

Besser kommunizieren rund um die HPV-Impfung

News

Dermatologie

Infektionen

mgo medizin Redaktion

Verlag

7 MIN

Erschienen in: DermaForum

Humane Papillomviren werden meist über sexuellen Kontakt übertragen und gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Bei der Kommunikation der Impfmöglichkeiten gerade gegenüber den Eltern gilt es, auf die passenden Formulierungen zu achten.

Humane Papillomviren können Genitalwarzen oder Krebsvorstufen verursachen. Damit ein hoch wirksamer Impfschutz möglich ist, soll die HPV-Impfung idealerweise vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren ist die HPV-Impfung empfohlen. Wenn es um HPV und die HPV-Impfung geht, sprechen Ärztinnen und Ärzte häufig vor allem über Krebsvorstufen, die bei Männern und Frauen zu HPV-assoziierten Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs, Vulva-, Vaginal- und Analkarzinom, Peniskarzinom und Kopf- und Halstumoren führen. „Über den Schutz vor HPV-Typen zu sprechen, von denen man sicher weiß, dass sie krebserregend sind, ist wichtig. Aber die Viren sind darüber hinaus auch für die Entstehung von Warzen wie den Genitalwarzen verantwortlich“, sagt Prof. Norbert Brockmeyer, Dermatologe und Präsident der Deutschen STI Gesellschaft (DSTIG). Letztere sind auch unter dem Namen Feigwarzen (medizinisch Condylomata acuminata) bekannt und gelten als die häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten weltweit. 90% der Genitalwarzen werden von den Niedrigrisiko-HPV-Typen 6 und 11 verursacht, andere HPV-Typen sind dagegen mit den genannten Krebserkrankungen assoziiert. Von Feigwarzen sind beide Geschlechter betroffen. Die Übertragung des hochansteckenden Erregers läuft über den Haut-zu-Haut-Kontakt im Genital- oder Rachenbereich. „Kondome bieten nur einen begrenzten Schutz, da die Viren auch über infizierte Hautareale außerhalb des Kondoms übertragen werden können“, erklärt Brockmeyer.

Da es keine Meldepflicht gibt, werden keine routinemäßigen Daten zur HPV-Krankheitslast in Deutschland erhoben. Folgt man europäischen Daten, lässt sich sagen, dass bei etwa 1-2% aller sexuell aktiven Erwachsenen zwischen dem 15. und 49. Lebensjahr Feigwarzen nachgewiesen werden können. Wenn die schwer erkennbaren subklinischen Verläufe mit einbezogen werden, erhöht sich der Anteil auf bis zu 5%.

Wie bei allen anderen Warzen gibt es auch bei den Feigwarzen eine Selbstheilungsrate, die Expertinnen und Experten zufolge zwischen 25-67% liegt. Wenn Genitalwarzen nicht von allein verschwinden, ist eine Therapie nötig. Die Behandlung von Genitalwarzen ist oft langwierig und kann für die Patientinnen und Patienten belastend sein. Neben der Kryotherapie (die Genitalwarze wird mittels flüssigen Stickstoffs entfernt), der Laserablation (durch energiereiche Laserimpulse wird das betroffene Gewebe verdampft) oder chirurgischen Maßnahmen gibt es neuere Medikamente wie Imiquimod, die immunmodulatorisch wirken. „Eine Therapie mit einem solchen Lokaltherapeutikum ist gut wirksam, erfordert aber Geduld und einen langen Atem: Über viele Wochen muss die Creme mehrmals pro Woche aufgetragen werden“, erklärt Professor Dr. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal und Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Die Abheilungsrate bei der Therapie mit Imiquimod beträgt zwischen 16 und 50%, weshalb die Therapieoptionen oft kombiniert werden.

Prävention von Feigwarzen durch HPV-Impfung

Gegen HPV wird in Deutschland seit 20 Jahren geimpft. „Das Hauptaugenmerk wurde zunächst auf die krebserregenden HPV-Typen gelegt. Das ist sinnvoll und hat ganz erheblich zu einem Rückgang HPV-assoziierter Krebserkrankungen geführt“, sagt Brockmeyer. Erfreulich sei, dass einer der beiden zur Verfügung stehenden Impfstoffe auch gegen die Typen 6 und 11 immunisiert, die für die Ausbildung der meisten Feigwarzen verantwortlich sind.

