Der neue Public Health Index des AOK-Bundesverbands und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt, dass Deutschland bei der Umsetzung wissenschaftlich empfohlener Präventionsmaßnahmen für nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Adipositas im europäischen Vergleich auf dem vorletzten Platz liegt. Besonders in den Bereichen Tabak, Alkohol und Ernährung werden viele wirksame Maßnahmen nicht umgesetzt, während Länder wie Großbritannien, Finnland und Irland mit klaren politischen Vorgaben deutlich bessere Ergebnisse erzielen [1][2].
Wissenschaftsbündnis DANK: Präventionspotenzial wird verspielt
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), ein Zusammenschluss von 25 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, kritisiert in ihrem aktuellen Kommentar zum Public Health Index die deutsche Präventionspolitik deutlich. Die Sprecherin Barbara Bitzer, zugleich Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), betont, dass freiwillige Maßnahmen der Industrie und Appelle an die Eigenverantwortung gescheitert sind. Deutschland verliere im europäischen Vergleich weiter den Anschluss und lasse viel Potenzial für die Verhinderung von Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas, Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden ungenutzt.
DANK fordert von der Politik umfassende und verbindliche Maßnahmen: Dazu zählen Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel, Tabak und Alkohol, standardisierte Verpackungen für Tabakprodukte sowie eine gesundheitsorientierte Besteuerung für Tabak, Alkohol und zuckergesüßte Getränke. In anderen Ländern zeigen solche Maßnahmen bereits nachweislich Wirkung.
„Die aktuellen Ergebnisse des Public Health Index zeigen eindrücklich, dass freiwillige Maßnahmen der Industrie und das mantraartige Wiederholen von Appellen an die Eigenverantwortung und Aufklärung allein gescheitert sind. Deutschland verliert in Europa bei der Prävention nichtübertragbarer Krankheiten weiter den Anschluss und lässt viel Präventionspotenzial ungenutzt.“
Barbara Bitzer, DANK-Sprecherin und DDG-Geschäftsführerin [1]
Die DANK-Allianz mahnt, dass wertvolle Zeit im Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten verloren geht – mit gravierenden Folgen für die Lebensjahre der Menschen und die Finanzierung des Gesundheitssystems.
Praxisnahe Prävention: Erfahrungen der AOK PLUS
Die AOK PLUS zeigt, wie Prävention im Alltag gelingen kann. Mit niedrigschwelligen Angeboten wie Gesundheitskursen, digitalen Tools und Bonusprogrammen werden Versicherte motiviert, gesunde Gewohnheiten zu etablieren. Die Resonanz ist hoch: 2024 haben rund 233.500 Versicherte diese Angebote genutzt. Entscheidend ist dabei, dass Prävention nicht nur als Appell verstanden wird, sondern aktiv und alltagsnah unterstützt wird.
„Ein gesundes Leben ist keine Frage des Zufalls – es ist das Ergebnis von Entscheidungen, die wir treffen. Weniger Rauchen, mehr Bewegung und eine ausgewogene Ernährung tragen entscheidend dazu bei, mehr gesunde Jahre zu gewinnen.“
Dr. Stefan Knupfer, Vorstand der AOK PLUS [4]
Handlungsempfehlungen für Diabetologinnen und Diabetologen
Diabetes-Teams können einen entscheidenden Beitrag zur Verhältnisprävention und zur Senkung der Krankheitslast leisten:
- Gezielte Aufklärung und Beratung: Neben der klassischen Diabetesbehandlung sollten Betroffene aktiv über die Zusammenhänge von Lebensstil und Krankheitsrisiko informieren. Besonders wirksam sind strukturierte Programme zur Ernährungsberatung, Bewegungsförderung und Tabakentwöhnung. Die Nutzung von digitalen Tools wie Apps und Bonusprogrammen (z. B. AOK NAVIDA) kann die Motivation zur Verhaltensänderung stärken [3][4].
- Niedrigschwellige Präventionsangebote vermitteln: Die Erfahrung der AOK PLUS zeigt, dass Programme, die einfach in den Alltag integriert werden können, besonders gut angenommen werden. Diabetologinnen und Diabetologen sollten solche Angebote – etwa Gesundheitskurse, Online-Selfchecks oder regionale Initiativen – aktiv empfehlen und in ihre Praxisabläufe einbauen [4].
- Multiprofessionelle Zusammenarbeit: Die Einbindung in Netzwerke mit Fachleuten aus Ernährungsberatung, Bewegungstherapie und Sozialarbeit erhöht die Effektivität der Prävention deutlich. Diabetespraxen können sich für die Etablierung solcher Strukturen in ihrer Region stark machen und an lokalen Präventionsbündnissen teilnehmen [5].
