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Lipödem, Diabetes und Hautreaktionen

Person mit geschwollenen Beinen beim Gehen als Hinweis auf Lipoedem und moegliche Hautreaktionen im Zusammenhang mit Diabetes

Quelle: © sam richter - stock.adobe.com

Lipödem, Diabetes und Hautreaktionen

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mgo medizin Redaktion

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5 MIN

Erschienen in: derma aktuell

Eine frühzeitige Intervention von dermatologischer Seite kann helfen, die Hautbarriere der betroffenen Patienten zu schützen, die häufig bereits stark beeinträchtigt ist. Auf lange Sicht ist dies eine Möglichkeit, schwerwiegende infektiöse oder autoimmune Komplikationen zu reduzieren.

Aus dermatologischer Sicht ist das Lipödem als chronisch-inflammatorische Erkrankung des subkutanen Gewebes zu bewerten. Die Freisetzung von Zytokinen aus den hyperplastischen Adipozyten kann die kutane Barriere schwächen und pro-inflammatorische Signalwege aktivieren. Dies kann nicht nur Hautreaktionen wie Ekzeme in den typischen Hautumschlagfalten (Intertrigo) begünstigen, sondern bei entsprechender Prädisposition auch autoimmune Reaktionen verstärken. Insbesondere die Kombination mit der diabetischen Mikroangiopathie führt zu einer vulnerablen Hautoberfläche, die im Einzelfall bereits bei kleinsten Traumata mit massiven Entzündungsschüben antwortet.

Wenn sich Mechanismen verstärken

Rund jede 10. erwachsene Frau in Deutschland lebt mit einem Lipödem – einer chronischen, schmerzhaften Fettverteilungsstörung. Gleichzeitig ist Diabetes eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. Treffen beide Diagnosen zusammen, verschärfen hormonelle und stoffwechselbedingte Mechanismen die Situation im Alltag, in der Diagnostik und in der Therapie.

Vor diesem Hintergrund fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mehr Aufmerksamkeit und ein interdisziplinäres Behandlungskonzept. Das Thema wurde anlässlich des DDG-Jahreskongresses in den Fokus gerückt.

Professorin Dr. med. Claudia Eberle, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie & Diabetologie, Kardiologie & Notfallmedizin, Ernährungsmedizin sowie Infektiologie, berichtete: „Das Lipödem ist eine schmerzhafte, chronisch fortschreitende, fast ausschließlich bei Frauen auftretende Erkrankung mit disproportionaler Fettvermehrung, vor allem an Armen, Hüften und Beinen auftretend und begleitet von Druck- und Spontanschmerzen. Gerade in hormonell sensiblen Lebensphasen – Pubertät, Schwangerschaft, Menopause – sehen wir besondere Herausforderungen. Das erfordert sensibilisierte Diagnostik und eine interdisziplinär eng verzahnte Versorgung.“

Prof. Dr. med. Eberle
© privat
Prof. Dr. med. Eberle
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„Nur in der Interdisziplinarität kann eine optimierte Versorgung entstehen, die den betroffenen Frauen wirklich hilft“

Prof. Dr. med. Eberle

Risiken für die Hautintegrität

Treffen Lipödem und Diabetes zusammen, belasten Veränderungen im Hautbild, Schmerzen und eine erschwerte Nutzung von Injektions- und Sensorstellen den Alltag. „Ich lebe seit meiner Pubertät mit dem Lipödem und erhielt erst nach 12 Jahren die richtige Diagnose. Mit 21 kam Typ-1-Diabetes dazu“, berichtet Kathi Korn, Keynote-Speakerin, Botschafterin für Menschen mit Diabetes und Autorin. „Insulin senkt meinen Blutzucker – kann aber das betroffene Fettgewebe wachsen lassen. In verändertes Gewebe gespritzt, wirkt es oft schlechter und langsamer. Das führt zu längeren Abständen zwischen Spritzen und Essen, instabilen Werten und starken Schmerzen an Setzstellen.“