Wie sich die HPV-Impfung auf die Inzidenz von Genitalwarzen auswirkt, konnte eine schwedische Untersuchung (Astorga et al. 2025) zeigen. Das skandinavische Land hatte 2006 die HPV-Impfung eingeführt. Untersucht wurde basierend auf schwedischen Registerdaten der Inzidenztrend von Genitalwarzen bei Frauen und Männern im Alter von 15 bis 44 Jahren im Zusammenhang mit den HPV-Impfprogrammen von 2006 bis 2018 in Schweden. Verglichen wurden die untersuchten Kohorten im Vergleich zu einer Kohorte vor Einführung der Impfung. Die Neuerkrankungsrate von Genitalwarzen ging nach Einführung der HPV-Impfung zurück. Ein Effekt, der sich im Laufe der Zeit durch den Anstieg der HPV-Impfquote verstärkte. Dieser Trend wurde besonders bei Frauen unter 30 Jahren deutlich, die im Kindes- und Jugendalter Zugang zu HPV-Impfprogrammen hatten. Ein Jahrzehnt nach der Einführung der Impfung (2016-2018) verringerte sich die Inzidenz in den Frauenaltersgruppen wie folgt: 89% bei den 15- bis 19-Jährigen, 73% bei den 20- bis 24-Jährigen, 50% bei den 25- bis 29-Jährigen und 20% bei den 30- bis 34-Jährigen. Bei den untersuchten Männern wurden ähnliche Muster beobachtet, aber in einem geringeren Maß. Zurückzuführen sind diese Effekte vermutlich auf eine Herdenprotektion, da die Impfung für Jungen/Männer in Schweden erst 2020 eingeführt wurde.

Aber: Auf die richtige Kommunikation kommt es an!

Bei der Kommunikation rund um die HPV-Impfung hat sich zwischenzeitlich einiges getan, wie die Ärztin und Epidemiologin Dr. Anja Takla, aus dem Fachgebiet Impfprävention bei der STIKO und Erregerzuständige HPV erklärt das wie folgt:  „Warum wir am Robert-Koch-Institut nicht mehr sagen: Die HPV-Impfung sollte vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen: Es geht dabei nicht darum, dass wir nicht erwähnen wollen, dass HPV hauptsächlich sexuell übertragen wird. Natürlich ist das so. Aber wir wissen auch: Für viele Eltern ist es schwierig, sich vorzustellen, dass auch ihr eigenes Kind irgendwann sexuell aktiv sein wird. Für viele sollte das lieber später als früher passieren. Auch wenn die meisten Eltern irgendwann natürlich Großeltern werden wollen.“

„Frühzeitig = rechtzeitig = besserer Schutz“

Dr. Anja Takla

Der Ausdruck „Die HPV-Impfung sollte vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen“ stamme noch aus den frühen Zeiten der HPV-Impfempfehlung. Damals war noch nicht klar, wie lange der Impfschutz anhält. In Studien konnte er zunächst bis zu etwa 10 Jahre nachgewiesen werden. Damit ging es vorrangig darum, so spät wie möglich, gleichzeitig so früh wir nötig zu impfen: also vor dem ersten Sexualkontakt oder dem ersten Geschlechtsverkehr.

Heute weiß man, so Dr. Takla: der Schutz hält mindestens 18 Jahre, sehr wahrscheinlich aber eher viele Jahrzehnte. Deshalb könne heute einfach frühzeitig geimpft werden – ohne auf den Zeitpunkt erster Sexualkontakte verweisen zu müssen.

Der Ausdruck „frühzeitig“ schließt kommunikativ keine Tür!

Warum ist eine andere Formulierung wichtig? Der Begriff „frühzeitig“ beinhaltet weiterhin „vor dem ersten Sexualkontakt“. Er weist Eltern damit auf das Wesentliche hin, ohne durch einen in diesem Kontext unnötigen Nebenschauplatz Widerstand auszulösen,“ erklärt die Ärztin.