- Politische und gesellschaftliche Fürsprache: Ärztinnen und Ärzte haben eine starke Stimme. Sie können sich öffentlich und gegenüber politischen Entscheidungsträgern für wirksame Verhältnisprävention einsetzen, etwa für Werbebeschränkungen, gesundheitsfördernde Steuern und verbindliche Standards in der Schulverpflegung [1][6].
Aktuelle Initiativen und politische Entwicklungen
Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren einige Initiativen zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten angestoßen, doch laut Public Health Index und DANK-Kooperation besteht weiterhin großer Nachholbedarf:
- Gründung des Bundesinstituts für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM): Das neue Institut soll die Präventionsarbeit in Deutschland stärken und die Aufgaben des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergänzen. Ziel ist eine bessere Koordination und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen[7].
- 6-Punkte-Plan der DANK-Kooperation: Die DANK-Allianz fordert die Bundesregierung auf, verbindliche, strukturierte und umfassende Präventionsmaßnahmen zu verabschieden. Dazu gehören unter anderem Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel und Alkohol, steuerliche Anreize für gesunde Ernährung und Bewegung, Mindeststandards für die Schulverpflegung und verbindliche Präventionsziele [6][8].
- Politische Forderungen aus dem Public Health Index: Fachleute empfehlen insbesondere die Erhöhung der Steuern auf Nikotin, Alkohol und Zucker zur Finanzierung von Präventionsprogrammen, die ressortübergreifende Verankerung von Prävention und Gesundheitsförderung sowie die Entwicklung konkreter Präventionsziele gemeinsam mit allen relevanten Akteuren[2][9].
- Regionale Initiativen: Die AOK PLUS setzt bereits praktische Präventionsangebote um, wie die Gesundheitsinitiative „Dein PLUS fürs gesündere Ich“ und Online-Selfchecks, die besonders in Sachsen und Thüringen erfolgreich sind [4].
Fazit
Die aktuellen Ergebnisse des Public Health Index und die Stellungnahme der DANK-Kooperation machen deutlich: Deutschland muss mehr in Prävention investieren, um die Krankheitslast – insbesondere im Bereich Diabetes – nachhaltig zu senken. Diabetologen sind gefragt, sich für eine stärkere Verhältnisprävention einzusetzen und politische Veränderungen aktiv zu unterstützen.
Quellen:
1 DANK: Deutschland verspielt Präventionspotenzial, Deutsche Diabetes Gesellschaft
https://www.ddg.info/presse/2025/dank-deutschland-verspielt-praeventionspotenzial
2 Neuer Public Health Index: Deutschland auf vorletztem Platz bei wissenschaftlich empfohlenen Präventionsmaßnahmen, AOK Presse
https://www.aok.de/pp/bv/pm/neuer-phi/
3 Public Health Index | AOK Presse
https://www.aok.de/pp/public-health/index/
4 Public-Health-Index: Deutschland muss mehr Prävention wagen | AOK PLUS
https://www.aok.de/pp/plus/pm/public-health-index-deutschland-muss-mehr-praevention-wagen/
5 AOK PLUS: Prävention im Gesundheitssystem stärken
https://abg-info.de/gesundheit-und-ratgeber/aok-plus-fordert-paradigmenwechsel-im-gesundheitssystem/
6 Sechs, setzen: Die deutsche Präventionspolitik im Vergleich, Pharma Fakten
https://pharma-fakten.de/news/sechs-setzen-die-deutsche-praeventionspolitik-im-vergleich/
7 Deutschlands öffentliche Gesundheit wird neu organisiert – Deutsche Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit und Bevölkerungsmedizin
https://bevoelkerungsmedizin.de/en/deutschlands-oeffentliche-gesundheit-wird-neu-organisiert-dgoegb-mitglieder-zeichnen-die-konsequenzen-nach-die-eine-neue-bundesbehoerde-mt-sich-bringt/
8 Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten: Aktuelles
https://www.dank-allianz.de/aktuelles.html
9 Neuer Public Health Index: Deutschland auf vorletztem Platz bei wissenschaftlich empfohlenen Präventionsmaßnahmen – Deutsches Krebsforschungszentrum
https://www.dkfz.de/aktuelles/pressemitteilungen/detail/neuer-public-health-index-deutschland-auf-vorletztem-platz-bei-wissenschaftlich-empfohlenen-praeventionsmassnahmen