Für die Behandlung des Lipödems gibt es inzwischen genauere diagnostische Kriterien und therapeutische Empfehlungen – etwa zu konservativen und operativen Maßnahmen. „Entscheidend ist eine geschlechtersensible, individuell angepasste Betreuung. Dazu gehören eine differenzierte hormonelle Anamnese, eine auf die Patientin zugeschnittene Schmerz-, Bewegungs- und Kompressionstherapie, psychosoziale Unterstützung sowie eine verständliche Aufklärung über alle Behandlungsoptionen – und eine individuell optimierte Diabetestherapie“, s so Prof. Dr. med. Claudia Eberle, Inhaberin der W2-Professur für „Innere Medizin & Allgemeinmedizin“ an der Universitätsmedizin Marburg – Campus Fulda und Hochschule Fulda – University of Applied Sciences.„Unser Ziel sollte eine patientenzentrierte Versorgung sein, die medizinische, psychosoziale und praktische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt und Patientinnen und Patienten in allen Lebensphasen begleitet.“

Interdisziplinäre Perspektiven

Hier schließt sich auch der Bogen zum Austausch mit anderen Fachrichtungen wie Dermatologie, Allgemeinmedizin oder Gynäkologie: Denn durch mehr Awareness für die zugrundeliegenden Prozesse und einen Blick auf mögliche Vorzeichen von Lipödem bzw. Diabetes könnte gerade Fachrichtungen, bei denen die betroffenen Frauen oftmals zuerst Hilfe suchen, ein wichtiger Beitrag geleistet werden für eine bessere bzw. frühzeitigere Versorgung der Betroffenen.

Die Haut im Fokus

Die Dermatologie kann hier über die rein metabolische und chirurgische Perspektive hinaus einen Beitrag zur Sicherung der Hautintegrität und Entzündungskontrolle leisten, z. B. durch:

  • Differenzialdiagnostik bei Schmerz und Entzündung: Abgrenzung zwischen Lipödem-bedingten Beschwerden und kutanen Manifestationen von Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus erythematodes oder lokalisierte Sklerodermie), die ähnliche Schmerzbilder oder Gewebeveränderungen hervorrufen können.
  • Erysipel als dermatologischer Notfall: Bei Patienten mit Lipödem und Diabetes kann das Risiko für schwere Hautreaktionen wie das Erysipel durch Lymphstau und schlechte Wundheilung massiv erhöht sein. Dermatologen können hier durch proaktive Hautpflege und Infektionskontrolle steuernd eingreifen.
  • Adjuvante Lokaltherapie: Einsatz moderner Wirkstoffe zur Stabilisierung des kutanen Immunsystems und zur Behandlung trophischer Störungen, um chronische Wundentwicklungen frühzeitig abzubremsen.
  • Kutane Nebenwirkungen: Da moderne Wirkstoffe teils in immunologische Signalwege eingreifen, ist die dermatologische Überwachung hinsichtlich seltener kutaner Nebenwirkungen wertvoll.
  • Psychodermatoimmunologischer Ansatz: Stressbedingte Hautreaktionen und eine Verschlechterung des diabetischen Stoffwechsels können sich gegenseitig negativ beeinflussen. Die dermatologische „Mitbehandlung“ kann helfen, einen Teufelskreis aus Entzündung, Schmerz und psychischer Belastung aufzubrechen.
DDG Kongress Logo 2026
DDG Kongress Logo 2026

Kongressverweis
Einen Blick über den Tellerrand und Input z. B. zur Versorgung von Hautkomplikationen bei Diabetikern liefert die 60. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (Diabetes Kongress 2026) vom 13. bis 16. Mai 2026 in Berlin.


Website: www.ddg.info/veranstaltungen/diabetes-kongress

DDG-Pressestelle: Stefanie Balz, balz@medizinkommunikation.org

Sabine Mack

Literatur

  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Lipödem und Diabetes: wenn 2 chronische Erkrankungen sich gegenseitig verstärken. (Pressemitteilung Nov. 2025).
  2. Dal’Forno-Dini, T. et al. (2026). Lipedema: Pathophysiological insights and therapeutic strategies – An update for dermatologists. An Bras Dermatol. 2026 Jan 8;101(1):501270. Advance online publication.
  3. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V. (DGPL). (2024). S2k-Leitlinie: Lipödem (AWMF-Registernummer 037-012). Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).

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