Empfohlen ist die Impfung ab 9 Jahren. „Dazu wissen wir aus vielen Berichten und Gesprächen, dass ungeimpfte Jugendliche sagen: Die HPV-Impfung ist bei mir ja nun zwecklos. Aber das stimmt so nicht,“ berichtet Takla.

Auch wenn ungeimpfte ältere Jugendliche schon sexuell aktiv sind und der Impfschutz bei ihnen geringer ausfallen kann als bei einer frühzeitigen Impfung mit 9 oder 10 Jahren, gelte: „Nicht alle Jugendlichen haben sich schon mit HPV infiziert. Auch mit z. B. 16 Jahren besteht noch ein Schutz vor HPV-assoziierten Krebserkrankungen. Der Begriff „frühzeitig“ schließt kommunikativ keine Tür. Denn Nachholimpfungen sind von der STIKO noch bis zum 18. Geburtstag empfohlen – und sollten bei ungeimpften Jugendlichen einfach so früh wie möglich nachgeholt werden. Deshalb nutzen wir am RKI in unserer Kommunikation zur HPV-Impfung die einfache Botschaft: Frühzeitige Impfung = rechtzeitige Impfung = besserer Schutz vor Krebs.“

Weitere Informationen

Aktuelle Informationsmaterialien zu HPV und HPV-Impfung:
www.rki.de/faq-hpv-impfung

Redaktion (sma)

Literatur:
  1. Osmani V, Klug SJ. HPV-Impfung zur Prävention von Genitalwarzen und Krebsvorstufen – Evidenzlage und Bewertung. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2021 May;64(5):590-599. German. doi: 10.1007/s00103-021-03316-x.
  2. Astorga Alsina AM, Herweijer E, Lei J. Population-Level Impact of Human Papillomavirus Vaccination on the Incidence of Genital Warts in Sweden. J Infect Dis. 2025 Jul 30;232(1): e54-e63. doi: 10.1093/infdis/jiaf052.
  3. Talka, A. (2026). [Warum wir am Robert-Koch-Institut nicht mehr sagen: Die HPV-Impfung sollte vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen] [Post]. LinkedIn: https://www.linkedin.com/posts/activity-7435215362570285056-QBLc?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAABG9__kBLD1I6NWLoD9qMxdewaSOsykesEc
  4. Arnold, D. (2026, 24. Februar). Welt-HPV-Tag am 4. März 2026: HPV-Impfung schützt auch vor Genitalwarzen. [Pressemitteilung]. Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG).

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Lachendes Kind haelt einen bunten Schirm im Garten, Symbolbild fuer SunPass und Sonnenschutz im Kindergarten

Projekt „SunPass: Sonnenschutz beginnt im Kindergarten

Fachartikel

Mit dem Projekt „SunPass – Gesunder Sonnenspaß für Kinder“ bringt die Bayerische Krebsgesellschaft e.V. Hautkrebsprävention dorthin, wo Kinder besonders gut lernen: in Kindertagesstätten.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Laechelndes Baby mit Muetze liegt entspannt auf der Schulter einer erwachsenen Person, Symbolbild fuer zielgerichtete Behandlung von Kleinkindern mit CSU

Pharmameldung: Zielgerichtete Behandlung für Kleinkinder mit CSU

Pharmaservice

Die EU-Kommission erweitert die Therapieoptionen bei chronischer spontaner Urtikaria: Ab sofort ist die erste zielgerichtete Behandlung für Kinder ab zwei Jahren zugelassen, die unzureichend auf Antihistaminika ansprechen.

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Hidradenitis suppurativa

Beitrag lesen
© Universität Basel/zvg

KI hilft, Hautläsionen bei seltener Krankheit genauer zu bewerten

News

Forschende der Universität Basel konnten mithilfe künstlicher Intelligenz erstmals quantitativ messen, wie stark es die Hautveränderungen reduziert.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Digitale Dermatologie

Beitrag lesen